Interview mit Fox-Filmproduzentin Elizabeth Gabler

Der Trend geht zur Adaption literarischer Stoffe

Seit 1999 leitet die Filmproduzentin Elizabeth Gabler „Fox 2000 Pictures“. Die US-Firma hat schon zahlreiche Bücher für das Kino adaptiert, u.a. „Der Teufel trägt Prada“, „Percy Jackson“ oder „Greg“. Elizabeth Gabler las „Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger“ kurz nach Erscheinen 2002 und sicherte sich im selben Jahr die Filmrechte.

Welche Bedeutung haben Bücher für Ihre Produktionsfirma?
"Fox 2000 Pictures“ hat in New York ein Büro, das weltweit nach literarischen Stoffen sucht. Wir prüfen oft Bücher vor ihrer Veröffentlichung. Manche Lizenzen erwerben wir nur aufgrund der ersten 50 Manuskriptseiten und einer Inhaltsangabe. Das Publikum wird heutzutage mit Remakes und TV-Serien überschüttet. Unsere Absicht ist es, originelle Stoffe zu finden. Diese entstehen oft außerhalb der Film-Welt. Es sind die Autoren, ihre Literatur-Agenturen und Buchverlage, die neue und bewegende Geschichten präsentieren.

Ist das Verfilmen von Buchvorlagen ein Trend?
Literaturverfilmungen häufen sich zurzeit. Sie haben den Vorteil, dass das Publikum an Leserlebnisse erinnert wird. Deshalb glaube ich, dass es mit zunehmender Filmdichte kein Zufall ist, dass es einen Trend hin zur Adaption literarischer Stoffe gibt. Es ist immer ein besonderer Reiz, Literatur ins visuelle Medium zu übersetzen. 60 bis 70 Prozent unserer Produktionen basieren auf Büchern.

Warum hat die Verfilmung von „Life of Pi“ so lange auf sich warten lassen?
Es gab viele Filmleute, die sich von Anfang an für die Realisierung interessierten, unter ihnen der französischen Regisseur Jean-Pierre Jeunet („Die Fabelhafte Welt der Amélie“), der zwei Jahre in die Entwicklung investierte. Alle waren begeistert von der Romanvorlage. Aber leider war damals die Technik nicht gut genug für eine gelungene Umsetzung in unserem und Jeunets Sinn. Zeitlich und finanziell war das nicht zu machen. Vor gut vier Jahren fragte ich dann Ang Lee, der das Buch auch schon kannte und er sagte sofort zu. Mit dem Fortschreiten der 3D-Technik wurden unsere Pläne immer konkreter.

Wie haben Sie den Autor Yann Martel in die Entwicklung eingebunden?

Yann war seit 2002, also von Anfang an involviert. Er kannte die verschiedenen Drehbuchfassungen und vor kurzem waren wir gemeinsam auf PR-Tour in den USA und in Asien. Er ist begeistert von Ang Lees Adaption und unterstützt uns mit aller Kraft. Das realisierte Drehbuch hat David Magee geschrieben, der ideale Voraussetzungen mitbrachte, zumal er für die Peter Pan Verfilmung mit Johnny Depp in der Hauptrolle „Finding Neverland“ („Wenn Träume fliegen lernen“) seine Fähigkeiten bei einer ähnlich schwierigen Vorlage bewiesen hatte. Sein Drehbuch wurde 2005 für den Oscar und den Golden Globe nominiert.

Wie wichtig ist Ihnen die Nähe zur Romanvorlage?
Bei einem Weltbestseller wie „Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger“ war uns die Nähe zum literarischen Stoff besonders wichtig. Es geht darum, die literarische Qualität und die Stimmung, die vom Buch ausgeht, auf der Leinwand beizubehalten. Gleichzeitig muss der Film auch für Leute verständlich sein, die den Roman nicht gelesen haben. Geholfen hat uns hierbei die 3D-Technik. Ich glaube, dass sie eine neue Sprache ist, die dazu führen wird, dass viele weitere literarische Stoffe verfilmt werden können, die bisher als unverfilmbar galten.

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