Jahresbetriebsvergleich 2011

Ein Hauch von Schwarz

Der Sortimentsbuchhandel kämpfte 2011 mit sinkenden Umsätzen und steigenden Kosten. Höhere Handelsspannen haben die Einbußen jedoch abgefedert. Das zeigt die Analyse des Jahresbetriebsvergleichs.

Dass die Umsätze im stationären Buchhandel bereits seit vielen Monaten eher nach unten denn nach oben gehen, ist hinlänglich bekannt. Zahlreiche Sortimenter versuchen deshalb, ihre Kosten zu senken und Sparpotenziale auszumachen. Flächen- und Personalreduktion, eine veränderte Einkaufsstrategie und andere Maßnahmen kommen zum Zug. Ob das unter dem Strich etwas bringt? Darüber gibt der Jahresbetriebsvergleich Auskunft, der im Auftrag des Börsenvereins vom Institut für Handelsforschung in Köln durchgeführt wird.

177 Buchhandlungen haben dieses Mal ihre Zahlen für das Jahr 2011 gemeldet; durchschnittlich verzeichneten sie einen Umsatzrückgang von einem Prozent (siehe Tabelle). Von den fünf untersuchten Größenklassen hatten die mittleren Einheiten mit den höchsten Einbußen zu kämpfen. 2,5 Prozent betrugen die Mindereinnahmen in den Buchhandlungen mit sechs bis zehn Beschäftigten. Deutlich besser stehen die Betriebe mit 21 und mehr Personen da: In ihre Kassen flossen immerhin 2,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Der Pro-Kopf-Umsatz unterliegt ebenfalls großen Schwankungen. Im Durchschnitt beträgt diese Kennzahl 148.446 Euro, rund 20.000 Euro mehr erwirtschaftet ein Mitarbeiter auf den größeren Flächen. Etwa 7.000 Euro unter dem Richtwert liegen die Betriebe mit elf bis 20 Beschäftigten. Sie bilden damit das Schlusslicht.

Beim Barumsatz je Quadratmeter Verkaufsraum zeigt sich genau das gegenteilige Bild. Hier schneidet diese Größenklasse wesentlich besser ab als die übrigen. 3.685 Euro pro Quadratmeter werden erzielt, der Durchschnitt liegt bei 3.142 Euro. Die rote Laterne geht mit 2.397 Euro an die kleinste Größenklasse.

Über die spendabelsten Kunden können sich die Sortimente zwischen sechs und zehn Mitarbeitern freuen: Dort werden pro Barkauf 16,22 Euro im Laden gelassen (Mittelwert: 15,63 Euro), auf den größeren Flächen verbleiben nur 13,77 Euro.

Eine Kompensationsmöglichkeit für Verluste im stationären Sortiment bietet das Internet. Doch weit her ist es mit diesem Vertriebskanal offenbar noch nicht. Lediglich 1,5 Prozent der Einnahmen werden dort generiert. Am wenigsten bleibt bei den kleinen Buchhandlungen hängen, in denen bis zu drei Personen arbeiten: 0,8 Prozent beträgt ihr Internetanteil. Die größten Sortimente schaffen mit 2,7 Prozent des Umsatzes mehr als das Dreifache.

Haupteinnahmequelle der Buchhändler sind belletristische Titel. Sie steuern 22 Prozent zum Umsatz bei. Zehn Prozent davon stammen aus dem Verkauf von Hardcovern, zwölf Prozent aus dem Absatz von Taschenbüchern. In den kleineren Größenklassen erreicht die Belletristik 24 Prozent, 19 Prozent sind es in den mittelgroßen und großen Sortimenten.

Zweitwichtigste Warengruppe sind die Schulbücher (zwölf Prozent der Einnahmen). Besonders wichtig ist die Schullektüre für die kleinsten Buchhandlungen, die damit 14 Prozent erwirtschaften.

Im Bestellverhalten der Sortimenter hat sich 2011 der eine oder andere Prozentpunkt verschoben. Der Bezug über Einkaufsgemeinschaften etwa erhöhte sich um zwei Prozentpunkte von drei auf fünf Prozent. Hier sind es vor allem die kleinsten und die größten  Buchhandlungen, die ihre Produkte über die Verbünde ordern (je sieben Prozent). Das Barsortiment hält seinen Anteil mit 33 Prozent weiterhin stabil. Bei dieser Kennzahl zeigt sich jedoch eine eindrucksvolle Spreizung. 38 Prozent ihrer Einkäufe erledigen die Kleinstbuchhandlungen via Barsortiment, bei den Unternehmen am anderen Ende der Skala sind es nur 23 Prozent.

Die andere Seite der Medaille zeigt sich beim Direktbezug, der einen Punkt verloren hat – von 64 Prozent auf 63 Prozent. Hier besetzen die Großen mit 70 Prozent den Spitzenplatz – noch immer werfen sie ihre Verhandlungsmacht in die Waagschale. Die kleinen Sortimente liegen bei 55 Prozent.

Der Versuch, Kosten einzudämmen, hat bei den Teilnehmern des Betriebsvergleichs im Durchschnitt offenbar nicht gefruchtet. Die Kostenquote jedenfalls ist von 31,9 Prozent des Umsatzes im Jahr 2010 auf 32,7 Prozent im Jahr 2011 gestiegen. Die höchsten Kosten fallen mit 35,3 Prozent in der Größenklasse elf bis 20 Mitarbeiter an, am sparsamsten wirtschaften die Betriebe mit bis zu drei Mitarbeitern. Ihre Gesamtkosten schlagen mit 30,7 Prozent zu Buche.

Die höchsten Kosten verursacht das Personal inklusive des Lohns für den Unternehmer. 19,8 Prozent des Umsatzes werden dafür benötigt. Spitzenreiter sind die Sortimente mit elf bis 20 Personen – sie kommen auf eine Quote von 21 Prozent. Zurückhaltung (18,1 Prozent) üben die Kleinstbuchhandlungen, deren Inhaber sich selbst häufig keinen marktgerechten Lohn gönnen.

Ins Kontor schlägt auch die Miete, die den zweitgrößten Kostenblock bildet. Statt 4,1 Prozent im Vorjahr waren 2011 dafür 4,3 Prozent des Umsatzes zu berappen. Weil sie in der Regel die Toplagen besetzen, müssen die größten Buchhandlungen das meiste Geld auf den Tisch legen: 4,9 Prozent beträgt ihr Mietanteil. Die Vier- bis Fünfmannbetriebe kommen bei dieser Kennzahl mit 4,1 Prozent des Umsatzes aus.

Die Betriebshandelsspanne im Buchhandel hat sich im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt verbessert und bewegt sich nun bei 32,5 Prozent des Umsatzes. Die günstigsten Konditionen erreichen die großen Buchhandlungen, die mit 35,7 Prozent 3,2 Punkte über dem Durchschnitt liegen. Zwei Prozent unter dem Referenzwert bewegen sich die Betriebe mit bis zu drei Mitarbeitern.

Gestiegene Kosten und eine verbesserte Handelsspanne: Das könnte gut ausgehen, sofern der eine Anstieg geringer ausfällt als der andere. Und weil das 2011 der Fall war, hat sich das Betriebsergebnis im Vergleich zu 2010 von minus 0,4 Prozent des Umsatzes auf minus 0,2 Prozent berappelt. Nur den größeren Buchhändlern gelang es, im schwarzen Bereich zu landen. Sie weisen ein positives Ergebnis von 1,7 Prozent vor. Alle übrigen Sortimente bewegen sich im roten Bereich. Besonders gebeutelt waren die Buchhandlungen mit sechs bis zehn Mitarbeitern. Ihr Ergebnis 2011: minus 0,6 Prozent.

Christina Schulte

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4 Kommentar/e

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  • Lutz-Jochen

    Lutz-Jochen

    "...Die höchsten Kosten verursacht das Personal inklusive des Lohns für den Unternehmer. Zurückhaltung üben die Kleinstbuchhandlungen, deren Inhaber sich selbst häufig keinen marktgerechten Lohn gönnen."

    So etwas verstehe ich nicht. Wenn das Unternehmen nicht mal für den Unternehmer ein halbwegs vernünftiges Gehalt abwirft, warum wird das Unternehmen dann noch weiter geführt? Dann wäre es für den Unternehmer besser, in ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis zu wechseln....

  • Martina Bergmann

    Martina Bergmann

    Liebe Frau Schulte, Ihre Interpretation liest sich wie eine Bedienungsanleitung zu Tetris. Das kann ich auch, aber davon wird's nicht besser.

  • Merfelle

    Merfelle

    "Gestiegene Kosten und eine verbesserte Handelsspanne: Das könnte gut ausgehen, sofern der eine Anstieg geringer ausfällt als der andere."

    Mensch, das ist ja eine Erkenntnis.... jetzt wird mir so einiges klar ;-)

  • max

    max

    Zweitwichtigste Warengruppe sind die Schulbücher (zwölf Prozent der Einnahmen).

    ...aber kaum ein Ertrag !

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