Interhändler mit Imageproblem

Amazon nutzt Steuerschlupflöcher

Der Onlinehändler Amazon hat 2012 den Großteil seines Umsatzes mit Kunden aus Deutschland über Luxemburger Gesellschaften abgewickelt und in Deutschland kaum Steuern gezahlt, das meldet die „FAZ“. Die Amazon.de GmbH wies einen Vorsteuergewinn von 10,2 Millionen Euro aus und zahlte 3,2 Millionen Euro Steuern, wie aus einer im Bundesanzeiger veröffentlichen Bilanz hervorgeht.

Der Bericht, der auf eine Reuters-Meldung zurückgeht, wurde am Wochenende durch die großen Nachrichtenportale verbreitet.

Der Jahresabschluss Amazons im Bundesanzeiger weist einen Jahresüberschuss 2012 in Höhe von 6,9 Millionen Euro aus (2011: 7,4 Millionen Euro). Deutschland ist, wie die „FAZ“ ausführt, nach den USA der wichtigste Markt für Amazon: Rund ein Drittel der Erlöse erziele der Onlinehändler mit deutschen Kunden. Die Gewinne würden aber über Luxemburger Gesellschaften abgewickelt und flössen zum Großteil an die in Luxemburg angesiedelte Amazon Europe Holding Technologies, die laut „FAZ“ einen Gewinn von 118 Millionen Euro auswies. Als steuerbefreite Partnernschaft zahle Amazon Europe Holding Technologies keine Steuern.

Auch in Frankreich und Großbritannien haben die legalen Steuertricks von Amazon bereits für Empörung gesorgt. Einzelhandelsverbände kritisieren, dass Amazon die Logistik nutze und somit Kosten verursache, ohne wie regionale Unternehmen dafür zu zahlen.

Negative Schlagzeilen macht das Unternehmen auch durch seine äußerst wissbegierige 1-ButtonApp: Die Einkaufshilfe für Google Chrome (1,8 Millionen Nutzer) spioniert nämlich, wie heise.online meldet, die URL sämtlicher besuchter Webseiten aus und meldet sie an Amazon und Amazons Tochterfirma Alexa. Auch die Google-Suche werde ausgelesen, warnt heise. Der Newsdienst kritisiert, dass in den Nutzungsbedingungen relevante Angaben zur Datenweitergabe fehlen und zweifelt Amazons Aussage an, dass die erhobenen Daten nicht mit den Account-Daten der Amazonkunden abgeglichen werden könnten, wie es das Unternehmen behauptet.

Schlagworte:

Mehr zum Thema

10 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Horst-Werner Dumjahn

    Horst-Werner Dumjahn

    Es wundert mich schon, daß es hier noch keine Kommentare gibt. Oder ist es der Branche mittlerweile egal, was die in ihrem "Gemischtwarenladen" so treiben?
    Aber unabhängig davon: An die Börsenblatt-Redaktion die herzliche Bitte, die jeweiligen Meldungen vor der Freigabe doch mal kurz mit dem Rechtschreibprogramm zu "konfrontieren". Natürlich müßten zuvor die Sätze auf Vollständigkeit geprüft werden, sprich: sie müßten ausformuliert sein! (Oder ist das eine neue Form des wöchentlichen Rätsels in der Print-Ausgabe???)
    Kurz: Mehr Sorgfalt bitte bei den spärlichen Meldungen, so viel Zeit sollte sein!

  • Verkaufnix

    Verkaufnix

    @Horst-Werner-Dumjahn: Wird wohl an der mittlerweile aufkommenden Langeweile in Anbetracht des gefühlt Tausendsten "Anti-Amazon-Berichtes" liegen. Wenn das BöBla jedem Konzern, der seine Steuern nicht in Deutschland zahlt, obwohl er hier Gewinne einfährt, diese Aufmerksamkeit zuteil werden ließe, hätte man redaktionell reichlich zu tun. Die Konsumenten scheint es offenbar auch nicht sonderlich zu interessieren - vermutlich, weil man ansonsten kaum noch in D einkaufen kann. Der Branche dagegen ist es nicht egal - nur: was hilft´s? Und vor allem: wem?

  • Onkel Ludwig

    Onkel Ludwig

    @ Verkaufnix

    Wundere mich auch. Normalerweise geht das Amazon-Bashing der Buchhändler sofort los. Liegt es an der Ferienzeit?

  • Leser

    Leser

    @Horst-Werner-Dumjahn: gegen die heute (heute nachmittag gabs schon mal Ähnliches) von der Böbla-Redaktion produzierten Fehler mit fehlenden Wörtern und völlig verbauten Sätzen hilft kein Rechtschreibprogramm.
    Früher gab es bei uns in der Branche mal ein Tool, das hieß "Korrekturleser". Klingt uncool und oldfashioned, hat aber manchmal hilfreich gewirkt...

  • Verkaufnix

    Verkaufnix

    @Onkel Ludwig: SKANDAL! Amazon-Basher in Urlaub. Zahlen Steuern im Ausland... Nur ein virtuelles Dorf leistet weiter aufrecht Widerstand.

  • Elbe

    Elbe

    @ Onkel Ludwig @ Verkaufnix

    Aber Sie, die Amazonbasherbasher sind doch auf dem Posten. Haben Sie Langeweile auf der Wache?

  • Max Fischer

    Max Fischer

    @ all:
    Euere sinnentleerten Kommentare verhallen im nicht...
    Trollt Euch!

  • Verkaufnix

    Verkaufnix

    @Fischer´s Max: Zu lange in der Sonne gewesen? @Elbe: Nö,nix Wache. Aber auf die Frage von Nr.1 wollte ich gern antworten. Ich sehe durchaus genügend Kritikpunkte bei Amazon, halte aber dieses permanente Fokussieren auf einen Player für völlig kontraproduktiv. Ich habe den Eindruck, daß so mancher Branchenteilnehmer einen Großteil seiner Zeit dafür aufwendet, Kritikpunkte an Amazon zu finden, zu kommentieren und zu kritisieren. Dann wird alles gut. Man kann nicht gegen einen anderen arbeiten, schon gar nicht in diesen Größenverhältnissen. Man kann sich nur auf seine eigenen Stärken besinnen! Und die Tatsache, daß Großkonzerne in Deutschland keine Steuern zahlen, ist nun wirklich nicht neu, oder? Das ist insgesamt ärgerlich - aber leider Dank unserer Steuergesetzgebung legal.

  • Branchenkenner

    Branchenkenner

    Ich empfehle der BöBla-Redaktion folgendes Programm:

    DUDEN Rechtschreibprüfung für Microsoft Office PLUS 9.0

    Und wo hab ich das wohl am schnellsten gefunden? Wer kann mir das am schnellsten liefern? Siehe hier:

    http://www.amazon.de/gp/product/3411112905/sr=1-1/ qid=1374051652/ref=olp_product_details?ie=UTF8& ;me=&qid=1374051652&seller=&sr=1-1

    Ob das Angebot von Amazon wohl genauso gut, schnell, effizient und preiswert wäre, wenn man sich nicht dank geschickter aber legaler Ausnutzung rechtskonformer Rahmenbedingungen die völlig legitimen Mittel zur stetigen Verbesserung der eigenen Leistungsfähigkeit verschaffen würde?
    Ist das nicht etwa ein grundlegendes unternehmerisches Ziel?

    Deshalb ist es doch mal wieder völlig lächerlich, wie Amazon hier an den Pranger gestellt wird.
    Es ist absolut unbestreitbar, dass Amazon nichts tut, was andere Unternehmen im Rahmen ihrer Möglichkeiten nicht auch tun würden.

    Das gilt ebenso für die natürlich verwerflichen, aber keinesfalls nur bei Amazon zu findenden Ausspähungen. Wer sich solchen Observationen seines Nutzerverhaltens entziehen will, sollte zu aller erst alle Microsoft-Programme deinstallieren, dann nie wieder Google-Dienste nutzen und auch anschließend schleunigst sein Android-Smartphone entsorgen. Um nur einige wenige der Maßnahmen zu nennen, die nötig sind, um sich zu schützen.
    Man sollte übrigens auch den Seiten von Thalia, Hugendubel, Libri, Libreka, etc. verbieten, heimlich Tracking-Cookies auf dem Rechner abzulegen.

    Ich kann mal wieder nur den Kopf schütteln angesichts dieser anhaltend-fanatischen "Hexenjagd", die auf mich einfach nur journalistisch-unseriös und armselig wirkt wie nur irgendwas.
    Da wundert man sich auch kaum noch über die Rechtschreibfehler ...

  • Kleine Sortimenterin

    Kleine Sortimenterin

    Wie gut, dass es den Buchhandel gibt, wer will, kann
    bei mir völlig anonym einkaufen, wir geben weder an
    den Großhandel noch an sonstwen die Daten weiter,
    selbst die ec-Buchungen sind nur mir und der Bank
    bekannt. Und was Schnelligkeit betrifft, wir liefern jedes
    Buch innerhalb von 24 Stunden, Verlagsbestellungen
    ausgenommen. Und heute dauert es bei Amazon vielleicht
    ja etwas länger, nicht alle arbeiten heute dort.

    • Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

      (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
      CAPTCHA image
      Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

      * Pflichtfeld