Publishers’ Forum in Berlin

Leser mit Lesern verbinden

Die Zukunft des digitalen Verlegens rückt mit schnellen Schritten näher. Diesen Eindruck nahmen jedenfalls die Teilnehmer des 8. Publishers’ Forum mit, zu dem Klopotek diese Woche wieder nach Berlin eingeladen hatte.

Helmut von Berg bei der Eröffnung des heutigen Forums

Helmut von Berg bei der Eröffnung des heutigen Forums © Adam Janisch/ Klopotek

Anabella Weisl über Google eBooks

Anabella Weisl über Google eBooks © Klopotek

Überall Umbruch: Die Formate für E-Books können immer mehr in immer besserer Qualität. »Social Books« tauchen am Horizont des geselligen Lesens auf. Und die Nationalbibliothek Österreichs (ÖNB) legt den Bestand ihres ehrwürdigen Prunksaals (und noch einige 100.000 Bände mehr) auf den Google-Scanner – Habsburger Volltexte.

Eine spannende Liaison sind dabei die Institution, deren Anfänge in das 14. Jahrhundert zurückreichen, und das etwas jüngere Unternehmen Google eingegangen. 180 Millionen Seiten urheberrechtsfreie historische Buchbestände werden am Ende der sechsjährigen Projektlaufzeit digital vorliegen, berichtete Max Kaiser, der bei der ÖNB für »Austrian Books Online« (so heißt das Public-Private-Partnership mit Google in Wien) verantwortlich ist.

In der Vereinbarung mit Google seien für die ÖNB wichtige Punkte geregelt: kein exklusiver Vertrag, Kopien aller Digitalisate an die ÖNB, kostenloser Zugang garantiert, Auswahl erfolgt durch die Bibliothek, Restauratoren sind in den gesamten Prozess eingebunden. Nebeneffekt des Wiener Massenscannens: »Das ist auch eine echte Revision für uns. Wir finden Bücher, die lange Zeit verstellt waren«, so Kaiser.

Unmittelbar zuvor hatte Kaisers Projektpartnerin Annabella Weisl, verantwortlich bei Google für die Buchsuche im deutschsprachigen Raum, den Stand von Google eBooks erläutert. Weisls Buchregale sind nicht aus Holz und stehen auch nicht im Prunksaal, sondern sie sind virtuell und schweben in der Cloud. So könnten jederzeit und von jedem Gerät aus Kunden auf das Angebot zugreifen und es kaufen, erklärte die Google-Managerin den Vorteil. Auch sei es Händlern bei dieser Lösung möglich, ihre Kunden online zu erreichen. In den USA bieten Weisl zufolge mittlerweile 200 Online-Händler Google eBooks an. Und ab wann in Deutschland? Darauf eine echte Google-Antwort: »Wir planen in diesem Jahr zu launchen.«

Vorerst noch in die Abteilung konkrete Utopie gehört, was der Gründer des Instituts »The Future of the Book«, Bob Stein, in Berlin vortrug: die Idee von einem online verfügbaren »Social Book«, welches dafür gemacht ist, die Anforderungen von Lesern im Zeitalter der Netzwerke zu erfüllen. Steins Grundgedanke ist es, dass Online-Texte ideal geeignet seien, »Leser mit Lesern zu verbinden«. Der soziale Aspekt des Lesens sei in der digitalen Welt bisher viel zu wenig beachtet. Der Buchzukunftsforscher stellt sich ein Social Book so vor, dass Leser darin zum Beispiel Markierungen anbringen, welche dann für andere, mit demselben Text verbundene Leser auf Wunsch sichtbar werden. Der Leser tritt heraus aus der Zweisamkeit mit seinem Buch – kann dabei aber sitzenbleiben.

Begonnen hatte der zweite Konferenztag des Publishers’ Forums mit Informationen der Software-Expertin Liza Daly zu den erweiterten Möglichkeiten des EPUB-Formats. Dessen jüngste Version werde die Qualität des E-Publishing deutlich steigern, sagte Daly. Produkte, für die EPUB bisher keine Lösung anzubieten hatte, würden künftig mit dieser flexibler gewordenen Software zu formatieren sein: etwa Werke in nicht-lateinischer Schrift, Graphic Novels und Comics, Fotobände oder auch interaktive Inhalte. »Designer sind mit EPUB 3.0 nun in die Lage versetzt, nicht mehr nur einfach das Print-Layout zu reproduzieren.« Und sie haben es laut Daly auch leichter, für unterschiedlich große Monitore je spezifische optische Lösungen zu finden.

Text: Torsten Casimir

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