Börsenverein

Immer Ärger mit dem Schulbuch

Die Mitglieder der Landesgruppe Rheinland-Pfalz des Landesverbands Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland haben sich am heutigen Mittwoch im Hof zum Gutenberg in Mainz getroffen. Top-Thema: Kletts neues Partnermodell.

Der Brief mit dem Betreff „Neues Konditionenmodell Schulbuch“ aus dem Hause Klett hat in den vergangenen Wochen im Sortiment für reichlich Irritationen gesorgt: Mit Schreiben vom 28. Januar wurde dem Sortiment mitgeteilt, dass künftig nur noch die Buchhandlungen in den Genuss von Rabattpunkten über 20 Prozent kommen, die sich zur Teilnahme am neuen Klett-Partnermodell bereit erklären. Für manche reduziert sich damit der Rabatt von 25 auf 20 Prozent. Denn eine Bedingung für den höheren Rabatt ist, unter anderen: ein festes Kernsortiment von Pons und Klett Lerntraining, zwei Vertreterbesuche pro Jahr, Einkauf der Novitäten, alle zwölf Monate eine verkaufsfördernde Aktion. In Summa sollte sich der Jahresumsatz auf 750 Euro netto belaufen, exklusive Klassensatzbestellungen.

„Ein Klassensatz könne durchaus mal dabei sein“, beschwichtigte Jörg Lasar, Geschäftsbereichsleiter Vertrieb der Ernst Klett Vertriebsgesellschaft, in Mainz. Angesichts sinkender Schülerzahlen, der Digitalisierung und des Strukturwandels im Buchhandel, der die Sichtbarkeit der Klett-Bücher außerhalb des Schulbuchgeschäfts schmälere, habe Klett die bisherigen Konditionen überdenken müssen. „Um das Wort Erpressung kommt man aber kaum herum“, gibt Lasar zu.

„Haben Sie einmal durchgerechnet, was der Buchhandel verdient, wenn er zwölf Prozent an die Schulen abgibt und 20 Prozent bekommt“?, fragte Jasmina Djordjevic von der Buchhandlung Sattler in Kirchheimbolanden. Lasar muss verneinen. Das und apodiktische Aussagen wie „Sie führen mindestens eine verkaufsfördernde Aktion mit dem Programm von Pons und/oder Klett Lerntraining durch“ kamen in Mainz nicht gut an: „Was ist, wenn keine passenden Angebote gemacht werden? Wird man dann heruntergestuft?“, so Franz-Josef Burkhart, Buchhandlung Blaue Blume, Kaiserslautern. Jörg Lasar verwies hier auf individuelle Absprachen. „Wir setzen diese Konditionen nicht, um uns die Taschen vollzustopfen, sondern um zu überleben“, erklärte Lasar. Man wisse, dass man sich mit diesem Modell unbeliebt mache, müsse aber sehen, wo man bleibe. Positiv aufgenommen wurde in Mainz das Vorhaben von Klett, buchhandelsfremde Firmen aus dem Schulbuchgeschäft heraus zu drängen und die Position der Vertreter zu stärken.

Weitere Themen waren der Prüfbericht des Landerechnungshof Rheinland-Pfalz, der sich auch der Prüfung Schulbuchausleihe angenommen hat: Danach setzt die Wirtschaftlichkeit diverse Verfahrensverbesserungen voraus, darunter die Reduzierung von Depotbeständen und Verbesserungen beim Bestellverfahren.

Außerdem stellte Harry Jost, Kontrast Verlag, den Stand in Sachen Buchmesse Rheinland-Pfalz (16. -18. Mai) vor: Mit über 70 Verlagsanmeldungen ist die Veranstaltung ausgebucht, es gibt ein umfangreiches Rahmenprogramm, 3000 bis 5000 Besucher werden erwartet.

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  • Redaktion

    Redaktion

    Mitteilung der Redaktion:

    Die Ernst Klett Vertriebsgesellschaft legt Wert darauf, dass die von Jörg Lasar zitierten Äußerungen nicht abgestimmt sind. Insbesondere bezögen sie sich nicht auf die Klett-Gruppe, sondern ausschließlich auf die Ernst Klett Vertriebsgesellschaft.

    Jörg Lasar hat das neue Partnermodell der Ernst Klett Vertriebsgesellschaft im Interview auf boersenblatt.net/743335 erläutert.

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