Verlag Metrolit stellt sein erstes Programm vor

Pop-Kultur aus der Hauptstadt

Um ein junges, urbanes und vor allem kaufwilliges Publikum buhlen viele. Mit Metrolit nimmt jetzt ein ganzer Verlag die Zielgruppe ins Visier. VON NILS KAHLEFENDT

Im Aufbau-Haus am Berliner Moritzplatz wird der Countdown für Metrolit eingezählt: Der neue Verlag, der im letzten Mai von Aufbau-Eigner Matthias Koch, dem Radiosender FluxFM sowie den Schweizern Peter Graf und Anais Walde gegründet wurde, legt in den kommenden Wochen sein 18 Titel umfassendes Startprogramm vor. Neben Aufbau, der Anderen Bibliothek (AB) und Braus hat sich die Verlagsgruppe mit Metrolit eine Plattform geschaffen, die sich zielgerichtet an „junge und jung gebliebene Leser zwischen Mitte 20 und Ende 40“ wendet.

Mit Labels wie Heyne Hardcore, Tropen, Suhrkamp Nova oder kleineren Indies gibt es zahlreiche Verlage, die dieses Segment bespielen – kaum einer tut es indes ausschließlich; darin soll die Stärke von Metrolit liegen. Mit dem fetten Startprogramm wollen Geschäftsführer Tom Erben, Bärbel Brandes (Programmleitung Belletristik, zuletzt in gleicher Position bei Hanser/Sanssouci), Thorsten Schulte (Sachbuch, bis 2011 bei Eichborn) sowie Peter Graf und Anais Walde (Walde + Graf bei Metrolit) dem Sortiment zeigen, was künftig alles unterm neuen Dach passieren wird: Das Spektrum reicht dabei vom reich illustrierten „Spex“-Buch mit Texten über Musik und Popkultur aus drei Jahrzehnten über aktuelle Gesellschaftsthemen bis zu Graphic Novel, skurrilen Geschenkbüchern, Erzählbänden und Romanen. Darunter auch Wiederentdeckungen wie die Neuübersetzung von Colin MacInnes’ Popkultur-Bibel „Absolute Beginners“, in den 80ern bei KiWi erschienen und seit langem vergriffen.  

Trotz Struktur-Umbruch in der Branche und Nervosität im Buchhandel kommt der Start für Marketingleiter Lars Birken-Bertsch, Mitgründer des letzten März von Aufbau als Label übernommenen Blumenbar Verlags und zusätzlich fürs Marketing der AB verantwortlich, nicht zur Unzeit: „Konsequente Zielgruppenorientierung“ laute angesichts des immer stärker diversifizierten Markts das Zauberwort: „Je konkreter man die Leute in ihren Lebenswelten anspricht, desto mehr Chancen hat man.“ Ein Anspruch, an dem die Berliner ihr auf drei Säulen ruhendes Kommunikationskonzept ausgerichtet haben: 

An Stelle der klassischen Vorschau wurde ein großzügig gestaltetes 52seitiges Magazin produziert, das die Philosophie des Verlags, über einzelne Buchinhalte hinaus, mit journalistischen Mitteln transportiert. Das Endkundenmagazin wird mit den ersten Metrolit-Büchern ausgeliefert; bereits erschienen ist eine Teilauflage für Buchhandel und Presse, die zusätzlich den üblichen Katalogteil enthält. Mit der Gestaltung des Magazins wie auch eines Großteils der Cover und der Entwicklung des Corporate Designs von Metrolit wurden bewusst branchenfremde Profis beauftragt: Meiré & Meiré, die seit zehn Jahren die Optik des Wirtschaftsmagazin „Brand eins“ prägen und zuletzt die deutsche Ausgabe von „Interview“ gestalteten, genießen vor allem im Editorial Design einen herausragenden Ruf. Erscheinen soll das Mag zunächst halbjährlich; bei Bedarf wäre auch eine höhere Taktzahl in kleinerem Umfang denkbar.

Die Metrolit-Homepage (http://www.metrolit.de), auf der man schon jetzt online durch das Magazin blättern und einen Newsletter bestellen kann, geht im Februar komplett an den Start. Sie wird, angereichert mit exklusiven Texten und Videomaterial, als Blog gestaltet sein, das über Autoren, Themen, Bücher und Neuigkeiten aus dem Haus am Moritzplatz informiert. Kräftiges Trommeln auf Facebook (www.facebook.com/Metrolit) und Twitter gehört sowieso ins Marketing-Pflichtenheft.

Flankiert werden beide Aktivitäten von Veranstaltungen: Erster Paukenschlag ist der „Metrolit-Pop-Up-Store“ zur Leipziger Buchmesse (13.-16. März). In Kooperation mit mzin, einem auf internationale Magazine und visuelle Kultur spezialisierten Laden und Projektraum in der Leipziger Südvorstadt, betreibt Metrolit eine Bar, organisiert Lesungen und stellt die Verlagsproduktion in einem Showroom aus. Start ist bereits am Messe-Eröffnungsabend.

Als „Reißbrettverlag“ will Birken-Bertsch die Neugründung nicht missverstanden wissen, er räumt aber ein, dass in Metrolit auch „Ideen und Erfahrungen aus der Bewegung der jungen Verlage seit den Nullerjahren“ stecken. Eine Lehre: „Es gibt einen Markt, der aber mit kleinen Einheiten schwer zu beackern ist.“ Neben der Vertriebskraft der Aufbau-Gruppe samt eingespielter Vertreter-Mannschaft setzt man am Moritzplatz auch auf Medien-Partnerschaften, etwa mit der „Spex“ oder dem deutschen „Rolling Stone“. Auch der Mitgesellschafter FluxFM könnte sich hier als hilfreich erweisen: Der junge, aus MotorFM hervorgegangene Berliner Radiosender ist hauptsächlich via Internet, in einigen deutschen Großstädten bereits über UKW zu empfangen. Radio- wie Verlagsmacher haben eine ähnliche Zielgruppe; die einen hoffen auf frischen Input, die anderen auf Medien-Präsenz, beiden geht es um den Aufbau einer Community.

Wie es klingt, wenn die coole Botschaft aus dem Aufbau-Haus ankommt, konnte man letzte Woche in der „WamS“ nachlesen. „Metrolit“, schrieb dort ein schwer begeisterter Kolumnist im besten Hunter S. Thompson-Stil, „ist ... ein Verlag, gegründet von ein paar offenbar zu gleichen Teilen genialen wie wahnsinnigen Leuten, die irgendwie unter der Ägide des Aufbau-Verlags stehen, aber zugleich ziemlich freie Hand haben“. Langen Atem sollten sie auch mitbringen.

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