HR gewinnt Rechtsstreit um Amazon-Dokumentation

Schweinefütterung darf drin bleiben

"Die Menschen werden abgefüttert wie Schweine": Das hatten zwei Zeugen in der ARD-Dokumentation über die skandalösen Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern bei Amazon geäußert. Diese Aussage sei durch das Grundrecht auf Meinungsfreiheit gedeckt, entschied jetzt das Landgericht Hamburg − und hob eine einstweilige Verfügung dagegen auf, die ein damaliger Amazon-Dienstleister im März erwirkt hatte.

Im Rechtsstreit um die ARD-Dokumentation „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“ hat der Hessische Rundfunk (hr) einen weiteren Erfolg erzielt. Das Landgericht Hamburg hat die einstweilige Verfügung vom 19. März aufgehoben, wie der Hessische Rundfunk mitteilt. Damit sei der damalige Amazon-Dienstleister CoCo Job Touristik im Widerspruchsverfahren gescheitert, die Meinungsäußerung von zwei Zeugen, die sich im Jahr 2011 an den HR gewandt hatten, zu verbieten.

Das Landgericht Hamburg folgte der Argumentation des HR, dass die Äußerung "Die Menschen werden abgefüttert wie Schweine" vom Grundrecht auf Meinungsfreiheit gedeckt ist, so der Sender. Der HR habe die in der Dokumentation erhobenen Vorwürfe zudem durch die Schilderungen weiterer Augenzeugen untermauert. Nach der einstweiligen Verfügung hatte der Sender den Film nicht mehr in der kompletten Fassung ausstrahlen oder in der Mediathek zeigen dürfen.

Zuvor war der HR bereits erfolgreich vor Gericht gegen die Falschbehauptung von CoCo Job Touristik vorgegangen, der HR habe Manipulationen eingestanden.

"Der Versuch, mit einer gezielten Medienkampagne gegen die ARD-Dokumentation vorzugehen, ist damit gescheitert", stellt HR-Fernseh-Chefredakteur Alois Theisen fest. "Die Gegenseite hat vor Gericht nicht einmal versucht, die Kernaussagen des Films anzugreifen. Hier wurde ganz offensichtlich der Versuch unternommen, mit Bagatellvorwürfen Stimmung gegen die zuverlässig recherchierte Dokumentation zu machen − ohne Erfolg", so Theisen weiter.

Die ARD-Dokumentation: "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" hatte im Frühjahr in vielen Medien in Europa und den USA für Diskussionen gesorgt und war sowohl im "Ersten" mit 2,02 Millionen Zuschauern (10,3 Prozent Marktanteil) als auch in der ARD-Mediathek mit 2,4 Millionen Abrufen beim Publikum sehr erfolgreich.

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5 Kommentar/e

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  • cristophs

    cristophs

    aha...auf einmal sind die Zeugen aus 2011???
    Die Doku spielte doch aber im Winter 2012/2013.
    Aufgrund der Email nahmen die Reporter ja "die Spur der Leiharbeiter auf".So behaupten Sie im Film.
    Interessant wenn also nach über einem Jahr Dinge so dargestellt werden die es aktuell so nicht gibt oder vielleicht auch nie gab?

  • Wer lesen kann ist klar im Vorteil

    Wer lesen kann ist klar im Vorteil

    Zuerst dachte ich, dass das Social Media Team von amazon die Kommentare im Sinne von 'alles Verleumdung' hier absetzt. Aber inzwischen glaube ich, dass sie so schlicht auch wieder nicht sind, den Konflikt immer wieder anzufeuern. Ich bin noch immer sicher, dass es richtug war, alle amazon-Konten gekündigt zuhaben und stelle immer wieder mit Verblüffung fest, wie schwer es einen die Alternativen machen Elektronik aber auch seltene (aber im VLB verzeichnete) Bücher zu bestellen....

  • Branchenbeobachter

    Branchenbeobachter

    @2:
    Das ist genau der Grund, warum die Leute so gerne bei Amazon einkaufen. Nicht, weil alle Amazon toll finden, sondern weil schnell und einfach geht. Und wenn es irgendwann andere Anbieter gibt, bei denen es noch schneller und einfacher geht, dann werden die Leute dort ihre Bücher, DVD, Elektroartikel usw. einkaufen ...

  • Thorben-Finn

    Thorben-Finn

    @3.

    Sie meinen, wer Kunden die Dinestleistung bietet, die sie wollen, kann gute Geschäfte machen? Vorsicht hier mit solchen Aussagen.

  • Amazonkunde

    Amazonkunde

    Die Wahrheit wird hier nicht gern gesehen...

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