250 Jahre C. H. Beck

"Das Wichtigste sind die Autoren"

Das Literaturhaus München stand am Samstag ganz im Zeichen des Verlagsjubiläums von C. H. Beck. Anders als beim Festakt eine Woche zuvor hatten diesmal die Autoren das Wort. VON ANDREAS TROJAN

Vom großen Saal über den Dächern von München bis zur Bibliothek und hinunter zur Brasserie "Oskar Maria" wurden alle Räume des Literaturhauses bespielt. Der Ort für die Festivität war nicht zufällig gewählt: An der Gründung des Literaturhauses wirkte der Verlag durch finanzielles Engagement mit, zudem sitzt Verleger Wolfgang Beck heute im Stiftungsrat.

"Wir wollten 250 Jahre C. H. Beck auch mit den Münchnern in unserer Stadt feiern. Deshalb hatten wir die Idee eines Festes insbesondere für unsere Leserinnen und Leser, für unsere Autoren, für die Journalisten und Buchhändler", erklärt Tanja Warter, Pressereferentin für Literatur. Dass es auch ein Fest für die Mitarbeiter des Verlages war, zeigte die rege und aktive Teilnahme an diesem Festtag.

"Das Wichtigste an unserem Verlag sind die Autoren." Mit diesem klaren Statement eröffnete Wolfgang Beck die Veranstaltung. Dass an diesem Tag hauptsächlich Autoren der Belletristik und des Sachbuchs das Wort hatten, liegt auf der Hand. Aber auch juristische Themen wurden nicht ausgespart, etwa Daniel Zimmer mit seinem Plädoyer "Weniger Politik!". Denn neben der schönen Literatur ist die Rechtswissenschaft die andere starke Säule von C. H. Beck. Aber das war nicht der einzige Grund. Verleger Hans Dieter Beck stellte den auf internationales Recht spezialisierten Professor als Grenzgänger vor: Zimmers Themen näherten sich Philosophie und Ethik an – und damit dem anspruchsvollem Sachbuchbereich des Verlages. So berühren sich zu Zeiten die zwei starken Säulen von C. H. Beck.

Begrüßung auf Babylonisch

Das Konzept dieses Jubiläumstages ging voll auf. Der Veranstaltungsreigen, meist Lesungen mit Moderation, begann um 15.30 Uhr und endete nach 21 Uhr. Es war ein Kommen und Gehen von rund 300 bis 500 interessierten Lesern pro Veranstaltung. Wer sich nicht gut eine Viertelstunde vor Beginn einen Platz erkämpft hatte, ging meist leer aus – oder musste sich mit einem Stehplatz begnügen. Autoren und Themen waren auch wirklich mit Bedacht ausgewählt worden und zeigten wieder einmal mehr das breite Spektrum von C. H. Beck. Wolfgang Huber besprach etwa die Grundfragen der Ethik, Hans Pleschinski las aus seinem Bestseller "Königsallee", Stefan M. Maul berichtete über die Wahrsagekunst im Alten Orient – und begrüßte das erstaunte Publikum auf Babylonisch, Johannes Fried präsentierte seine neue umfassende Biographie Karls des Großen, Jochen Schmidt las aus seinem neuen Roman "Schneckenmühle", Sigrid Löffler versuchte die "neue Weltliteratur" auszuloten, und auch Neil MacGregor, Direktor des Britischen Museums, war extra zum Jubiläumstag angereist – und erklärte, dass Shakespeares "Globe Theatre" tatsächlich der Form des Globus nachgebaut worden sei.

Als dann Kulinarik-Journalist Peter Peter Süßspeisen aus der österreichischen Küche präsentierte, geriet das Publikum leibhaftig in Verzückung. Insgesamt gingen an diesem Jubiläumstag 15 Autoren für C. H. Beck ins Rennen. Unterstützt wurden sie von Moderatoren des Bereichs "Kulturkritik" des Bayerischen Rundfunks, allen voran durch dessen Leiter Dieter Hess. Beim abendlichen Ausklang merkte man, wie die Anspannung beim C. H. Beck-Team langsam nachließ. Der Jubiläumstag war ein voller Erfolg. Cheflektor Detlef Felken wurde sogar melancholisch-philosophisch ob des Alters und der Bedeutung des Verlages: "Ich selbst bin seit 1991 für dieses Haus tätig, also im 23. Jahr. Knapp zehn Prozent ist aufs Ganze gesehen nicht gerade viel. Man steht in einer Tradition und versucht, sie auf zeitgemäße Weise fortzusetzen, vielleicht sogar so etwas wie eine intellektuelle Handschrift im Programm erkennbar werden zu lassen. Aber was am Ende vom eigenen Tun bleibt, das sind die großen Autoren, die bedeutenden Bücher, die den Verlag attraktiv und unverwechselbar machen. Darum geht es. Alles andere verweht der Wind."

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