Jahrestreffen der LG Buch

Kommt das Zentrallager?

Höhepunkt der Jahrestagung LG Buch, die am Wochenende in Euskirchen stattfand, war die Selbstverortung der Buchhändlergemeinschaft. Am stärksten brannte den Genossen die Frage unter den Nägeln, welche Qualitätskriterien Mitglieder und Partnerverlage erfüllen müssen – und wie künftig effektiver gewirtschaftet werden kann. VON KUM

Am Samstag, 7. Juni, fand unter geschliffener und stringenter Moderation von Bernhard Meiners und Julia Minderlein (MDG) ein ganztägiger Workshop in konzentrierter Atmosphäre statt – nach dem „Open Space“-Verfahren: In Gruppen (deren Konstellation wechseln durfte) beackerten im Konferenzsaal des Euskirchener Parkhotels die rund 100 Teilnehmer zehn Themenfelder. Diskutiert wurde dabei über die Sinnhaftigkeit des komplexen Leistungsgruppensystems innerhalb der LG Buch, das ein rabattbasiertes Belohnungssystem für Buchhandlungen vorsieht, die eine bestimme Anzahl an Verlagsaktionen fahren. Die Verlage beklagen einen zu hohen Teil an „Schläfern“ im Handel, die Sortimente wollen sich ungern für Aktionen einspannen lassen, nur um in den Genuss besserer Rabatte zu kommen. Ein Vertriebsmitarbeiter eines Publikumverlags äußerte etwa: „Früher haben wir Veranstaltungen an 1.000 Buchhandlungen verkauft, heute sind es noch 150. Und die hätten am liebsten alle individualisierte Werbemittel.“ Trotz einer lebhaften Diskussion, wie sich zeigte, sind sowohl die LG-Buchhändler als auch die Partnerverlage eigentlich durchaus zufrieden und freuten sich über den intensiven Austausch.

Die Frage stellte sich den LG Buchgenossen in mehreren Gruppen: Wie groß der Anteil der Mitglieder sei, die „einfach nur mitlaufen“ – Stichwort Qualitätskriterien. Die Stellschrauben, an denen künftig gedreht werden sollen, allen voran verbesserte Einkaufskonditionen für die Mitglieder, lassen sich bloß durch stärkere Vernetzung und Erhebung von Marktdaten erreichen – wie die e-Buch es bereits schon in größerem Umfang tut. Künftig, so beratschlagten die Genossen, soll die Teilnahme zur Erhebung von Marktdaten (etwa durch Umfragen und eine Matrix) vorangetrieben werden und verpflichtend sein. Erst mit einer umfassenden Teilnahme steigt die Aussagekraft und Wert der gewonnen Daten. Man sitzt auf einem ungehobenen Schatz. Bereits heute müssen alle Neumitglieder der LG zwar über ein WWS verfügen und außerdem Mitglied bei der BAG sein – die „artgerechte Nutzung“  (LG-Buch-Geschäftfsührer Michael Fürtjes) ist der Warenwirtschaftssyste aber mitunter verbesserungswürdig. Zu viele Bestellungen laufen nicht elektronisch ab.

Weitere Themen des Workshops waren die Backlistfinazierung, sowie die Verbesserung normierter Abläufe (Vorschlag: Einführung einer festen Remi-Quote und die Möglichkeit einer Remittierung ohne vorangehendes Remissionsprozedere).

Was die Themenkomplex „faire Konditionen“ anbelangt, gab es ein klares Veto für die Einführung von Staffelrabatten, die das Steigerungs- und Partiensystem ablösen sollen. Auch die Bündelung beim Versand und das Dauerstreitthema „Kleinbeischüsse“ wurden aufgegriffen. Ein deutlicher Appell ging von Euskirchen in Richtung der Verlage, was die Stellung von Vertretern angeht: Mehr Besuche gut geschulter Vertreter mit deutlichen Handlungskompetenzen und einer eigenen „Meinung“ ist gewünscht. Den Vertretern trauen die Buchhändler der LG Buch zu, bei den Konditionsgesprächen mit den Verlagen gerechte Beurteilungen zu finden.

Nun ist ein Workshop kein Gremium und so konnte auch die mehrfach geforderte Einrichtung eines Zentrallagers bei Umbreit am Samstag nicht entschieden werden. Umbreit-Geschäftsführer Thomas Bez fasste zusammen, nachdem von die Moderator Bernhard Meiners befragten Teilnehmer sich durch die Bank weg zufrieden mit der Organisation und Möglichkeit zum Austausch gezeigt hatten: „Leistung hat etwas mit Qualität zu tun. Der Tag war interessant, aber mehr Lösungen wären besser gewesen.“ Die Aufbereitung der Erkenntnisse des Workshops der LG Buch hat dafür den Grundstein gelegt.  

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