Interview mit Frank Großklaus, readfy

"Bis Jahresende wollen wir 30.000 Titel anbieten"

Kaum war die neue E-Book-Plattform readfy am Montag gestartet, wurde die Website durch den Ansturm interessierter Nutzer in die Knie gezwungen. Man hofft, so die Ansage auf der Homepage, "gleich wieder online" zu sein. Boersenblatt.net hat mit Frank Großklaus, dem Marketing- und PR-Verantwortlichen von readfy, über das Geschäftsmodell gesprochen. Update: Inzwischen hat readfy als neuen Starttermin den kommenden Freitag, 7. Februar genannt. VON INTERVIEW: MICHAEL ROESLER-GRAICHEN

Ein Spotify für Bücher: Felix Bauchspieß, Ryan David Mullins und Frank Großklaus haben am 3. Februar die Plattform readfy – einen Abo-Dienst für E-Books – gestartet, der zunächst nur in einer kostenlosen Variante (mit Werbeeinblendungen), ab Sommer dann auch in zwei kostenpflichtigen Abo-Modellen (für monatlich 4,99 Euro mit weniger Werbung bzw. 9,99 Euro werbefrei) angeboten werden soll. 

Am 3. Februar haben Sie die offene Testphase des E-Book-Aboservices Readfy gestartet, mit mehr als 15.000 Titeln. Woher kommen die Bücher?
Die Titel stammen aus unterschiedlichen Verlagen und werden uns entweder direkt oder über E-Book-Aggregatoren geliefert. Die ganz großen Verlagshäuser sind noch nicht dabei und warten zunächst die Testphase ab. Es laufen aber kontinuierlich Gespräche mit ihnen. Wenn sie dann den Eindruck gewinnen, dass readfy funktioniert, stoßen sie im Sommer möglicherweise dazu.

Wer hat Ihr Start-up finanziert?
Der 2012 gegründete Mobile Business Inkubator 1stmover aus Düsseldorf und einige weitere Gesellschafter. Klemens Gaida und Peter Hornik, die Geschäftsführer und Gesellschafter, haben gemeinsam mit den anderen Gesellschaftern einen sechsstelligen Euro-Betrag zur Verfügung gestellt und uns als Mentoren beim Aufbau des Start-ups begleitet. Nach der Anschubfinanzierung starten wir ab 3. Februar eine Crowdinvesting-Kampagne, die wir gemeinsam mit der Crowdfunding-Plattform Companisto.de realisieren.

Sie setzen mit der readfy-App auf Smartphone- und Tablet-Nutzer. Sind E-Book-Reader für Sie uninteressant?
Laut Bitkom wird der Anteil von Tablet- und Smartphone-Nutzern in den kommenden Jahren exponentiell steigen. Wir beobachten die Marktentwicklung und halten uns die Option offen, unseren Dienst auf E-Reader auszuweiten. Mit der Testphase starten wir zunächst eine Android-App für Smartphones und Tablets, die iOS-Versionen für iPhone, iPad etc. stehen ab Sommer zur Verfügung.

Welches Spektrum decken Sie mit den Titeln ab?
Wir haben auch schon in der Testphase ein breitgefächertes Angebot. Es sind alle Genres vertreten – von der Belletristik bis zum Ratgeber, vom Liebesroman bis zu Kochbüchern, vom Kinderbuch bis zum Comic. Bis Jahresende wollen wir die Zahl der verfügbaren Titel auf 30.000 steigern.

Wie kann man sich die Werbung während der E-Book-Lektüre vorstellen?
Es gibt verschiedene Modelle, beispielsweise Banner am unteren Seitenrand oder Anzeigen, die den Text verdrängen, und ausgeklickt werden müssen. Wir entdecken selbst kreative Möglichkeiten, in E-Books zu werben, und müssen natürlich abwarten, ob die Nutzer dies akzeptieren?

Wollen Sie auch mit animierter Werbung arbeiten?
Das kann in Einzelfällen funktionieren, etwa bei Comics. In jedem Fall muss die Werbung zum jeweiligen Inhalt passen.

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11 Kommentar/e

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  • wilh.hüttermann

    wilh.hüttermann

    Es war zu erwarten, dass die E-Bookleser sich auf Dauer nicht vor dem Wahrnehmen von Werbung drücken können.
    Ob Werbung jeweils zum Inhalt passen wird, sei dahingestellt.
    Vielleicht an unteren Seitenrand eine Zigarettenmarke, wenn
    es im Text darüber heisst: Er zündete sich eine Zigarette an?
    Verblüffend der Verzicht auf E-Reader.
    Grndsätzlich wäre zu bemerken, dass das Projekt E-Book seinen Höhepunkt überschritten hat, auch wenn noch so viele Absatzphantasien laut werden.

  • Amazonkunde

    Amazonkunde

    Dir Realitätsferne von Leuten wi wilh.hüttermann erstaunt mich immer wieder.

    Ich lache über den ewig Gestrigen Buchhandel. :)

  • maxi

    maxi

    @amazonkunde

    Hallo, ich hoffe Sie haben einen geregelten Job in dem Sie auch Steuern zahlen.

    Diese, Ihre Steuern braucht meine gerade gekündigte Mitarbeiterin. Aufgrund sinkender Umsätze (durch Amazon) blieb mir keine andere Wahl als die Kündigung.

    Meine Ex-Mitarbeiterin liegt jetzt auf dem Sofa, bekommt jeden Monat ihr Geld, bekommt vom Arbeitsamt finanzierte Kurse, wie man eine Bewerbung schreibt (Kosten 495.-), zzgl. Fahrgeld.
    Für jede Bewerbung bekommt sie pauschal jetzt 5.- vom Arbeitsamt.

    Ihr wurde auch geraten, nicht nur auf Stellenangebote einzugehen, sondern sich auch einfach blind bei Firmen zu bewerben.

    Nun, sie schreibt jetzt Serienbewerbungen...
    da kommt ganz nett etwas zusammen.

    Und all das zahlen die Amazonkunden, nicht Amazon !!

  • NocheinAmazonkunde

    NocheinAmazonkunde

    Die Verlage verspielen die Zukunft. In meinem Familien-, Bekanntenkreis haben etliche Jugendliche mit einem eReader oder Smartphone wieder zu lesen angefangen - nachdem sie teils jahrelang kein Papierbuch (außer für Schule/Uni) in Hand genommen hatten. Beide Welten haben ihre Berechtigung und werden nebeneinander bestehen sofern sie sich nicht bekriegen. Suhrkamp hat hierzu gerade mal wieder ein übles/negatives Beispiel gegeben (siehe in deren Blog). Das Amazon solch eine Marktmacht werden konnte haben sich die Verlage und auch die unbeweglichen Händler selbst zuzuschreiben, Kundenfreundlichkeit (gerade in Deutschland) ist etwas anderes, schade dass das ausgerechnet ein ausländisches Unternehmen vormachen musste.

  • maxi

    maxi

    @nochein...

    Was lesen die Jugendlichen denn auf ihren Smartphones ?
    Mit Sicherheit keine Bücher, höchstens dies unsägliche whatsapp...
    Kundenfreundlichkeit bei A ?
    Können die etwa lächeln ? Ihnen Ihr Buch versandfertig verpacken ? Eine Glückwunschkarte beilegen ? leben ?
    Lebendig sein ???
    Ihnen die Tür aufhalten ?
    Sie herzlich begrüssen ?
    das lässt sich endlos weiterführen. NEIN das können die alles nicht !

  • Galbadon

    Galbadon

    Die Welt ist im Wandel - damit müssen wir leben. Und da hilft auch alles Lamentieren nichts. Wie in allen Medienbranchen werden sich auch beim Buch viele Alternativen zu den herkömmlichen Vertriebswegen bilden. Raedfy ist sicher eine Idee, was man machen kann - eine Form von Abo-Bibliothek.
    Ob das Geschäftsmodell trägt, weiß man nicht - genauso wenig, ob Tablets und Smarts exponentiell zunehmen oder sich auch nur als primäre Leseplattform etablieren.
    Doch was das fast reflexhaft auftretende Verlagsbashing von @nochein... soll, weiß ich nicht - die Verlage beteiligen sich doch, sonst wäre Readfy nicht möglich. Wieso verspielen Sie ihre Zukunft?
    Das erinnert mich - mit Verlaub - eher an die Propaganda der Buchklaulobbyisten, die den bösen, abzockenden Verlagen ja auch immer totale Rückständigkeit attestieren, um ihren Rechtediebstahl als Notwehr zu legitimieren und vor allem, ohne eine entsprechend fortschrittliche und nachhaltige Alternative aufzuzeigen.
    Wie alle anderen Branchen wird sich auch die Verlagswirtschaft auf die veränderten Bedingungen einstellen - natürlich nicht sofort und vielleicht nicht unbedingt so, wie einige sich das vorstellen.
    Bleibt eher abzuwarten, welche Zukunft die start-ups haben werden.

  • Thomas

    Thomas

    @maxi:
    ob whatsapp unsäglich ist oder nicht, hat mit dem Thema hier überhaupt nichts zu tun.

    Zu Amazon: Amazon verpackt die Bücher versandfertig, sonst kämen sie ja wohl nicht beim Kunden an.

    Die Tür aufhalten: kann mich nicht erinnern, dass mir jemals irgendein Buchhändler die Tür aufgehalten hätte! Das machen hauptsächlich Juweliere oder mein Optiker....

    Ich bin auch nicht unbedingt dafür, dass man Bücher bei Amazon kauft. Für viele andere Artikel ist mir Amazon aber oftmals der bessere Lieferant, als der örtliche Handel, gerade wenn ich mehrere Artikel bestellen muss.

    Gerade wenn ich -wie erst anfangs Jahr persönlich erlebt - auf der Suche nach 5 Artikeln EINES Herstellers in 3 verschiedene Fachgeschäfte im Ort, um am Ende dann doch nicht alle zu bekommen, worauf ich den noch immer fehlenden 5. Artikel dann im letzten der 3 Fachgeschäfte wohl oder übel bestellte und fast 3 Wochen warten musste, bis es dort abholbereit war! Für den Fachhändler war die Wartefrist kein Thema, auch nicht, dass dann zuerst der falsche Artikel geliefert wurde und es daurch noch länger dauerte. Der Fachhändler übrigens bestellte den Artikel nicht sofort, sondern wartete, bis er noch zwei, drei andere Bestellungen beim gleichen Lieferanten beisammen hatte, damit ihm wohl keine Unkosten entstanden.
    Soviel zum Thema Kundenfreundlichkeit im Fachhandel, manchmal hat sich dieser den Untergang wirklich selber zuzuschreiben.
    Währenddessen waren ALLE meine Artikel auf Amazon von diversen Händlern sofort versandbereit.

  • BookShopMan

    BookShopMan

    @ Thomas: Jeder hier wie auch Sie hat hier seine subjektive Perspektive. Ihr Beispiel hinkt. Erwarten Sie überall Shop-in-Shops mit Vollsortiment?
    Im übrigwn sind viele Fachhändler schon so geschwächt durch die Entwicklung und demoralisiert; viele werden den bisherigen folgen und ihre einstmals gut sortierten und servicefreundlichen Geschäfte überaltert schließen und notgedrungen überwiegend unbelebte Innenstädte und Einkaufszonen hinterlassen.- "Schöne" Aussichten!
    Übrigens: Ein Neuentwickeln dieser Infrastruktur dauert wohl erheblich länger als der Niedergang.

  • Georg M.

    Georg M.

    Immer diese Grabenkämpfe!

    Bei Amazon einkaufen ist bequem und das bei einer schier unerschöpflichen Auswahl. Stimmt!
    Die Methoden von Amazon sind fragwürdig. Stimmt!
    Der örtliche Einzelhandel hat Probleme. Stimmt!

    Früher war früher, jetzt ist jetzt.

    Es gibt Ebookleser und Printleser. Stimmt!

    Was die Zukunft bringt wird man sehen. Der Einzelhandel und auch Amazon müssen kämpfen und neue Ideen entwickeln. Der Konsument entscheidet.

    Zurück zum Artikel.

  • Gernolds, Christina

    Gernolds, Christina

    Ich gehöre zu den glücklichen Beta-Testern der App und muss sagen, dass ich positiv überrascht bin. Am Anfang war ich doch sehr skeptisch wegen der Werbeeinblendungen. Aber die kommen recht selten vor, sind meist sehr klein und bewerben jetzt auch keine Werkzeuge oder Autos, sondern “passen” thematisch einigermaßen.

    Für Bücher, bei denen ich nicht sicher bin, ob ich sie kaufen soll, werde ich readfy auf jeden Fall nutzen; alleine schon um mehr als nur 1-2 Seiten anlesen zu können. Alles was eine gewisse Qualität besitzt sowie Klassiker, werde ich dann als physisches Buch kaufen. Aber zum reinlesen oder für Romane werde ich readfy nutzen; es ein schönes Modell und eine gute Ergänzung zum gedruckten Buch!

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    @No.9: Wohlgesprochen! Und übervorgestern hiess das noch in Reimform:

    Denn was neu ist, wird alt
    Und was gestern noch galt
    Stimmt schon heut' oder morgen nicht mehr
    ...
    So vergeht Jahr um Jahr
    Und es ist mir längst klar
    Daß nichts bleibt, daß nichts bleibt wie es wahr

    (Hannes Wader vor ca. 350 Jahren ;-)

    Zu Abo's und Leseclubs nur soviel: Spotify wächst, aber der CD-Markt weigert sich, zusammenzubrechen - und spielt im Jahre 15 nach Napster(!) immer noch 80% aller Erträge ein.

    Leseclubs gab's schon immer - und sie sind nie über einen bestimmte Markt-Anteil hinausgekommen, so wie das mit allen anderen 'Club' oder Abo-Mitgliedschaften auch ist. Selbst im ADAC, dem vermutlich erfolgreichsten "Club" der Welt, von der kathoilischen Kirche mal abgesehen, sind nur 40% aller Autobesitzer organsiert - und es werden weniger werden, wenn mal alle Schummeleien auf dem Tisch liegen.

    Auf Bücher bezogen: Der große "Club" stirbt seit Jahren still vor sich hin, Den Christlich-Organisierten mit ihren Billig-Sonderausgaben geht es auch nicht wirklich gut. Auch Pay-TV will in Deutschland nicht so richtig abheben. Es scheint hier eine ziemlich große Abneigung gegen Dauer-Abos zu geben.

    Ein wenig Gelassenheit ist also angesagt. Schön für die, die sowas nutzen wollen, daß es jetzt das Spotify für Bücher gibt. Ob das den Buchverkäufen eher schadet oder nutzt, dürfte noch völlig offen sein, ebenso wie der Marktanteil, der damit zu generieren ist.

    "Schaung'n mer mal, dann seng'n mer scho"

    (Quelle: der einzige lebende deutsche Kaiser)

    oder auch: "Lebbe geht weider"

    (D. Stepanović ;-)

    LG LB

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