Lesetipp: „Eine Art zu leben“ von Peter Bieri

Aus dem Abseits direkt ins Tor

Würde? Was für altmodisches, abseitiges Wort. Würde sorgt nicht für Gewinne, bringt keine Sicherheit – es gibt sie noch nicht mal als App. Peter Bieri stellt in „Eine Art zu leben. Über die Vielfalt menschlicher Würde“ (Hanser) dennoch genau die richtigen Fragen: Er liefert ein unbequemes Buch, das dem Zeitgeist Beine macht – trifft aus dem Abseits direkt ins Tor. VON TW

Rein äußerlich wirkt das neue Sachbuch des Schweizer Philosophen Peter Bieri (alias Pascal Mercier, "Nachtzug nach Lissabon" u.a.) völlig unspektakulär. Cover, Typografie, Papier: Mit nichts will sich „Eine Art zu leben“ hervortun. Dass das Buch trotzdem auffällt, und den Bücherherbst vermutlich lange überdauern wird, erklärt sich anders. Bieri verwickelt seine Leser auf subtilste Weise in ein Gespräch über zwar recht triviale, aber doch zentrale Fragen – wie wir Würde erlangen und wieder verspielen.

Würde sei eine bestimmte, anspruchsvolle Art zu leben, meint Bieri – eine, die mit Selbstachtung beginnt, an diesem Punkt jedoch lange nicht endet. Respekt vor Fremden, gefälliger Opportunismus und Korruption, Demütigungen durchs Älterwerden, durch eigene Fehler, Jobverlust, fürsorgliche Bevormundung oder Krankheit: Bieri beobachtet, schaut überall hin, reiht Beispiel an Beispiel (viele stammen aus der Literatur, etwa aus Henrik Ibsens "Puppenheim" und Dürrenmatts "Das Versprechen, von Franz Kafka, Christa Wolf und Max Frisch). Und schafft es, dass seine Leser nach 373 Seiten schließlich hellwach sind, und nicht achselzuckend einfach zur nächsten Ablenkung übergehen.


Peter Bieri: Eine Art zu leben. Über die Vielfalt menschlicher Würde. Hanser, 24,90 Euro (als E-Book 18,99 Euro).
 

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