Hanser Berlin

Und viele kommen mit

Vor dem Start: Elisabeth Ruge kann man schon jetzt gratulieren. Der Berlin Verlag hingegen ist zu bedauern. Ein Kommentar von Börsenblatt-Redakteur Holger Heimann.

Holger Heimann

Holger Heimann © Werner Gabriel

"Während eines Prozesses der Umstrukturierung und Neuaufstellung sind immer auch Verluste zu beklagen." Mit diesem in seiner schlichten Offenheit bemerkenswerten Satz hatte der Bloomsbury Verlag in Berlin vor einigen Wochen anzudeuten versucht, dass der Abschied von Verlegerin Elisabeth Ruge wegen unterschiedlicher Vorstellungen über die Programmgestaltung zwar schmerzhaft, aber nicht dramatisch für den Verlag sein würde. Zugleich wurde suggeriert, dass bloß das Übliche geschehe.

Wie sich aber immer deutlicher zeigt, war das mehr Wunsch als Realität. Denn schaut man auf die unvollständige Reihe der Autoren, die Ruge zu dem von ihr im Bündnis mit Hanser neu gegründeten Verlag Hanser Berlin folgen, dann darf ihr schon jetzt zu einem alles andere als gewöhnlichen Coup gratuliert werden. Der Berlin Verlag hingegen ist zu bedauern. Richard Ford, Jonathan Littell, Ingo Schulze, Peter Esterhazy, Richard Sennett – all das sind Namen, die das einmal unabhängige und heute zu Bloomsbury gehörende Haus groß gemacht haben.

Es ist daher kaum übertrieben, den neuen Verlag, der in der Friedrichstraße zu finden sein wird, als Erben des alten Berlin Verlags zu begreifen. Das spricht für die exzellenten Beziehungen Ruges und ihres Lektorenteams zu den von ihnen betreuten Autoren. Aber ebenso für deren Irritation hinsichtlich der Ziele von Bloomsbury: Weltweit vermarktbare Bestseller sollen her, die Eigenheiten nationaler Buchmärkte erscheinen da eher als störend. Womöglich hat Ruges Nachfolgerin Birgit Schmitz trotz allem den Raum, ein eigenständiges Programm zu entwickeln. Ihre Aufgabe ist keine geringere, als den Berlin Verlag neu zu erfinden.

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