Neu im Regal: Lesetipp der Woche

Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ...

Daniel Zahno lässt in seinem neuen Roman "Manhattan Rose" Blumen sprechen. VON KAI MüHLECK


Daniel Zahno hat eine Stimme wie Samt. Wer den Basler Autor aus seinen Texten lesen hört, behält diesen Klang im Ohr. Zumal seine Romane von einer Sensibilität zeugen, die sehr eindrücklich ist - und die Frauen Männern eigentlich gar nicht zutrauen würden. Das Beste: Wie in seinem größten Roman "Die Geliebte des Gelatiere", der gerade verfilmt wird,  blickt Zahno dem Kitsch tief ins Auge, entkommt aber stets mit großer Behendigkeit dessen Fallstricken. Zahno gelingt es immer wieder, die Erwartungen des Lesers, die er selbst schürt, meisterhaft und ganz prosaisch zu unterlaufen: So muss Noemi, die große Liebe des Ich-Erzählers Avises, urplötzlich die Niagarafälle herabstürzen, kaum, das der Eismacher sie endlich aufgespürt hat, was den Roman "Die Geliebte des Gelatiere" sehr abrupt beendet.
Plötzliche Schicksalsschläge wie Autounfälle, Magen-Darm-Grippen oder im neuen Buch "Manhattan Rose" ein paar brutale Schläger, werfen das Leben der Zahnoschen Protagonisten stets vollkommen aus der eingeschlagenen Spur. Ganz wie im echten Leben. Oder wie bei John Irving, mit dem Zahno ohnehin mal dringend vergleichen müsste.

Mit seinem neuen Roman, wie die letzten Bücher alle bei Weissbooks veröffentlicht, läuft Zahno wieder zu der Stärke auf, die er in "Die Geliebte des Gelatiere" und bereits früher in seinem Skizzenbuch "Im Hundumdrehen" demonstriert hat. Er bleibt seiner Liebe für kurze Namen und sensible und kreative Männer treu: Avise, wie bereits erwähnt, ist "Gelatiere", Ben im Roman "Rot wie die Nacht" ist Filmregisseur. Aber Zahno wiederholt sich nicht. Mit "Manhattan Rose"  ist ein bedeutendes Buch der Liebe entstanden, in dem ein Schweizer Bio-Rosenzüchter Luca sich - im doppelten Sinne - in New York verliebt. Denn wichtiger als seine schwierige Zuneigung zum Big Apple ist natürlich seine Liebe zu Sofie, die sich in New York als Sprachlehrerin durchschlägt. Zahno hat als Stipendiat die Stadt übrigens recht gut kennengelernt, trumpft damit aber nicht auf. Der Mann, der auf dem großen Schmutztitel-Foto der Weissbooks-Bücher aussieht wie Terence Hill, ist ein Meister der sprachlichen Verdichtung, des Knappen, Intensiven.
Diese Liebesgeschichte verläuft nicht ohne Komplikationen - es gibt noch einen anderen Mann, den Ex - Luca gelingt schließlich aber der Umzug nach New York und zunächst eine berufliche Traumkarriere beim Peggy Rockefeller Rosegarden. Aber kein Paradies ohne Apfel - schon bald hat Luca es auch hier mit bösartigen Intrigen seines Vorgängers zu tun, handfestes Mobbing. Seine Liebe droht ihm zu entgleiten.
Der Roman steigert mit jeder Seite sein Tempo - die Erzählgeschwindigkeit nimmt in den letzten Kapiteln rapide zu. Darum sind es neben den poetischen Rosen-Szenen, denen man eine intensive Recherche gar nicht anmerkt, Einzelszenen, die einen so starken Eindruck hinterlassen, die so lebendig sind, das die Erinnerung an sie sich so anfühlt, als hätte man sie selbst erlebt. Ein Date mit Sofie auf einem schwankenden, havarierten Boot auf dem Hudson River, eine intensive Liebesszene, die niemals voyeuristisch oder abgeschmackt wird, eine wild Hals-Über-Kopf-Fahrt mit dem Rad durch die Wolkenkratzerschluchten New Yorks und einen heftigen Regenschauer - und vor allem der große Showdown in der New Yorker Metro. Das ist meisterhaft erzählt.

Daniel Zahno: Manhattan Rose. Weissbooks, 280 S., Hardcover, 19,90 Euro.

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