Suhrkamp: Erneuter Aufruf der Autoren

Pro Insolvenzplan, contra Barlach

Wenn Hans Barlach bleibt, steigen wir aus! Das ist die implizite Drohung eines weiteren Aufrufs, den mehr als 180 Autoren und Erben von Autoren des Suhrkamp Verlags unterzeichnet haben. In dem Brief unterstützen sie die "Absicht der Geschäftsführung, die Gesellschaft durch die Schaffung einer Aktiengesellschaft zu befrieden".

Sollte der Insolvenzplan scheitern und eine Eigentümersituation fortdauern, "die Hans Barlach maßgeblichen Einfluss auf die Geschicke des Verlags beließe", wäre eine weitere Zusammenarbeit mit dem Verlag nicht mehr vorstellbar, so die Autoren.

Ihre Ablehnung Hans Barlachs als Mitgesellschafter leiten die Autoren offenbar aus dem verlegerischen Auftrag des Suhrkamp Verlags her. Die Beziehung zwischen Autoren und Verlag sei nicht allein auf die Erfüllung "kommerzieller Ziele" gegründet; man sei vielmehr stolz darauf, "Bücher in einem Verlag veröffentlichen zu können, in dem die verlegerische Arbeit aus Leidenschaft betrieben wird und mit Mut zum Risiko".

Der Brief endet mit einem Appell an die Gläubiger, den Insolvenzplan in der Gläubigerversammlung zu unterstützen. Die Autoren selbst, deren offene Forderungen durch das Ströher-Unternehmen SAF zwischenfinanziert wurden, können aus diesem Grund – weil sie keine Gläubigerposition innehaben – nicht an der Gläubigerversammlung teilnehmen.

Unter den Unterzeichnern sind neben Schriftstellern wie Hans Magnus Enzensberger, Durs Grünbein und Peter Sloterdijk auch Erben von Ingeborg Bachmann, Hermann Broch, Paul Celan und Peter Weiss.

Das vollständige Schreiben finden Sie hier:

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7 Kommentar/e

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  • Volker Gollenia

    Volker Gollenia

    Das läßt einen dann doch ein wenig nachdenklich zurück. Wie heißt es so schön? "Die Beziehung zwischen Autoren und Verlag sei nicht allein auf die Erfüllung "kommerzieller Ziele" gegründet; man sei vielmehr stolz darauf, "Bücher in einem Verlag veröffentlichen zu können, in dem die verlegerische Arbeit aus Leidenschaft betrieben wird und mit Mut zum Risiko"". Aha. Herr Barlach ist also allein auf kommerzielle Ziele aus, hat in den bekanntermaßen vor Rendite strotzenden Suhrkamp Verlag investiert, um seinen Reichtum zu mehren. Und die Autoren wollen natürlich möglichst keine Honorare und unterstützen Suhrkamp finanziell bis an die Schmerzgrenze. Also wenn ich die Nachrichten-Orgie zu diesem Thema richtig interpretiert habe, sind da einige deutlich andere Ziele der Geschäftsführung des Suhrkamp Verlags maßgeblich für diesen Niedergang. Eine per Gericht abgesetzte Geschäftsführerin, die entgegen Gesellschafterverträgen sich persönliche Vorteile in erheblichem Umfang verschafft hat, die Risiko wohl etwas anders als die Autoren interpretierte. Das übrigens auch zu Lasten der Autoren, denn diese Mittel stehen für Honorare nicht zur Verfügung. Es ist eine Farce, eine Doku-soap, was da läuft. Mit dieser Kampagne gegen Barlach, der sicher auch seine Fehler hat, wird vom eigentlichen Problem dieses Verlages schön abgelenkt. Es ist noch nicht so lange her, dass einige wichtige Autoren diesem Verlag demonstrativ den Laufpass gegeben haben - genau wegen dieser Geschäftsführung. Jetzt also das Messer auf die Brust des rein kommerziellen Investors. Na, das wird andere Geldgeber sicher in Scharen herbei locken! Glück auf oder so ähnlich...

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    Tatsächlich unterstreicht der Apell / die Drohung vieler wichtigen Autoren, daß der Insolvenzverwalter die bestehenden Verträge mit Autoren für die Zukunft völlig zu recht mit NULL bewertet hat - was ja hier schon laut in Zweifel gezogen worden war.
    Die ganze Suhrkamp-Story ist im besten Sinne uns allen historischen Bedeutungen des Wortes nurmehr dies: eine Farce. Und dies:

    "Nach Golde drängt,
    Am Golde hängt
    Doch alles. Ach wir Armen!"

    der Hintergrund?

    LG LB

  • Klaus Philipp Mertens, PRO LESEN e.V., Frankfurt a.M.

    Klaus Philipp Mertens, PRO LESEN e.V., Frankfurt a.M.

    Mit ihrem unüberlegten Votum zugunsten der Unseld-Familienstiftung stellen die Autoren die vielbeschworene Suhrkamp-Kultur erheblich in Frage. Denn wer sich mit solch einer massiven Forderung in einem schwebenden Verfahren, in dem es nicht nur einen Bösewicht gibt, zu Wort meldet, hat exakt diese Kultur verlassen und entwertet nachhaltig das eigene künstlerische Schaffen.

  • Jacke wie Hose?

    Jacke wie Hose?

    Das Hemd ist auch hier wohl den Autoren näher als die Jacke, die wenn man nicht aufpasst, zu einer rein kommerziellen Zwangsjacke werden könnte.
    Und wie heisst es so schön, wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein.
    Verständlich, dass die Autoren einem nicht persönlich bekannten Investor, der bisher weniger durch kulturellen Enthusiasmus, als durch eigenkommerzielle und rechtliche Auseinandersetzungen bekannt wurde, weniger vertrauen, als einem Verlagshaus, das eben nicht nur rein kommerzielle Ziele verfolgte, sondern eine riskante verlegerische Zukunftsinvestition betreibt, die Autoren mit ihrer literarischen Arbeit ebenfalls betreiben.
    Die Gefahr, dass mit einem, rein kommerziell interessierten, Investor nur noch die Backlist monetarisiert werden könnte, scheint doch wesentlich höher, als einem vor dem aktuell schwierigen verlegisch Hintergrung, erfolgreichen Team zu Vertrauen.

  • martes

    martes

    Was wäre wohl wenn der Suhrkamp Verlag ein richtiges Unternehmen ohne all die Traumtänzer wäre? Hätte man da auch einen Teilhaber aufnehmen können und sich dann darüber gewundert das dieser auch Mitreden will? Also ich kann da nur noch den Kopf schütteln und denke mir das wenn man in einem Verlag nur solche Probleme hat ist es nicht schade wenn dieser von der Bildfläche verschwindet.

  • E-Leser

    E-Leser

    Naja, die Autoren haben gut reden - sie haben ja gierig nach der Kohle gegriffen, die ihnen an der Insolvenzmasse vorbei angeboten wurde und sind nun aus dem Schneider. Da kann man unbeschwert den nichtkommerziellen Gutmenschen geben.

  • Traumtänzer?

    Traumtänzer?

    Tja, was wäre wenn der neue Teilhaber, gegen den erklärten Willen des anderen Teilhabers, ins Unternehmen eingestiegen wäre? Und dieses ohne Einverständnis des anderen komplett übernehmen wollte und lediglich bis zur Unkenntlichkeit entkernen wollte?
    Gierig war Barlach, als er eine Gewinnausschüttung von über 2 Mio. einklagte, was dann erst zum nun bejammerten Insolvenzfall führte. Also bitte kein falsches Mitleid mit einem, der das riskante Spiel, das er mutwillig und ohne Not spielte, zu verlieren scheint.

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