Kommentar

Neugieriger Blick ins Guckkastentheater

Schaufenster sind ein wichtiges Marketinginstrument des Buchhandels vor Ort. "Pfiffige Sortimenter nutzen das Fenster als Entree, als Lockruf, als Visitenkarte", kommentiert Börsenblatt-Redakteur Stefan Hauck.

Stefan Hauck

Stefan Hauck © Werner Gabriel

"Schau mal, das Backbuch da macht was her – wär’ doch ideal als Geburtstagsgeschenk für Tante Elfie, oder?" Auf dem nächtlichen Nachhauseweg hat die Dame das Buch im Schaufenster entdeckt – und beschlossen, es am nächsten Tag zu kaufen. Selbst außerhalb der Öffnungszeiten lösen gut inszenierte Schaufenster Kaufimpulse aus, und einige Läden nutzen schon die Möglichkeit, mit entsprechenden QR-Codes an der Scheibe die Informations- und Kauflust von Smartphone-Besitzern auf den Webshop der Buchhandlung umzuleiten.

Das ist zweifellos die Kür der Schaufenstergestaltung, doch die Wirklichkeit sieht oft bescheidener aus. Die Schaufensterbeleuchtung wird außerhalb der Geschäftszeiten gern ausgeschaltet: spart schließlich Strom. Und bei der ganzen Arbeitsfülle im Laden steht die Gestaltung des Fensters an letzter Stelle – wenn Zeit ist. Sonst wird eben Buch an Buch gereiht. Die pfiffigen Sortimenter jedoch nutzen das Fenster als Entree, als Lockruf: Wenn hinter der Scheibe eine Geschichte "erzählt", Kreativität sichtbar wird, dann ist im Laden noch mehr zu erwarten. Das Schaufenster ist die Visitenkarte einer Buchhandlung – die einen guten oder schlechten Eindruck hinterlassen kann.

Dabei braucht es für ein spannendes Guckkastentheater ja noch nicht einmal viel Geld – sondern vor allem gute Ideen. Die kosten auch: nämlich Zeit. Und erfordern handwerkliches Geschick. Das muss man wollen. Aus gutem Grund bieten Dieburger Sortimenter jetzt Kollegen Nachhilfe im Dekorieren an. Alles beginnt bei der Planung: Der Posten Werbung muss einkalkuliert werden. Er ist dafür da, um Umsätze zu generieren.

Das Schaufenster gibt der Buchhandlung ein Gesicht. Ist es langweilig, wirkt gleich das ganze Umfeld trostloser. Wie wichtig lebendige Läden im Ort sind, darauf weist eine Höchstadter Buchhandlung gerade hin: mit verhängten Schaufenstern.

Tipps zur Schaufenstergestaltung finden Sie im Beitrag "Das Auge kauft mit" im aktuellen Börsenblatt, Heft 30, Seite 24/25.

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2 Kommentar/e

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  • Peter-Uwe Sperber

    Peter-Uwe Sperber

    Wie schön, diese Binsenweiheit zu wiederholen ... erzähle ich als erfahrener Buchhändler mit Sortimentserfahrung und zudem langjähriger "Ertragsberater" fürs Sortiment im Aussendienst für Buchverlage und Nonbook-Produzenten auf deren Hinweis "habe ich keine Kunden für" mit meinem Hinweis "aber 2, 3, 4 oder gar mehr Schaufenster" und der Zugabe "bitte mal die Fenster ihrer Nachbarn anschauen und schlicht besser machen, damit das Geld von dem der abends mit seinem Dackel um den Block geht durch ihn überraschende Gestaltung am nächsten Tag in die Buchhandlung fliesst, die er selten betritt" ... ausserdem gibt es ja auch Bücher über Schaufenstergestaltung, könnte man sich mal mit Rabatt bestellen !?

  • ursula fuchs bücher:fuchs könig-karlstr. 5-7 75323 bad wildbad

    ursula fuchs bücher:fuchs könig-karlstr. 5-7 75323 bad wildbad

    bei meiner schaufenstergestaltung beziehe ich oft meine kunden mit ein. beispiel: im mai zum hochzeitsschaufenster bat ich um hochzeitsfotos: die resonanz war überwältigend! über drei bis vier generationen hinweg wurden familienbilder abgeliefert.
    der andrang vor diesem fenster war so groß, dass ich erst nach vier wochen ( normal zwei - drei ) umdekoriert habe.
    die anfrage nach neuen beteiligungen seitens meiner kunden liegt schon vor und ich überlege eine thema, das diesem gerecht wird.
    als schaufensterdekorateurin konnte ich eine junge floristin gewinnen, die sehr ungewöhnliche ideen hat .

    ich bin mit diesen arrangements überaus gut gefahren und kann sie nur weiterempfehlen.
    grüße

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