China

Herta Müller greift Londoner Buchmesse an

Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller und andere Schriftsteller werfen der Londoner Buchmesse vor, dass im Rahmen des China-Schwerpunktes keine regimekritischen Autoren aus China vertreten sind.

London Book Fair in der Kritik: China-Schwerpunkt ohne regimekritische Autoren

London Book Fair in der Kritik: China-Schwerpunkt ohne regimekritische Autoren

"Zur Londoner Buchmesse sind bisher nur Autorinnen und Autoren eingeladen, die dem chinesischen Regime genehm sind, aber keine der unabhängigen Stimmen. Aber die Werke der unabhängigen und ins Exil getriebenen Schriftsteller sind die andere Seite der chinesischen Literatur, die wir hier in der freien Welt nicht auch noch zensieren dürfen", schreiben die Autoren in einem offenen Brief. Sie wären besonders empört darüber, dass die Londoner Buchmesse mit Gapp kooperiere, jener staatlichen Institution, die für die Zensur in China zuständig sei.

Die Londoner Buchmesse (16. bis 18. April), mit dem Fokus China, solle im Programm die politische Verfolgung und Inhaftierung von Autoren und Menschenrechtlern thematisieren und chinesische Exilautoren zu Lesungen und Diskussionen einladen.

Unterschrieben haben den offenen Brief unter anderem die Nobelpreisträgerin Herta Müller, der chinesische Autor Liao Yiwu, die Vorsitzende des unabhängigen P.E.N. Chinas Tienchi Martin-Liao, Herbert Wiesner vom P.E.N.-Zentrum Deutschland und Ulrich Schreiber, Direktor des Internationalen Literaturfestivals Berlin.

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4 Kommentar/e

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  • David Marc Hoffmann

    David Marc Hoffmann

    Recht haben sie, Herta Müller und die Mitunterzeichner!
    Die unveräusserlichen Menschenrechte werden in China mit Füssen getreten. China praktiziert offen Zensur. Willkürjustiz, öffentliche Vollstreckung von Todesurteilen und politische Umerziehungslager gehören zu Chinas Alltag. Minderheitengebiete werden durch Fremdbesiedlung und Zwangsumsiedlungen „ethnisch gesäubert“. China liegt noch unter dem Niveau eines kommunen „Schurkenstaates“, weil es seine Menschenrechtsverletzungen systematisch und gesetzlich abgesichert begeht. Für die UNO gibt es in China keine Menschenrechtsprobleme und auch keine Tibet-Frage – weil China Mitglied und Veto-Macht im UNO-Sicherheitsrat ist. Das nennt man Realpolitik. Wir Buchhändler und Verleger aber haben neben wirtschaftlichen auch geistige Aufgaben, und dazu gehört der Mut, Unrecht beim Namen zu nennen. Alles andere gehört in das Kapitel der „trahison des clercs“, des Verrats der Intellektuellen, wie ihn Julien Benda schon vor 80 Jahren angeprangert hat.

  • Wilh.Hüttermann,Verlagsbuchhändler

    Wilh.Hüttermann,Verlagsbuchhändler

    Ich finde, dass die angeführten "Menschenrechtsprobleme" relativ unbedeutend sind. Viel auffallender ist, dass China sich seinem frühen Ausbeuterstaat USA bezüglich der Ausnutzung von Arbeitskräften bdenklich annähert und dass die so gewonnenen Überschüsse an die USA weitergereicht werden. Das hätte ich von einem kommunistischen Staat zu allerletzt erwartet.

  • Markus Groß

    Markus Groß

    Die Menschenrechtsprobleme Chinas als 'relativ unbedeutend' zu bezeichnen ... ich weiß nicht ob ich das peinlich oder erbärmlich finden soll...

  • Leser

    Leser

    @3: beides!

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