Jahresbetriebsvergleich 2012

Kassensturz mit Kennzahlen

Das Sortiment hatte 2012 steigende Kosten und sinkende Umsätze zu verkraften. Auch bei der Handelsspanne mussten Abstriche gemacht werden. Das zeigt der Jahresbetriebsvergleich 2012, der im Auftrag des Börsenvereins erhoben wird. VON CHRISTINA SCHULTE

Es  ist immer wieder aufschlussreich, die Ergebnisse des Jahresbetriebsvergleichs genauer zu analysieren. Sehr viel wird im Laufe des Jahres gesprochen über Einsparmöglichkeiten, über die Optimierung des Warenbezugs, die Entwicklung der Mieten und Gehälter. Liegt der Betriebsvergleich vor, kann die Realität mit den bis dato getroffenen Vermutungen abgeglichen werden. 175 Buchhandlungen haben sich dieses Mal an der Untersuchung beteiligt, die im Auftrag des ­Börsenvereins vom Institut für ­Handelsforschung durchgeführt wird.

Und so sieht sie aus, die Welt der buchhändlerischen Zahlen des Jahres 2012: Durchschnittlich ist der Umsatz der Sortimente um 2,9 Prozent zurückgegangen, und keine der fünf Größenklassen hat es geschafft, mehr Einnahmen zu erzielen als 2011 (siehe Tabelle). Besonders herbe Einbußen erlitten die größten Buchhandlungen mit über 21 Beschäftigten: Ihre Erlöse gingen um 4,3 Prozent zurück. Am besten schnitten die Läden mit elf bis 20 Mitarbeitern ab. Sie verloren 1,8 Prozent.

Sichtbare Differenzen von mehr als 8.000 Euro zeigen sich auch beim Pro-Kopf-Umsatz. Er erreicht die Spitze von 152.474 Euro bei den Sechs-bis-Zehn-Mann-Betrieben und seinen niedrigsten Wert von 144.465 Euro in der kleinsten Größenklasse (bis drei Mitarbeiter). Im Durchschnitt bewegt sich diese Kennzahl bei 148.699 Euro.

Beim Barumsatz je Quadratmeter Verkaufsraum haben zwei Größenklassen gemeinsam die Nase vorn. 3.610 Euro werden erwirtschaftet in den Läden mit vier bis fünf Mitarbeitern sowie in den Geschäften mit elf bis 20 Personen. Die geringste Flächenproduktivität (2.835 Euro) findet sich in den kleinsten Buchhandlungen.

Das meiste Geld, 17,87 Euro, lassen die Kunden je Barverkauf in Vier-bis-Fünf-Mann-Betrieben. In den großen Buchhandlungen sind sie weniger kauffreudig − 13,69 Euro werden dort registriert.

Kleine Schritte beim Online-Handel

Fürs Geschäft im Internet gilt: Müh­sam ernährt sich das Eichhörnchen. Die Umsätze wollen hier einfach nicht so recht von der Stelle kommen. Immerhin liegt der Anteil der Netzerlöse mittlerweile durchgängig bei über einem Prozent − das war im Jahr 2011 noch nicht der Fall. 1,9 Prozent lautet der Mittelwert, wobei sich der Internetumsatz proportional zur Größenklasse entwickelt: von 1,2 Prozent bis 2,8 Prozent.

Belletristik lässt die Kasse klingeln

Belletristische Titel bilden nach wie vor die Brotartikel der Buchhändler und erreichen einen Umsatzanteil von 23 Prozent, davon tragen elf Prozent die Hard- und zwölf Prozent die Softcover bei. Die höchsten Belletristik-Einnahmen erzielen die kleineren Betriebsgrößen (bis zu 26 Prozent). Die zweitwichtigsten Warengruppen sind Kinder- und Jugendbücher sowie Schulbücher mit je elf Prozent. Besonders viele Schulbücher (14 Prozent) wechseln in den Läden mit sechs bis zehn Beschäftigten den Besitzer.

Beim Warenbezug hat sich 2011 einiges getan: Der Direktbezug bei den Verlagen liegt mittlerweile nur noch bei 61 Prozent (nach 64 Prozent im Jahr zuvor). Vor allem die Großen bestellen direkt − und zwar fast drei Viertel ihrer Ware. Etwas über die Hälfte ihrer Produkte ordern hingegen die Kleinstbetriebe beim Verlag − Ähnliches gilt für die Händler mit elf bis 20 Mitarbeitern. Um einen Prozentpunkt erhöht hat sich der Barsortimentsbezug. Auch hier gilt die Proportionalität: Je kleiner die Buchhandlung, desto höher diese Bezugsoption, variierend von 40 bis 26 Prozent.

Stabil geblieben ist die Möglichkeit, via Einkaufsgenossenschaf­ten zu beziehen. Fünf Prozent der Waren nehmen diesen Weg. Interessant: Die Sortimente mit elf bis 20 Mitarbeitern erreichen den Maximalwert von 15 Prozent. Die Großen hingegen landen bei null.

Kostenquote steigt leicht

Ein Blick auf die Kosten im Buchhandel zeigt: Die Sparbemühungen scheinen nicht 100-prozentig gefruchtet zu haben. Die Kostenquote bewegt sich mit 33 Prozent sogar leicht über dem Vorjahr (32,7 Prozent). Die höchs­ten Kosten fallen mit 35,6 Prozent in der oberen Größenklasse an, in der darunter liegenden sind es nur 0,2 Prozentpunkte weniger. Die geringste Kostenquote (31,6 Prozent) weisen die kleinen Sortimente mit vier bis fünf Mitarbeitern auf.

Stark zu Buche schlagen naturgemäß die Personalkosten inklusive Unternehmerlohn. Sie machen 20 Prozent des Umsatzes aus. Am höchsten ist diese Kennzahl mit 21,9 Prozent bei den Läden mit elf bis 20 Mitarbeitern, am geringsten bei den Kleinstunternehmen (18,6 Prozent). Was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass sich viele Inhaber nur ein klägliches Gehalt zustehen. Die Mietkosten steigen ebenfalls stetig: 4,4 Prozent vom Umsatz fraßen sie 2012 auf. Auch hier ist die Bandbreite groß: Der Wert liegt bei 3,9 Prozent in der zweitkleinsten Kategorie und bei 5,8 Prozent in den Großbetrieben, die für ihre 1-a-Lagen tief in die Tasche greifen müssen.

Die Betriebshandelsspanne konnte ihren Aufwärtstrend nicht fortsetzen − und beträgt nun 32,3 Prozent statt 32,7 Prozent. Die besten Konditionen von 36 Prozent handelten die größten Buchhandlungen aus, die schlechtesten (30,7 Prozent) erhalten die Betriebe mit bis zu drei Mitarbeitern.

Die Kosten sind gestiegen, die Betriebshandelsspanne hat sich verschlechtert – ergo ist das Betriebsergebnis hinter dem Vorjahr zurückgeblieben. Lag es 2011 noch bei minus 0,2 Prozent, ist es 2012 auf minus 0,6 Prozent abgerutscht. Schwarze Zahlen schrieben nur die größten und die zweitgrößten Unternehmensklassen (0,9 und 0,5 Prozent). Den schlechtesten Wert (minus 1,6 Prozent) verbuchten die Sortimente mit bis zu drei Mitarbeitern.

Unten findet sich die Tabelle auch in einer PDF-Version.

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12 Kommentar/e

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  • Aromatischer Früchtetee

    Aromatischer Früchtetee

    ".... Das Sortiment hatte 2012 steigende Kosten und sinkende Umsätze zu verkraften....."

    Hm, kein gutes Ergebnis. Hoffentlich läuft es 2013 für den Buchhandel "rund"!

  • Theo58

    Theo58

    Tja Frau Schulte,
    wie war noch ihre Schlagzeile = Im Buchhandel läuft es rund =
    Und jetzt hat Sie Auch Sie die Realität eingeholt.

  • Theo58

    Theo58


    Tja Frau Schulte,
    wie war noch ihre Schlagzeile? = Im Buchhandel läuft es rund ! =
    Und jetzt hat auch Sie die Realität eingeholt.

    Jetzt verbessert.

  • Vollwaschautomat

    Vollwaschautomat

    Gibt es ernsthaft jemanden der daran glaubt, das es im Buchhandel "rund" läuft!?

  • Theo58

    Theo58

    Warten wir doch einfach auf den Kommentar des Herrn Ulmer. Der erklärt es uns bestimmt in den nächsten Tagen.Er meldet sich ja ganz gerne mit " Primalösungen".

  • Rachsüchtiger alter Sack

    Rachsüchtiger alter Sack

    Arme Frau Schulte, die Sache mit dem "im Buchhandel läuft es rund" wird ihr wohl noch in ein paar Jahre nachgetragen werden.

    Den Pulitzer wird sie mit dem Artikel definitiv nicht gewinnen und sicher hat sie mit diesem Satz in einer Branche, in der die meisten sich eher auf der Roten Liste als auf der Siegerstrasse sehen, einen wunden Punkt getroffen, aber vielleicht sollte man es einfach auch mal gut sein lassen.

    Ich lästere auch gern über journalistische Tritte ins Fettnäpfchen ab (gerne auch beim Börsenblatt) aber man muss nicht immer die ewig gleiche Keule schwingen. Denke, Sie hat die "Lektion" längst verinnerlicht und kann es selbst nicht mehr hören.

    Das nur so als Vorschlag (Mitgefühl für Journalisten, Mann ich werde langsam alt. Was kommt als nächstes? Ein Sabbatical als Armenarzt in Kalkutta? Fusswaschung für Günter Grass???????)

  • Gewürzsenf

    Gewürzsenf

    @ #6

    Naja, Sie haben ja Recht. Wo gehobelt wird, da fallen Späne....

  • René Kohl

    René Kohl

    Wo wir schon über Geld reden...

    Was ich mich bei diesem Tabelle immer wieder frage, ist, was es mit dem Unternehmerlohn auf sich hat, der errechnet wird.

    Unternehmen mit 4-5 Mitarbeitern machen 633 TE Umsatz.
    Der Unternehmerlohn als Differenz aus Personalkosten ohne und mit Unternehmerlohn macht 4,3% vom Umsatz aus. Das sind ca. 27.200 EUR im Jahr.

    Nach dem Berliner Tarifvertrag kommt man in Tarifgruppe G1 (Aufgabe zum Beispiel: "Numerisches Lochen nach einfachen, vorbereiteten Unterlagen") an dem ersten Tätigkeitsjahr auf ein Arbeitgeberbrutto von ca. 25.300 EUR im Jahr.
    (http://www.berlinerbuchhandel.de/sixcms/media.php /976/ETV_Berlin_ab2013.pdf)

    In Tarifgruppe G2 ab dem 5. Tätigkeitsjahr (etwa für "Sichere Übertragung von auf Tonträgern gespeicherte Angaben mittels Schreibmaschine sowie formgerechtes Gestalten eines Schriftstückes") landet man bei einem Arbeitgeberbrutto über den oben genannten 27.200 EUR.

    Netto entspricht dies für einen Angestellten etwa 1.400 EUR im Monat.

    Unternehmer der Gruppe 6-10 Mitarbeiter landen bei 30.500 EUR jährlich, Unternehmer der Gruppe 11-20 Mitarbeitet erhalten ein Unternehmergehalt von 39.900 EUR jährlich.

    Meine Fragen nun:
    Errechnen die Teilnehmer des Kölner Betriebsvergleichs ihren Unternehmerlohn richtig?
    Arbeiten sie auch in ihrem Unternehmen, oder verdienen sie ihr Geld anderswo?
    Arbeiten sie tendenziell Teilzeit?

    Noch eine Zahl: Nach Tarifvertrag Berlin, Tarifgruppe 5 ("Leitung einer Buchhandlung") erhält man 3.405 EUR im Monat. Das entspricht einem Arbeitgeberbrutto von 49.000 TE.

    Ich weiß, daß Bezahlung nach Tarifvertrag kein Standard ist - aber ein Ziel?

  • Theo58

    Theo58

    Wo bleibt Herr Ulmer mit seinen "superschlauen" Kommentaren?
    Urlaub?

  • Michael Nardelli

    Michael Nardelli

    @Theo58
    Beschwören Sie es mal nicht! Grundsätzlich bin ich dafür, dass jeder seine Meinung frei äußert, einige Diskutanten (Hallo, Lorenz Borsche, wo bleibt eigentlich Ihre Polemik an dieser Stelle zu diesem Thema?) haben es hier aber echt übertrieben, Eine Mischung aus Oberseminar, Verkomplizierung und Verakademisierung, Neunmalklugheit, Totquatschen und Verächtlichmachung unliebsamer Meinungen - oder solcher, die man offenbar schlicht nicht verstehen wollte. Schade eigentlich das...

    Aber wenn es nun langsam einigen doch die Sprache ob der lange verdrängten und verweigerten Realität verschlägt, ist das vielleicht doch auch eine Chance. Dann wird endlich Platz, Zeit und Kapazität frei, die Dinge (insbesondere hier den Buchhandel) endlich unbelastet; vorurteilsfrei, unverkrustet neu und klar zu denken.

    Aggiornamento!

    Aber vielleicht ist der Leidensdruck ja immer noch nicht groß genug... So what! Ich kann warten! Neue Zeit, neues Glück.

  • René Kohl

    René Kohl

    Noch mal zu meiner Frage:
    Im Betriebsvergleichsvordruck selbst wird eine Spanne für den Unternehmerlohn vorgeschlagen:
    Er läge in der Gruppe 3-5 Mitarbeiter bei 43.500 EUR gemittelt (zwischen 35.000 und 53.000 EUR).
    Das klingt ja erst mal vernünftig - scheint aber nix mit der Realität zu tun zu haben.

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    Lieber Herr Nardelli,
    freu mich, daß Sie mich vermisst haben, der Grund ist/war der Jahreszeit geschuldet: Urlaub! :-)

    Zum Thema: die Zahlen sind unschön, aber das waren sie schon seit anno tobak. Bei knapp 30% Rohertrag musste sich jeder fragen: warum kaufen die Buchhändler nicht alles beim Grosshandel? Da kommt man leicht auf 31 oder 32% bei weit höherer Flexibilität und erheblich weniger Arbeit im Backoffice.
    Und das ist im Kern das Anabel-Modell, allerdings konnten wir noch ein Schippchen drauflegen (der übliche Vorteil einer Einkaufsgenossenschaft). Und deswegen kaufen jetzt 561 Buchhandlungen (letzte Zahl vor dem Urlaub) gemeinsam ein. Jede nur genau das, was sie möchte, trotzdem gebündelt.
    Die Rohertragsdifferenz zum normalen Einkauf plus die Arbeits- und Kostenersparnis (Stb, Buchhaltung, Remis etc.) helfen die o.a. Zahlen ins Positive zu verschieben. Das überzeugt im Mittel eine Buchhandlung pro Woche (2004-2013).
    Die Obergrenze (Umsatzgröße) ist noch nicht ausgelotet, aber 10 Mitarbeiter ist nicht die Grenze, dafür gibt es positive Beispiele. Und drunter wird der Effekt eher grösser....
    Seien wir realistisch: wieviel 'drain' eine kleine Buchhandlung bei rationellsten Bezugsbedingungen in Zukunft noch verkraften kann, ist noch unbekannt. Deshalb gehört schon erhebliches unternehmerisches Engagement dazu - dann aber kann man auch in heutigen Zeiten noch wachsen und sogar filialisieren (im kleinen Stil) - auch dafür gibt es bei uns Beispiele.
    LG LB

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