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Dominique Pleimling, worauf lesen wir am besten?

Dominique Pleimling, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsschwerpunkt "Medienkonvergenz" der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, zu seiner Studie über das Leseverhalten auf Papier, E-Reader und iPad. Mit überraschenden Ergebnissen ... 

© Nicole Hoehne

Studiendesign und die wichtigsten Ergebnbisse erfahren Sie im Video.

Auch das Studienpapier steht zum Download bereit: http://www.uni-mainz.de/downloads/medienkonvergenz_lesestudie.pdf

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12 Kommentar/e

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  • André Pleintinger

    André Pleintinger

    Mit einem weiteren Vorurteil aufgeräumt! Danke, Dominique :)

  • Friedrich Forssman

    Friedrich Forssman

    Eine höchst sonderbare Untersuchung. Man lese unbedingt den ausgezeichneten Beitrag dazu von Valentin Frimmer in der FAZ:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/buch markt-die-e-book-lobby-und-ihre-forschung-11500822 .html

  • Dominique Pleimling

    Dominique Pleimling

    Höchst sonderbar ist allenfalls der Artikel in der FAZ, lieber Herr Forssmann. Der FAZ-Autor hat zu keiner Zeit versucht, die von ihm kritisierten Punkte bei uns zu hinterfragen. Wir hätten ihm alles Schritt für Schritt erklären können.
    Auch dass die Studie eine Auftragsarbeit sei, ist einfach eine bodenlose Unterstellung - wir haben komplett unabhängig gearbeitet!
    Frimmer blendet wichtige Elemente der Studie vollkommen aus und überspitzt andere. Seine emotional gefärbte Argumentation basiert auf falschen Annahmen und bloßen Vermutungen.
    Unser eigentliches Fazit ist nicht, dass digitales Lesen besser ist, sondern dass es vor allem nicht schlechter ist als Lesen am Bildschirm.
    Die Hauptsache ist, dass wir lesen.

  • Dominique Pleimling

    Dominique Pleimling

    Hier unsere Richtigstellung des FAZ-Artikels zur Lesestudie "Unterschiedliche Lesegeräte, unterschiedliches Lesen":
    http://www.buchwissenschaft.uni-mainz.de/fileadmin /Dokumente/Richtigstellung_Endversion.pdf

  • Dominique Pleimling

    Dominique Pleimling

    Ups, hier der richtige Link: http://www.buchwissenschaft.uni-mainz.de/fileadmin /Dokumente/Richtigstellung_Endversion.pdf

  • Dominique Pleimling
  • Dominique Pleimling

    Dominique Pleimling

    Leider wird in der Kommentarfunktion automatisch ein Leerzeichen eingefügt zwischen "fileadmin" und "/Dokumente". Wenn man das Leerzeichen entfernt, kommt man auf die richtige Seite ...

  • Redaktion

    Redaktion

    Wir können leider keine direkten Links in den Kommentaren anzeigen lassen. Kopieren und Einsetzen - das sollte klappen. Danke für das Verständnis.

  • Friedrich Forssman

    Friedrich Forssman

    Lieber Herr Pleimling,

    Lesbarkeitsforschung hat das Problem, daß Lesen ein überkomplexer Vorgang ist, und zwar schon auf der physiologischen Seite. Welche Schrift ist am besten lesbar? Dazu gibt es allerhand Untersuchungen; typischerweise werden den Probanden mehrere Schriften in gleicher Größe vorgelegt, und zwar praktisch immer sehr unterschiedliche Schriften (gelegentlich sogar höchst lächerliche »Lab-Fonts«). Aber weder wird der Bedruckstoff problematisiert, noch die Satzart (linksbündig, Blocksatz?), noch die Satzqualität (guter Flattersatz, guter Blocksatz?), noch das Magische Quadrat der Typographie (das Verhältnis von Schriftgröße, Zeilenbreite, Laufweite und Zeilenabstand), noch der Umstand, daß eine 12-Punkt-Times kleiner wirkt als eine 12-Punkt-Arial, noch das Licht und die Bequemlichkeit des Sitzmöbels. Und es werden nur kurze Texte verwendet, womit Vorteile des Buches wie eine intuitive Orientierung im langen Textband entfallen. Das alles ist unter Versuchsaufbau-Gesichtspunkten halbwegs verständlich, aber es verfälscht das Ergebnis zuverlässig bis zur völligen Unbrauchbarkeit. Zumal die Forschung, soweit ich sie eingesehen habe, verständlicherweise entweder (wie auch Sie) sehr kleine Versuchsgruppen befragt, oder wahrlich übersimple Fragen stellt.

    Das nächste Problem ist, daß die selbe Versuchsperson den selben Text nicht zweimal in verschiedenen Formen lesen sollte (die Gründe zu nennen schenke ich mir), also werden ähnliche Texte genommen. Aber was sind ähnliche Texte? Und welche Textsorte eignet sich besonders gut für Lesbarkeitsforschung? Und kommen wir mit kurzen Texten überhaupt zu einem sinnvollen Ergebnis? Die Antworten liegen zumindest nicht auf der Hand.

    Zumal sich die Frage stellt, was man eigentlich messen kann. Die Lesegeschwindigkeit ist der Fetisch der Lesbarkeitsforscher. Aber was sagt die Geschwindigkeit über das Textverständnis? Seien wir ehrlich: herzlich wenig (die Gründe zu nennen schenke ich mir auch hier, erläutere sie aber auf Wunsch gerne). Also wird gern auch mal mit Stör-Wörtern operiert, die von den Probanden aufzufinden sind. Auf der Tagung »Lesbarkeit«, die von der Typographischen Gesellschaft Austria diesen Sommer in Raabs an der Thaya gehalten wurde, und auf der auch ich gesprochen habe (was mich zu einem führenden Lesbarkeitsforscher macht), nannte ein Wissenschaftler einen Beispieltext, der fast wörtlich lautete: »Um ihre Mutter zu überraschen, putzte Amalie das ganze Haus. Als Frau Schneider zurück kam, fand sie das Autor frisch gewaschen vor.« Daß Frau Schneider Amalies Mutter ist, kann man sich vielleicht noch denken (der Text gab den Hinweis nicht). Ob aber bei Schneiders das Autowaschen zum Großputz gehört, ist schwerer zu beurteilen. Nun, man kann sagen, daß der Proband schon etwa weiß, was ein Störwort ist. Aber ein dummer Leser vielleicht nicht so rasch. Ein klügerer dann wieder schon. Ein noch klügerer ist vielleicht zu klug und wird irritiert sein, und ein wieder noch klügerer reflektiert die Irritation und findet das Wort wieder rascher, und so weiter. So kommt man jedenfalls schwerlich zum Ziel.

    Denn das kostbare Lesen ist das »tiefe Lesen«, das Durchdringen von komplexen Texten, das Aufnehmen des Wichtigen. Ohne kontemplative Versenkung in den Text ist das nicht zu bekommen, und welches Medium macht wahrscheinlicher, daß sich dieses tiefe Lesen vollzieht? Und wie mißt man es? Ich habe keine Antwort -- jedenfalls keine, die sich mit Hilfe von Versuchsaufbauten finden ließe, die ihrerseits statistisch auswertbar wären. Alle Statistik, die ich zu dem Thema gefunden habe, quantifiziert irgendwas, aber nicht die Lesbarkeit. Am ehesten kommt man der Sache wohl durch Leserbefragung näher: Wie lesen Sie am liebsten? Welches Medium ermöglicht Ihnen am ehesten tiefes Lesen? Aber solche Antworten werden von Wissenschaftlern, die mit Methoden harter Evidenz arbeiten möchten, also auch von Ihnen, systematisch ausgesondert, oder, wie bei Ihnen, relativiert bzw. gar als widerlegt dargestellt.

    Ob Neurologen hier Wesentliches beitragen können, scheint mir zumindest zweifelhaft. Die von ihnen gefundenen Daten bedürfen der intensiven Interpretation (siehe hierzu das allgemein bekannte und belachte Beispiel http://www.wired.com/wiredscience/2009/09/fmrisalm on/), und die oben genannten Probleme des Versuchsaufbaus greifen stets, bevor der EEG-Helm auch nur auf dem juckenden Skalp sitzt.

    Wenn Sie in Ihrem Versuchsaufbau zusätzlich zum Ausdruck der Texte (also nicht einem Buch), dem iPad und dem Kindle (in welcher Schrift? In welchen Größen? Welche Texte?) diese Texte per Beamer negativ an die Wand projiziert hätten, hätte zumindest ich kein Problem damit gehabt, unter Laborbedingungen den Sinn genauso schnell aufzunehmen wie mit Hilfe Ihrer drei Leseoberflächen. Was sagt uns das?: nichts.

    Das Zwischenergebnis Ihrer Studie, veröffentlicht in jenem 6seitigen PDF, kann ich damit nicht für wertvoll halten. Daß der Börsenverein ein Auftraggeber mit einem Ergebniswunsch ist, wird schwer zu leugnen sein -- daß die teure Gründung von libreca.de die Erwartungen nicht erfüllt hat, ist soweit bekannt. Natürlich wird Sie das nicht beeinflußt haben, ich schreibe das ganz unsarkastisch, aber eine Erwähnung mag es schon wert sein. Die Berichte der Medien über die Studie verkürzen ungefähr auf: Neue hochwissenschaftliche Studie zeigt, daß das E-Book dem Lesen auf Papier gleichwertig ist!, und gegen eine solche Verkürzung sollten auch Sie sich doch verwahren?

    An einer Fortführung der Forschung bin ich selbstverständlich interessiert, und trage gern weiterhin zur Versachlichung bei. Vielleicht kreuzen wir unsere Klingen mal auf einem Podium?

    Freundliche Grüße,
    Ihr Friedrich Forssman

  • Dominique Pleimling

    Dominique Pleimling

    Lieber Herr Forssmann, vielen Dank für Ihre ausführliche Replik. Über viele Punkte, die Sie ansprechen lohnt sich eine Diskussion außerordentlich. Vielleicht könnten wir in der Tat auf der E:Publish-Konferenz am 17./18.11. in Berlin "die Klingen kreuzen". Sind Sie dort?
    Natürlich ist es schwer, wissenschaftlich fundiert und evident "das Lesen" zu erforschen - wir finden allerdings, das unsere Studie ein guter Anfang ist.
    Wir sind offen für Diskussionen und werden das Studiendesign um neue Aspekte erweitern.

    Wenn unsere Studie Anlass geben sollte, die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema "Lesen auf verschiedenen Oberflächen" zu entfachen, wäre ja etwas Wichtiges erreicht.
    Eine Debatte bedeutet allerdings nach meinem Verständnis auch, mehr zu sagen als: "So geht es nicht!".

    In diesem Sinne und mit herzlichen Grüßen,
    Ihr Dominique Pleimling

  • Friedrich Forssman

    Friedrich Forssman

    Lieber Herr Pleimling,

    am 17./18.11. bin ich leider anderweitig verpflichtet. Wir müssen den Strauß also ein andermal aus-, oder zumindest anfechten.

    »So geht es nicht!« war nicht mein einziges Fazit; vielmehr lautete dieses: »Leserbefragung statt der Suche nach naturwissenschaftlichen Evidenzen«.

    Weitere Probleme des E-Books sind:
    • Aufwandarme Korrekturen (und damit auch Zensuren).
    • Flüchtigkeit des Mediums gegenüber dem Buch, welches den Riesenvorteil von identischen, unzerstörbaren, Strom- und Reader-unabhängigen Texten bietet.
    • Intuitive Orientierung im Buchraum, durch Fortschritts- und Umfangsbalken nicht zu ersetzen.
    • Einfaches Aufschlagen von mehreren Werken parallel.
    • Lese-Anreiz durch physisches Vorhandensein auf dem ungelesen-Stapel.
    • Abbildung der Lese-Biographie in den Regalen.
    • Wirklicher Besitz, Verleihbarkeit, Weiterverkauf- und verschenkbarkeit.

    Na, und so weiter.

    Herzlich Ihr FF

  • Friedrich Forssman
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