"Spiegel"-Anschuldigungen gegen KiWi-Autor Christian Kracht

Helge Malchow: "Wir waren überrumpelt"

Der Kiepenheuer & Witsch Verlag hat mit einer „Erklärung“ auf den Artikel „Die Methode Kracht“ reagiert, der im aktuellen „Spiegel“ erschienen ist. Georg Diez bescheinigt in dem Text Christian Kracht eine Nähe zu rechtem Gedankengut. Diez, der selbst Autor bei Kiepenheuer & Witsch ist, schreibt: „Wenn man genau hinschaut, ist „Imperium“ von Anfang an durchdrungen von einer rassistischen Weltsicht.“

"Spiegel"-Anschuldigungen gegen KiWi-Autor Christian Kracht

"Spiegel"-Anschuldigungen gegen KiWi-Autor Christian Kracht © Frauke Finsterwalder

Dieser Vorwurf stelle den Autor „auf perfide Weise an den Pranger“, entgegnet der Verlag. Der „Spiegel“-Text über Kracht und dessen neuen Roman »Imperium« sprenge die Grenzen der Literaturkritik, „weil er einen der besten und wichtigsten Autoren der Gegenwartsliteratur mit Unterstellungen und atemberaubenden Verdrehungen aus dem Kosmos der deutschsprachigen Literatur ausgrenzen will“.

„Der Erzähler ist nicht identisch mit dem Autor. Das ist keine Literaturkritik, das ist Denunziantentum“, präzisiert KiWi-Verleger Helge Malchow, der auch der Lektor Krachts ist, auf Anfrage. Und weiter: „Wir waren alle überrumpelt. Ich fühle mich als Verleger und Lektor angegriffen. Es ist meine Pflicht, den Autor zu verteidigen.“ Das will er am liebsten in der nächsten Ausgabe des „Spiegel“ tun. Es gäbe ein entsprechendes Angebot, so Malchow.

Andere Kritiker haben das gerade erschienene Buch gelobt, ob als „meisterhaften Kolonialroman“ („Zeit“) oder als „lässigen Abenteuerroman“ („FAZ“).

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9 Kommentar/e

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  • Galbadon

    Galbadon

    Das scheint in letzter Zeit Methode zu haben: was nicht passt, ist rechts. Was nicht den herkömmlichen Denkmustern entspricht, ist rechts. Und was die Meinungsführer in ihrer Definitionsmacht bedroht, ist rechts. Und damit wird nicht nur die wirkliche Gefahr von rechts trivialisiert und zum Allgemeingut erhoben, sondern gerade auch diejenigen, die durchaus ein totalitäres Weltbild verbreiten, können prima von sich ablenken.
    Die Selbstgerechten, die Fingerzeiger, dass waren doch schon immer die besten Handlanger jeder Diktatur.

  • wilhelm hüttermann, Verlagsbuchhändler

    wilhelm hüttermann, Verlagsbuchhändler

    Man fragt sich eingedenk der nicht wenigen Verleumdungen
    so abgestempelter "rechter" Autoren, wie denn eigentlich die Abneigung gegen den Begriff "Rechts" zu begründen ist. Ein Blick in die deutsche Geschichte (Ist diese Formulierung noch erlaubt?) zeigt doch, dass wir kaum dort ständen, wo wir stehen, wenn unsere Geschichte von "Links" gestaltet worden wäre. Wir müssen also wohl oder übel in den sauren Apfel beissen und uns damit abfinden, dass nicht nur unsere Vergangenheit, sondern die der meisten Staaten rechtslastig ist. Da unsere Republik der
    "Rechts"-Nachfolger eines rechten (Nicht Rechts-) Staates
    ist und für dieses miserable Erbe aufzukommen hat, sei die Frage erlaubt, ob ein sozialistischer, also "linker" Staat
    ähnlichen Belastungen gewachsen gewesen wäre.
    Vermutlich hätte das Deutschland nach 1945 den Eintritt in die Völkergemeinschaft (Ist dieses Wort erlaubt?) nicht geschafft, wenn es linkslastig gewesen wäre. Die Vorzüge
    eines linken Regimes mussten wir starr vor Entsetzen bei unseren Brüdern und Schwestern in der "DDR" bedauern.
    Aber es gibt ja noch die Mitte, Verzeihung! Jene darf alles, was nicht nach rechts oder links stinkt. Zum Beispiel:
    begeisternde Feiern mit der Fülle tressen- und ordensgeschmückter Militärs, dem andächtig und knie-verdächtig nachgebeteten Deutschland- Doppelchoral, den entmotteten Prachtbauten kaiserlich-rechter Glanz-und-Gloria-Zeiten bis in die hinterste Provinz - und dergleichen vergleichbare Sperenzchen natürlich
    un-rechter Deutschmenschen, die natürlich genau wissen, wo sich die Mitte ihres Glor-Reiches befindet. Ein donnerndes Hurra! der Einfalt!
    .

  • gegen-jedes-Vergessen.

    gegen-jedes-Vergessen.

    Jeder Anschein von rechtem Gedankentum darf nicht als "Literatur" verharmlost werden. Gerade Literatur muß sich in höchstem Maß vor der Verbreitung rechten Gedankengtut hüten. Sonst hat sie ihre Berechtigung verloren.
    KiWi hat seinen früheren guten Ruf eigentlich für mich schon lange veroren. Der Verlag setzt nur auf "Prominenz", die mit Literatur wenig am Hut hat...und ist für mich zum Symbol dafür geworden, seit langem, wie der Begriff "Literatur" abused wird, mißbraucht wird.

  • un-recht

    un-recht

    @3
    wer nimmt für sich oder die allgemeinheit das recht (schonwieder dieser schreckliche wortstamm?) in anspruch, die definition eines "anscheins von rechtem gedankengut" festzulegen? da kann man nur @1 und 2 zustimmen!
    man sollte eine reale rechte gefahr nicht durch permanente, omnipräsente und überzogene "rechte" mutmaßungen konterkarieren.

  • Julia Lammerk

    Julia Lammerk

    Kracht als einen der besten und wichtigsten Autoren der Gegenwartsliteratur zu bezeichnen, ist lächerlich und kann nicht ernst gemeint sein! Wer allerdings veröffentlicht (ob nun als guter, schlechter oder mittelmäßiger Autor), sollte sich hüten, auch nur den Anschein zu erwecken, rechtes Gedankengut zu verbreiten.

  • Thorben-Finn

    Thorben-Finn

    Ich finde es beinahe schon unverschämt, wie hier einfach so eines der wichtigsten qualitätsjournalistisch erstellten Magazine in seiner Deutungshoheit angezweifelt wird.
    Seid ihr etwa Nazis, oder warum wird hier ein Erzneoaltnazi verteidigt?

    gegenjedesvergessen hat ganz recht, Verzeihung, link, steht schon im Lexikon: "Literatur bezieht ihre Daseinsberechtigung aus dem Kampf gegen Rechts."

    (Nebenbei: Lustig, wie Linke in Deutschland mittlerweile nicht mehr den Faschismus bekämpfen, sondern "die Rechte". Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.)

  • Jacqueline Bollmann

    Jacqueline Bollmann

    Der springende Punkt ist doch, dass Herr Diez dem Autor die Weltanschauungen seiner Romanfiguren unterschiebt. Aber: Was Romanfiguren sagen, ist nicht, was der Schriftsteller denkt. Romane dürfen nicht als wissenschaftliche Abhandlungen oder politische Manifeste, die die Meinung des Schriftstellers widergeben, gesehen werden.
    Kurz und gut: Wenn in einem Roman der Mörder zufrieden ist, mit seinem Mord, heisst das nicht, dass der Schriftsteller wirklich loszieht und jemanden umbringt.

    Ausserdem: Man kann auch mit einem Roman ein "Statement gegen Rechts" machen, indem man alle möglichen Nazis in der Geschichte zu Worte kommen lässt.

    Und nein, ich finde überhaupt nicht, dass sich Literatur gezwungenermassen im Kampf gegen Rechts legitimieren muss. Das kann eine gute Legitimierung sein - eine sehr gute sogar. Aber es gibt noch ganz ganz viele andere Gründe zu schreiben. Und es gibt auch ganz ganz viele andere Gründe als politische Erbauung, um Romane zu lesen. Versuchen Sie's.

  • Tanja Hasenberg

    Tanja Hasenberg

    Meinen Kindern bringe ich bei, dass wir in einer Demokratie leben. Entscheiden dafür ist, dass wir keine Einheits-Meinung haben müssen und dass wir nicht an den Pranger gestellt werden, wenn ihr eine andere Meinung haben. Das gilt solange, wie das rechtsstaatliche Gut, unsere Verfassung und die Würde des Menschen nicht verletzt wird. Ich bin mir nicht sicher ob die Erwiderung solcher "Schriften", etwas mit Demokratie zu tun haben. Was zählt mehr Gerechtigkeit oder Freiheit?

  • Ludwig Witzani

    Ludwig Witzani

    Wehe uns, wenn Meinungen wie die der Kommentare 3,4 und 6 jemals dominant werden sollten. Sie sind genauso totalitär wie das,. was sie verbieten wollen

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