Kulturstaatsminister Bernd Neumann verleiht den Kurt-Wolff-Preis

"Die Buchpreisbindung muss erhalten bleiben"

Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat heute auf der Leipziger Buchmesse den Kurt-Wolff-Preis verliehen. Der Hauptpreis ging an den Göttinger Wallstein Verlag. Der Minister forderte zudem, die Umgehung der Buchpreisbindung etwa im grenzüberschreitenden Handel mit E-Books zu unterbinden.

Der Staatsminister betonte: "Die Kurt Wolff-Stiftung wird seit ihrer Gründung vor 13 Jahren durch den Bund finanziert, da sie durch ihr vielfältiges Wirken im Dienste kleinerer Verlage die einzigartige Verlags- und Literaturszene Deutschlands stärkt. Wir brauchen diese Verlage heute mehr denn je, denn sie sind Garanten für ein literarisches und intellektuelles Leben, das sich nicht dem Mainstream unterwirft. Sie sind damit wichtiger Bestandteil unserer kulturellen Vielfalt."

In seiner Rede bei der Preisverleihung nahm Staatsminister Neumann auch zu aktuellen Fragen der Buchbranche Stellung. Er erklärte: "Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erhalt der Vielfalt des Bücherangebots zu erschwinglichen Preisen ist die Buchpreisbindung. Sie muss erhalten bleiben, und zwar für gedruckte wie für eBooks − also elektronische Bücher − und wir dürfen nicht zulassen, dass sie umgangen wird. Wir brauchen die Buchpreisbindung, denn sie garantiert faire Bedingungen – gerade für unabhängige Verlage wie insbesondere auch für inhabergeführte Buchhandlungen. Wenn hier ein ungezügeltes Feilschen um den Verkaufspreis einsetzen würde, dann gerieten unweigerlich die ins Hintertreffen, die für Qualität, für das Wagnis anspruchsvoller Literatur und für das Buch als besonderen Träger von Bildung und Kultur stehen. Am Ende stünde eine Verarmung und Verrohung unserer Literatur- und Kulturlandschaft. Um eine effektive Buchpreisbindung zu erhalten, besteht Handlungsbedarf beim grenzüberschreitenden Handel mit eBooks. Eine Umgehung der Buchpreisbindung zum Beispiel durch Amazon mit seinem Firmensitz in Luxemburg muss verhindert werden."

Und weiter: "Anders als bei gedruckten Büchern kann bei eBooks weder ein Transport über die Grenze noch eine Wiedereinfuhr zur Umgehung des Buchpreisbindungsgesetzes konkret festgestellt werden, denn das Internet kennt keine Staatsgrenzen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass eine Ergänzung des Buchpreisbindungsgesetzes vorgenommen wird, damit − der Regelung für gedruckte Bücher entsprechend − dieselbe Bestimmung auch für eBooks bei grenzüberschreitenden Verkäufen gilt.“

Die Preisträger

Die Kurt-Wolff-Stiftung dient der Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene und wird aus dem Haushalt des Kulturstaatsministers mit jährlich 75.000 Euro unterstützt. Mit dem Kurt-Wolff-Preis werden unabhängige Verlage ausgezeichnet. Der mit 26.000 Euro dotierte Hauptpreis geht in diesem Jahr an den Göttinger Wallstein Verlag. In der Jury-Begründung heißt es: "Wallstein verknüpft seit gut einem Vierteljahrhundert in sorgfältigen und gestalterisch anspruchsvollen Editionen die deutsche Literatur seit dem 18. Jahrhundert mit der Zeit- und Wissenschaftsgeschichte und bietet zugleich der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur eine herausgehobene Plattform."

Der Förderpreis in Höhe von 5.000 Euro geht an den Verlag "binooki", der sich "facettenreich und mit großer Lust Entdeckungen der türkischen Literatur annimmt und dabei demonstriert, wie sich türkische und deutsche Kultur ganz ohne Klischees miteinander in Verbindung bringen lassen".

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2 Kommentar/e

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  • peter+paul

    peter+paul

    >>>und wir dürfen nicht zulassen, dass sie umgangen wird<<<
    ... und noch so eine weltfremder politiker, aber was will man auch anderes erwarten?
    btw, inwieweit hat die bestehende bpb die schwierigen kommerziellen probleme der buchhändler bzw. der branche verhindert oder zumindest abgemildert?

  • Christian Karpus

    Christian Karpus

    DOPPELTE BUCHPREISBINDUNG - JETZT!

    Es wundert mich, dass die lokalen Buchhändler, die Verlage und auch die Autoren nicht in der Lage sind, sich solidarisch zu verhalten und sich gegen die Rabattbedingungen der "großen" Buchhandelsketten und Online-Verwerter wehren.

    Sicherlich wären Absprachen der oben Genannten aus kartellrechtlicher Sicht problematisch, eine gemeinsame Lobbyarbeit mit dem Ziel, die Buchpreisbindung zu reformieren, könnte nach meiner Einschätzung aber Abhilfe schaffen. Dazu müsste eine Art doppelte Buchpreisbindung eingeführt werden, die auch den Händlerabgabepreis der Verlage vereinheitlichen würde.

    Derzeit profitieren vor allem die Big Player von der Buchpreisbindung, da sie mit ihrer Marktmacht die Verlage zu Sonderrabatten zwingen können. Der kleine Sortimenter muss dagegen teuer einkaufen und zudem die höhen Miet- und Lohnkosten für das Ladenlokal und die geschulten Mitarbeiter tragen.

    Das hat zur Folge, dass die Buchhandlungen weiter reihenweise eingehen. Bei den Großverlagen ist man dazu übergegangen, die geringeren Profitmargen auf die Autoren abzuwälzen. Das kann man auch an prozentual sinkenden Beteiligungen der Autoren an den Einnahmen aus E-Book und Onlineversandhandel ablesen, die sich neuerdings in vielen Verlagsverträgen finden. Wurde der Autor früher bei Einnahmen aus Nebenrechten noch mit zum Teil 70 Prozent am Nettoerlös beteiligt, fällt dieser Anteil im Bereich Onlinevermarktung heute teilweise schon unter 25 Prozent.

    Die Meisten Autoren merken das gar nicht, weil sie nur die isolierten Prozentzahlen sehen. 10 Prozent für das gedruckte Buch und 25 Prozent für Onlinerechte. Sie übersehen aber, dass die Basis für die Berechnung ihres Anteils in der Onlineverwertung meist nicht der Nettoladenpreis ist sondern der Nettoerlös des Verlages, der in manchen Bereichen mittlerweile nahe an die Ramschgrenze schrammt. Und 25 Prozent von "fast nichts" ist dann schon "fast gar nichts".

    Mit einer doppelten Buchpreisbindung wäre das Problem gelöst, denn auch der Autor wüsste dann, dass sein Verlag seine Werke nicht an Amazon und Co. verramscht.

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