Interview mit Ronald Herkert, Forum Media Group

"Die Märkte wandeln sich rapide"

Mit einem Jahresumsatz von rund 80 Millionen Euro gehört die Forum Media Group im bayerischen Merching zu den großen Verlagsgruppen im Bereich Fachinformation und Unterhaltung. Wie alles vor 25 Jahren anfing, und wie das international agierende Unternehmen heute strategisch aufgestellt ist, sagt Geschäftsführer Ronald Herkert im Gespräch mit boersenblatt.net

Die Zeitschrift "Forum" war 1988 die Keimzelle der heutigen Verlagsgruppe. Heute ist die Forum Media Group ein Konzern mit 25 Unternehmen in 16 Ländern. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?
Geheimnis des Erfolgs – das hört sich immer so an, als ob ein Rezept dahinterstünde, das ich niemandem verraten darf. Eine ganz wichtige Voraussetzung für ein Wachstum in unserer Größenordnung sind natürlich unsere Mitarbeiter. Mitarbeiter, die Verantwortung übernehmen und eigene Verantwortungsbereiche entsprechend ihren Vorstellungen weiterentwickeln können. Ein solches Wachstum ist nur möglich, wenn es in vielen Wachstumszellen unabhängig voneinander generiert wird. Aber auch innerhalb der jeweiligen Unternehmen gibt es Bereichsverantwortliche: Produktmanager oder Objektleiter, die beispielsweise für ein bestimmtes Produktportfolio verantwortlich sind. Die entwickeln ihren Bereich ebenfalls selbständig weiter.

Sie decken mit ihren Produkten ein breites Spektrum an Themen ab. Wo liegen die Schwerpunkte?
Es sind vor allem drei Geschäftsfelder, in denen wir aktiv sind: Information – also Entscheiderwissen –, die wir in gedruckter Form, digital oder als audiovisuelle Medien bereitstellen. Das zweite Feld ist die Bildung: alles, was Menschen auf ein höheres Qualifikationsniveau hebt – vor allem im Bereich der beruflichen Fort- und Weiterbildung. Dort sind wir mit Seminaren, Kursen und Lernmedien aktiv – mit Face-to-Face-Medien ebenso wie mit Fernkursen. Der dritte Bereich ist Unterhaltung: alles, was Spaß macht und was man nicht unbedingt braucht. Dazu gehören Produkte wie Zeitschriften oder Online-Spiele. Die Gewichtung der Geschäftsfelder ist unterschiedlich. Wir kommen von der Information her, mit der wir auch den Löwenanteil unseres Umsatzes machen. Dann kommt die Bildung, die wir aber erst seit 2010 als eigenes Geschäftsfeld definiert haben, für das wir uns konkrete Entwicklungsziele gesetzt haben – zunächst bis 2015. Im Unterhaltungsbereich nutzen wir Chancen, die sich auftun, aber richtig aktiv werden wir erst ab 2015.

Aber ihre Aktivitäten müssen ja auch zueinander passen …
Meine Aufgabe sehe ich darin, die Rahmen abzustecken, innerhalb derer die Entwicklungen stattfinden sollen: in bezug auf die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen.

Ihre Verlagsgruppe ist in mittlerweile 16 Ländern aktiv. Sehen Sie heute ein größeres Entwicklungspotenzial im Ausland als in Deutschland?
Das kann man nicht grundsätzlich beantworten. Begonnen hat unsere Auslandsentwicklung mit der Grenzöffnung im Osten. Dort sind ganz viele jungfräuliche Märkte hinzugekommen, die wir meist mit Eigengründungen bedient haben. Erst kürzlich haben wir unser Engagement in Russland und Ungarn ausgeweitet. Die Entwicklung im Osten verlief so gut, dass wir irgendwann überlegt haben, auch in den westeuropäischen Märkten tätig zu werden – zum Beispiel in England und in Italien. Dort hat man natürlich eine andere Situation, denn diese Märkte sind immer schon gut versorgt gewesen. Aber es hat sich gezeigt, dass wir auch in wettbewerbsintensiven Märkten Chancen haben. – Das heißt aber nicht, dass wir jetzt in Deutschland kein Entwicklungspotenzial mehr sehen. Die Märkte in Deutschland wandeln sich allerdings rapide durch Digitalisierung und Internet. Diejenigen, denen es gelingt, mit kreativen und marktnahen Ideen entsprechende Lösungen und Produkte anzubieten, haben auch in Deutschland gute Entwicklungschancen.

Welche "Wunschländer" stehen noch auf Ihrer Liste?
An erster Stelle natürlich der amerikanische Kontinent: USA und Kanada. Das sind große Wünsche, aber auch ebenso große Herausforderungen. Wir trauen uns dort nicht zu, ein Unternehmen zu gründen und von Null an aufzubauen. Deshalb suchen wir jetzt einen Kooperationspartner. Mit der Übernahme der australischen Nextmedia Gruppe zum 1. Oktober sind wir jetzt auch auf dem fünften Kontinent vertreten.

Sehen Sie in der Digitalisierung eine Gefahr für Ihr künftiges Printgeschäft?
Mit dem technischen Fortschritt kommen immer neue Trägermedien für Inhalte auf den Markt. Das sind heute Internet oder CD-ROM, mit denen ich Inhalte transportieren kann. Die Vergangenheit zeigt, dass ein neues Trägermedium nie ein altes abgelöst hat. Das Marktvolumen verteilt sich auf mehrere Medien, und das Internet kommt dazu – und muss integriert werden. Letztlich geht es darum, sinnvolle Kombinationen der Medien untereinander zu schaffen. Und es gibt bestimmte Inhalte, die besonders gut für Printprodukte geeignet sind, andere, die besser online funktionieren. So sind zum Beispiel Online-Erweiterungen zu unseren Zeitschriften inzwischen Standard.

Wie abhängig sind Ihre Unternehmen vom Anzeigenmarkt?
Bei den Fachzeitschriften spielen wir 80 Prozent des Erlöses mit dem Vertrieb ein, da spielen die Anzeigenverkäufe nicht die Rolle; anders sieht es bei den Publikumszeitschriften aus, die unsere Tochter Dolde Verlag herausgibt. Da ist die Abhängigkeit viel größer. Was man feststellen kann: Der klassische Anzeigenumsatz geht spürbar zurück. Das kann durch das Internet nicht ersetzt werden. Aber wenn man etwa eine Printausgabe mit Online-Angeboten und Veranstaltungen – zum Beispiel einem Kongress oder einer Preisverleihung – kombiniert, dann kann man auch ein gutes Anzeigengeschäft machen.

Gibt es einen besonderen "Spirit" in Ihrem Unternehmen, den sie in besonderer Weise fördern? Es gibt ein Segelschiff, mit dem Sie schon einmal Ausflüge mit der Belegschaft unternommen haben …
Das ist kein Ausflugs-, sondern ein Trainingsschiff, auf dem man im Kleinen Abläufe trainieren kann, wie es sie auch im Unternehmen gibt. – Was den "Geist" des Unternehmens betrifft: Wir haben natürlich Prinzipien, die wir in unserem Unternehmensleitbild festgeschrieben haben. Das sind neun Leitsätze, von denen ich einmal drei nenne: Mehr Nutzen als Kosten – das gilt für jeden Mitarbeiter. Zweitens: Man darf Fehler machen. Wenn man innovativ ist, wenn man Neuland beschreitet, kann man nicht alles richtig machen. Das dritte Prinzip, das mir ganz wichtig ist, heißt: Erst säen und dann ernten. Zuerst muss man zeigen, was man kann, und dann kann man auch vernünftig bezahlt werden.

Arbeiten die Mitarbeiter gern in Ihrem Unternehmen? Ist die Fluktuation niedrig?
Davon bin ich überzeugt. Was die Fluktuation angeht: Es gibt viele Mitarbeiter, die schon 20 Jahre bei uns beschäftigt und wichtige Know-how-Träger sind. Jüngere Mitarbeiter, die gerade von der Hochschule kommen und bei uns ihren ersten Arbeitsplatz finden, schauen sich, wanderfreudig, wie sie in dem Alter sind, natürlich auch woanders um. Das ist auch gut, weil so immer wieder frische Ideen hineinkommen.

Wo wollen Sie 2038 stehen?
Wir wollen 2038 als global agierendes Unternehmen dastehen – auf allen Kontinenten außer der Antarktis. Wir wollen die drei Geschäftsfelder Information, Bildung und Unterhaltung bedienen und nach Möglichkeit so entwickeln, dass sie drei starke Standbeine in unserer Gruppe sind. Was die Größe anbelangt: Wir wollen 2038 ein bedeutendes, ein gestaltendes, ein einflussreiches Medienunternehmen sein.

Sie haben das Verlagsschiff seit der Gründung 1988 nunmehr 25 Jahre durch die Märkte gesteuert. 2038 …
… werde ich nicht mehr Kapitän an Bord sein.

Das heißt, Sie stellen heute schon die Weichen für eine Nachfolgeregelung …
Es ist kein Geheimnis, dass ich 60 bin. 2038 bin ich also definitiv nicht mehr dabei. Aus dem Kreis der sechs Holding-Geschäftsführer werde ich den Nachfolger rekrutieren. Die sind alle jünger als ich, die sind erfahren. Der Nachfolger, der meine Funktionen übernimmt, wird dann primus inter pares sein.

Interview: Michael Roesler-Graichen

 

Forum Media Group
Information, Bildung und Unterhaltung: Das sind die Geschäftsbereiche der Forum Media Group mit Sitz in Merching, Bayern. Die erweiterte Mediengruppe, die mit 25 eigenständigen Unternehmen in 16 Ländern vertreten ist, wurde 1988 gegründet. Produziert werden Print- und Online-Medien sowie Software-Produkte. Angebote für Aus- und Weiterbildung ergänzen das Portfolio. Weltweit beschäftigt die Forum Media Group in Zukunft rund 900 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von etwa 80 Mio. EUR. 

 

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4 Kommentar/e

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  • Ehemaliger Mitarbeiter

    Ehemaliger Mitarbeiter

    Als ehemaliger Mitarbeiter kann ich dazu nur sagen, dass ich mir gewünscht hätte das alles so wäre wie von Herrn Herkert beschrieben, dann wäre ich sicher auch noch da. Aber leider sieht die Realität ganz anders aus.

  • Noch ein Ehemaliger

    Noch ein Ehemaliger

    Da kann ich mich meinem Vorredner nur anschließen!

  • Eberhardt

    Eberhardt

    Wieder mal ein Beispiel dafür, das die Darstellung nach aussen und die Wirklichkeit bisweilen auseinanderklaffen ;-)

  • Ehemaliger der Dritte

    Ehemaliger der Dritte

    Ein Blick auf die Bewertungen bei kununu sagt mehr als tausend Interviews.

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