Enhanced E-Books und ihre Lesegeräte

Alles was bleibt

Als würde man Buchdeckel ohne Seiten in der Hand halten: Mit Readern und Tablets der ersten Generation lassen sich aktuelle Enhanced E-Books schon nicht mehr lesen. Fachjournalist und Autor Nicola Bardola macht sich Gedanken über die rasante Technikentwicklung und Bi-Leser.

Kennen Sie schon die vielen neuen Apps und Enhanced E-Books, die in diesem Frühjahr erscheinen? Erste Verlage gehen nun dazu über, alle ihre Papier-Novitäten mit einem E-Book inklusive zu veröffentlichen. Jedem gedruckten Buch liegt dann ein Code bei, der einen kostenfreien Download des entsprechenden E-Books ermöglicht. Die Stärkung des stationären Buchhandels ist beabsichtigt, denn sogar radikal digital orientierte Leser wie Kathrin Passig könnten dann bedenkenlos wieder Papierbücher kaufen. Es fragt sich nur, ob bis dahin – also bis zur allgemeinen Umsetzung dieser guten Idee durch alle Verlage – die digitalen Leser noch Bücherregale besitzen. Es wäre schade, würde zu viel Zeit verstreichen. Denn die neuen Bi-Leser schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: das materielle Werk für zu Hause, zum Stechmücken-Klatschen oder zum Verschenken wie bisher; das digitale Werk mit zusätzlichen Features für unterwegs.

Aber was macht nun das Besondere dieser elektronisch angereicherten Novitäten aus? Schon vor über 20 Jahren gab es einen Boom für digitale Bücher, allen voran für Bilder- und Kinderbücher: animierte Figuren bewegten sich über den Bildschirm. Dazu gab es passende Musik und Geräusche. Schauspieler lasen die entsprechenden Dialoge und Geschichten vor. Das Ende des Papierbuchs schien nahe. Sein Feind: die Multimedia CD-ROM. Die Halle 1 auf dem Frankfurter Messegelände platzte aus allen Nähten: dort ratterte und blinkte es wie in einem Spielcasino. „Datenautobahn“ hieß das Schlagwort kurz vor der flächendeckenden Verbreitung des Internets.

Eine große digitale Straße schien verständlicher zu sein als ein unendlich verzweigtes Netz. Und so einen aufwändig verpackten Silberling konnte man noch anfassen und ins Laufwerk schieben fast wie ein Buch ins Regal. Meistens reichte der Speicherplatz nur für ein Buch pro Scheibe. Aber die hatte es in sich. Die Multimedia-Leistungen damals waren nicht schlechter als heute. Nur die Trägermedien haben sich verändert: Statt schwerfälliger PCs mit Maus sind es jetzt Tablets mit Wischfunktion. Ist das heute nun die entscheidende digitale (Bilder-) Buch-Revolution? Oder sind Enhanced E-Books für Touch-Screens so vergänglich wie E-Books und Spiele auf CD-ROM?

Vielen digitalen Lesern schwirrt heute vor Androids und Apps, vor ePubs und i-Stores der Kopf. Zu einem erheblichen Maß bestimmt zurzeit das E-Lesegerät den E-Inhalt. Nach drei Jahren ist jedenfalls ein Digital-Reader, egal ob Paperwhite oder Nightblack hoffnungslos veraltet. Mit einem iPad der ersten Generation lassen sich enhanced E-Books, die jetzt erscheinen, schon nicht mehr lesen. Es ist, als halte man Buchdeckel ohne Seiten in der Hand. Das Geschäft ist heute wieder hardwaregetrieben wie damals mit den PC’s, den Mäusen und den Silberlingen. Futuristisches falt- und rollbares E-Paper statt zerbrechlicher Tablets. Federleichte digitale Brillen statt Touchscreens. Technische Neuerungen werden den aktuellen „fixed Formats“ und „smart Layouts“ für verschiedenste Bildschirme, egal wie groß oder klein schon bald den Garaus machen. Den Lesern bleibt derweil das vertraute, haltbare und garantiert nicht angereicherte Papier, vollkommen frei von digitalen Zusatzstoffen.

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1 Kommentar/e

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  • Rainer Zenz

    Rainer Zenz

    Hoffentlich eifert das E-Book nicht multimedialen Sachen nach. Wozu auch, die gibt es doch längst.

    Bücher und auch E-Books sind ihrem Wesen nach nicht multimedial, Multitasking, multidingens. Sie sind das Gegenteil, ermöglichen Konzentration und eigene Gedanken. Das ist kein Makel, sondern gut so.

    Das spricht nicht gegen neue Formen, doch es muss eben nicht alles miteinander verrührt werden.

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