Lesetipp: Jeff Bezos und die "Washington Post"

Ein Kauf nicht frei von Ironie

Was will Amazon-Chef Jeff Bezos mit der "Washington Post"? Antworten aus der deutschen Medienlandschaft, die den Kauf der renommierten US-Zeitung durch einen Versandhändler aus Seattle als Zeitenwende sieht.

"Das ist ein richtiges Erdbeben": Mit diesem Zitat eines US-Kollegen überschreibt die "FAZ" von heute ihren Artikel im Feuilleton der Printausgabe. Für Autor Patrick Bahners ist es "ein Treppenwitz, dass eine der vielen Sparmaßnahmen der "Washington Post" schon 2009 die Einstellung der wöchentlichen Literaturbeilage war und man sich nun dem Erfinder von Amazon ausliefert, dessen Geschäfsmodell Buchhändler und Literaturkritiker arbeitslos macht". 

Die "Welt" schreibt: "Wer nun den Kauf der "Post" als karitatives Hobby-Projekt abtut, der unterschätzt Bezos. Die "Post" ist eine liberale Institution, ihre Redakteure sind die einflussreichsten Printjournalisten in der US-Hauptstadt. Bezos kauft sich Einfluss, wie ihn kein anderer Internet-Tycoon besitzt."

Was will so einer mit der "Washington Post"? Fragt auch "Spiegel online". Natürlich gebe es Befürchtungen, Bezos werde die Zeitung umkrempeln, mit dem Ziel, die maximale Rendite zu erzielen. Genährt würden solche Sorgen durch Äußerungen des Amazon-Chefs, in 20 Jahren werde es gedruckte Zeitungen höchstens noch als Luxusartikel geben. Doch Bezos, so der "Spiegel", sei nicht als jemand bekannt geworden, der kurzfristig Kasse machen will. "Im Gegenteil: Seit Jahren baut er den führenden Online-Händler Amazon mit massiven Investitionen aus."

Dass ausgerechnet Bezos die Zeitung übernimmt, hat auch für die "Zeit" eine gewisse Ironie. "War es doch genau das Internet, das Bezos so reich gemacht hat und die "Washington Post" arm." Bezos Vermögen werde auf 25 Milliarden Dollar geschätzt - der Kaufpreis für die Post (250 Millionen Dollar) falle da für ihn nicht weiter ins Gewicht.

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