Studie

Börsenverein: Buchbranche erwartet Durchbruch für das E-Book

Die Buchbranche ist von der fortschreitenden Digitalisierung des Buchmarkts überzeugt, auch wenn die Deutschen derzeit fast ausschließlich gedruckte Bücher lesen. "2011 wird auf dem Markt der eigentliche Durchbruch für das E-Book kommen", sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, heute bei der Vorstellung der ersten breit angelegten E-Book-Studie in Deutschland, die der Börsenverein gemeinsam mit GfK Panel Services durchgeführt hat.

© Nicole Hoehne

"Wir erleben gerade, wie sich ein neuer Markt formiert", sagte Skipis. Die Branche selbst habe mit ihrem Verband bereits vor über zwei Jahren mit der Entwicklung der Plattform libreka! die Voraussetzung dafür geschaffen, dass sämtliche verfügbare elektronische Inhalte gebündelt und mit geklärten Rechtefragen zur Verfügung stehen. Das ermögliche dem kleinsten Händler ebenso wie den großen Plattformen am E-Book-Geschäft teilzunehmen. "Das Angebot auf dem Markt ist da, es wächst und es wird seinen Weg zu den Lesern in den nächsten ein, zwei Jahren finden. Entscheidend wird jetzt sein, wie komfortabel der Zugang zu den Büchern und die Technik der Lesegeräte gestaltet werden", so Skipis.
 
"Insbesondere die Verlage investieren in den E-Book-Markt und sind derzeit den Lesern noch voraus", sagt Jürgen Horbach, Schatzmeister des Börsenvereins und Vorsitzender der Geschäftsführung des KV&H-Verlags. 35 Prozent der Verlage seien bereits mit E-Books aufgestellt, 80 Prozent der Verlage würden nach eigenen Angaben in den kommenden Jahren E-Books anbieten.

Im Käuferbuchmarkt (ohne Schul und Fachbücher) umgesetzt wurden der Studie zufolge 2010 mit E-Books 21,2 Millionen Euro, das entspricht lediglich 0,5 Prozent des Gesamtumsatzes. 82 Prozent der Deutschen kaufen Bücher ausschließlich oder weitgehend als gedrucktes Buch, 2 Prozent kaufen ihren Lesestoff weitgehend als E-Book.
 
 "Je besser das Zusammenspiel von Endgerät, Inhalt und Angebot wird desto dynamischer entwickelt sich der Markt. Darauf deuten die Erwartungen der Experten aus Verlagen und Buchhandel hin", meint Hans Huck, Sprecher des Arbeitskreises Elektronisches Publizieren im Börsenverein und Vertriebsleiter E-Commerce und E-Book bei Koch, Neff & Volckmar. So würden die Verlage für das Jahr 2015 davon ausgehen, im eigenen Verlag 16,2 Prozent des Umsatzes mit E-Books zu machen. Für 2010 werde der Umsatzanteil der E-Books auf 5,4 Prozent geschätzt. Auch der Buchhandel gehe von einer massiven Steigerung des Umsatzanteils von E-Books am Gesamtumsatz der Buchhandlungen in den nächsten vier Jahren aus. Lag er 2010 im Durchschnitt bei 0,8 Prozent, so werde der E-Book-Umsatz nach Einschätzungen des Buchhandels 2015 einen Anteil von 9,2 Prozent umfassen.
Weitere Ergebnisse: 

Im Durchschnitt bieten deutschen Verlage, die E-Books im Programm haben, 186 E-Book-Titel an, selbst die kleineren Verlage haben durchschnittlich 85 elektronische Titel im Angebot. Wer mit E-Books arbeitet, der nimmt sie auch ins aktuelle Programm auf: Bei diesen Verlagen sind fast 40 Prozent der Neuerscheinungen auch als E-Book erhältlich. Wissenschaftliche Bücher und Fachbücher sind dabei nach wie vor die stärksten Warengruppen - 30 Prozent der Verlage, die E-Book-Titel im Programm haben, bieten im Durchschnitt 231 wissenschaftliche Bücher an, 28 Prozent im Schnitt 147 Fachbücher. Sachbücher werden von 33 Prozent und damit von den meisten Verlagen angeboten, allerdings sind es im Durchschnitt lediglich 35 Titel. Die Belletristik holt auf: 11 Prozent der Verlage bieten mittlerweile im Durchschnitt 89 Belletristik-Titel an.
 
Die Ergebnisse stammen aus der aktuellen Studie des Börsenvereins zusammen mit GfK Panel Services Deutschland "Umbruch auf dem Buchmarkt? Das E-Book in Deutschland", März 2011. Sie besteht aus mehreren Teilen: Für die Studie wurden Anfang des Jahres 2011 eine Auswahl aus 1.800 Sortimentern und 1.850 Verlegern befragt. Die Hochrechnung der E-Book Absätze und Umsätze 2010 stammen aus dem GfK Verbraucherpanel mit insgesamt 20.000 Personen, die monatlich zu ihren Bucheinkäufen befragt werden. Sie ist repräsentativ für die deutsche Wohnbevölkerung ab 10 Jahren. Und die Konsumentenbefragung zum Thema E-Books basiert auf einer Befragung aus dem Januar 2011 von 10.000 Endverbrauchern zum Thema E-Book und ist für  64. Mio Deutsche ab 10 Jahre ebenfalls repräsentativ. Die Studie ist eine Eigenstudie der GfK.

Schlagworte:

Mehr zum Thema

1 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Patricia

    Patricia

    Obwohl ich mitbekommen habe, dass viele Buchblogger hierzulande (und auch international) lieber physische Bücher als bswp. einen Kindle in den Händen halten, lese ich mittlerweile grundsätzlich lieber die .pdf, .mobi oder .epub Version eines Buches als das Hardcover. - Grundsätzlich sind ebooks nämlich gerne mal einige Dollar günstiger. Und nachts endlich auch ohne Festbeleuchtung lesen zu dürfen, tja, das hat einfach was. Traurig nur, dass sich im Internet sofort zig illegale Kopien finden lassen. - Aber das gab's schon vor dem ebook-Boom, damals wurde dann eben gescannt.

    • Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

      (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
      CAPTCHA image
      Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

      * Pflichtfeld