Die Sonntagsfrage: Kolja Bedürftig

Welches Potenzial haben angereicherte E-Books?

Manche Beobachter meinen, dass E-Books erst dann ihre volle Wirkung entfalten können, wenn sie mit multimedialem Content und interaktiven Elementen angereichert werden. Welche Rolle "enhanced" oder "enriched" E-Books künftig spielen können, beantwortet Kolja Bedürftig, Prokurist des ABW Wissenschaftsverlags in Berlin.

Kolja Bedürftig

Kolja Bedürftig © privat

Ich sehe eine Analogie zwischen den „Multimedia-CD-ROM-Projekten“, die in den späten 90ern gehypt wurden und den "enhanced" E-Books. Problematisch sind heute wie damals die Produktionskosten, die schnell den Rahmen sprengen können.
 
Schon bei einfachen EPUB-Dateien, die einen gewissen Anspruch an das Layout erfüllen sollen, besteht aktuell das Problem, dass für verschiedene Plattformen optimiert werden muss. Alternativ suche man vergnügt nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner …
 
Wenn Videos oder Interaktion integriert werden sollen, kommt man zur Zeit nicht an der App-Entwicklung vorbei. Hier gilt, was Joachim Graf von iBusiness.de einmal gesagt hat: "Es müsste für mindestens ein halbes Dutzend verschiedene App-Stores entwickelt werden. Das können nur die wenigsten Entwickler. Vor allem: Es ist endlos teuer."
 
Fachverlage, die Texte mit Videos, Wissensquiz und mehr anreichern, könnten in Führung gehen, wenn sie eine Plattform zur Verfügung haben, die das bei vernünftigen Kosten möglich macht. Das weiterentwickelte Format EPUB 3.0, das auf HTML5 basiert, kann die Lösung sein. Die Produktion ist dann browserorientiert, und somit würde die plattformabhängige Optimierungsarbeit entfallen. Das bedeutet, dass Webanwendungen künftig alles beherrschen werden (oder bereits tun), was jetzt einzelne Apps erledigen.
 
Ich wünsche dem, der Filme nicht erst teuer produzieren muss und einfache Ideen zur Interaktion günstig umsetzen kann, zahlungswillige Kunden – einem Erfolg von enhanced E-Books stünde dann auch kurzfristig nichts mehr im Wege.
 

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4 Kommentar/e

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  • Christoph Mann

    Christoph Mann

    Die gute Nachricht in Sachen Apps: zwar ist Android als Betriebssystem weiter verbreitet als iOS, aber 3/4 der Umsätze werden im Appstore generiert. Das bedeutet: eine IPhone-App ist im ersten Schritt ausreichend, wenn man Geld verdienen möchte. Augenscheinlich sind die IPhone-Nutzer eher bereit, für eine App auch Geld auszugeben.

  • Ursula Welsch

    Ursula Welsch

    Ob man E-Books anreichert oder "pur" publiziert, ist doch eine Frage der Zielgruppe: Will sie überhaupt Zusatzmaterial zu Zusatzkosten - oder will sie lieber ein ruhiges Lesevergnügen wie bisher? Auch bei jüngeren Leuten mit multimediafähigen Geräten ist bei weitem nicht immer Multimedia erwünscht; fundierte Zusatzinformationen vielleicht schon eher. Nur wenn das E-Book sowohl mit als auch ohne Ergänzungen erworben werden kann, gibt es eine klare Aussage.

  • Jürgen Jung

    Jürgen Jung

    E-Books mit Video- und Audiointegration sowie interaktiven Elementen können schon heute zuverlässig in EPUB-E-Books für iBooks (iPad/iPhone/iPod touch) integriert werden.

    Der kaufwillige E-Book-Interessent findet zZ allerdings kaum ein etwas komplexeres Fachbuch als EPUB-E-Book auf dem Markt. Um den zweiten Schritt machen zu können, muss der erste getan werden: Auch ein Enhanced-E-Book braucht als Basis eine fehlerfreie, benutzer- und lesefreundliche EPUB-Umsetzung des Inhalts.

    Wie soll das Interesse des Kunden an Enhanced E-Books entstehen, wenn er heute bei seinen ersten E-Book-Kauferfahrungen eines der vielen fehlerbehafteten E-Books erwirbt? Kein Verlag würde es riskieren, ein gedrucktes Buch in solchen Qualitäten auf den Markt zu bringen.

    Aufwendig und fehleranfällig kann eine komplexere EPUB-E-Book-Konvertierung immer dann werden, wenn kein funktionierender XML-Workflow installiert ist.

    Der E-Book-Käufer darf einerseits eine leserfreundliche Umsetzung erwarten und sollte gleichzeitig auch hinsichtlich der Vor- und Nachteile der auf dem Markt befindlichen Reader verlässliche Entscheidungskriterien an die Hand bekommen. Für das Fachbuch sind gewisse E-Book-Reader nicht geeignet.

  • Sabine Forschbach

    Sabine Forschbach

    Es muss nicht immer gleich eine App sein. Interaktivität in E-Books ist besonders dort interessant, wo sie dem Leser einen echten Mehrwert bietet. Tests und Auswertungen, Berechnungen, Video und Audio sind technisch problemlos in eine ePub-Datei zu integrieren. Ein so angereichertes ePub ist wesentlich günstiger als eine App-Produktion. Die Interaktivität wird zwar nur von Apple-Hardware unterstützt - bei Apps ist die Sachlage jedoch kaum anders.

    Den von Herrn Bedürftig dargestellten Punkt "kleinster gemeinsamer Nenner" hinsichtlich der eReader halte ich grundsätzlich auch für einen wesentlichen Knackpunkt. Je nach Layoutanforderungen ist die Quadratur des Kreises einfach nicht zu bewerkstelligen. Insofern ist es wichtig, die Bereiche mit Interaktivität auch auf anderen eReadern zumindest sinnvoll darzustellen. Auch dies ist technisch problemlos möglich; Einschränkungen ergeben sich auch hier "nur" durch den Performance-Umfang des eReaders.

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