Karrieretag Buch und Medien

"Das wusste ich ja gar nicht!"

Wie "tickt" die Buchbranche, welche Arbeitsplätze gibt es, welche Fähigkeiten sollten Bewerber mitbringen? Solche und weitere Fragen wurden gestern auf dem Karrieretag Buch und Medien beantwortet, der zum ersten Mal mitten in Halle 5 der Leipziger Buchmesse stattfand. Schüler, Studenten, Auszubildende, Volontäre, Young Professionals und Quereinsteiger kamen mit Vertretern der Buchbranche ins Gespräch.

"Don't say I didn't warn you" war der Impulsvortrag übertitelt, den Markus Klose hielt. Offen gab der Geschäftsführer Marketing und Vertrieb bei Hoffmann und Campe Einblicke in die Welt derjenigen, die Bücher produzieren und vertreiben, wies anhand  seines Verlagshauses auf die Geschichte und Ursprünge hin ("Verlegen kommt von Vorlegen - der Verlag trägt das Risiko, und nicht jedes Buch wird nun mal ein Bestseller") und zeigte Veränderungen auf: "Wir haben heute eine digitale Konkurrenz, die wir früher nie gekannt haben." Gelernte Begriffe wie die klare Unterscheidung von Original und Kopie weichten in der digitalen Welt zunehmend auf.

Kloses "Warnung" vor der Buchbranche war eine liebevolle, merkte man ihm doch an, dass Büchermachen mit viel Spaß verbunden sein kann. Aber er warnte vor allzu romantischen Vorstellungen, die immer noch herumgeisterten: "Den Lektor, der immer noch stundenlang mit den Texten arbeitet, den gibt's nicht mehr. Sein Aufgabengebiet hat sich einfach gewandelt."  Die große Aufgabe von Buchverlagen heute sei es, wahrnehmbar zu sein.

Die Angst, die Verlage vor einigen Jahren noch vor Selfpublishing gehabt hätten, sei gewichen: Heute arbeiteten die Verlage mit Autoren und mit Communities zusammen, "Selfpublishing ist zu Crosspublishing geworden". Das Pimpen von Inhalten sah Klose kritisch:  "Vor einigen Jahren noch haben alle gedacht: Wir müssen alle möglichen Buchinhalte digital 'enhancen'. Nein, enhancen ist doof, das will keiner mehr", meinte er. Abschließend machte er den Zuhörern Mut: "Es wird weiterhin verlegt, und die Buchbranche braucht gute Leute und sie braucht auch guten Nachwuchs!"

Klose beantwortete nach bestem Gewissen alle ihm gestellten Fragen, nur die hartnäckige Frage nach der Entlohnung im Buchhandel ließ er offen. Auch in der nächsten Runde des von der Abteilung Berufsbildung des Börsenvereins und der Leipziger Buchmesse organisierten Karrieretags in Kooperation mit dem Börsenblatt zeigten sich die Zuhörer interessiert: Immer wieder stellten sie neugierige Zwischenfragen, zu denen sie die Moderatoren Kai Mühleck und Stefan Hauck vom Börsenblatt auch aufforderten. Da erwies sich die Fläche des Fachforums in der Halle 5 einfach als zu klein, die Hälfte der Zuhörer stand oder ließ sich auf dem Boden nieder, aber mehr als 100 Personen fasste der Raum im Gegensatz zu den CCL-Räumen (wo der Karrieretag in den vergangenen Jahren stattgefunden hatte) beim besten Willen nicht. Und wer draußen auf dem Gang stand, konnte aufgrund des lebendigen Messegrundrauschens nichts mehr verstehen, so dass die Draußenstehenden nach kurzer Zeit aufgaben und weiterzogen.

Drinnen berichteten Vertreter aus unterschiedlichen Buchbranchenbereichen von ihrem Arbeitsalltag, gaben Auskunft über die Fähigkeiten, die man benötigt oder wie man in die Unternehmen kommen kann. Nach wie vor war das Interesse an Lektorat und Presse groß, über das Bastei Lübbe-Sachbuchlektor Dominique Pleimling und Reclam-Presseleiterin Claudia Feldtenzer bereitwillig Auskunft gaben. Über den Handel mit Büchern informierten dtv-Verkaufsleiterin Katharina Scholz und die Buchhändlerinnen Kathrin von Papp-Riethmüller (Osiandersche in Tübingen) und Irmgard Clausen (Riemann in Coburg). Über den Beruf des Buchhändlers, so wurde deutlich, glaubten die meisten sich auszukennen, weil sie schon in Buchhandlungen gewesen sind, während der Verlag  fürsie  absolute terra incognita war. Welch unterschiedliche Aufgabenbereiche es jedoch im Buchhandel gibt und dass Osiander sogar eine Filiale hat, in der nur Azubis das Sagen haben, erstaunte viele der Zuhörer.

Ähnlich unbekannt war der Bereich Herstellung, in den MSV-Herstellungsleiterin Claudia Güner Einblicke gab - nach der großen Diskussionsrunde meinte eine Abiturientin: "Also das könnte ich mir jetzt auch gut vorstellen, das wusste ich ja gar nicht!" Besonders Jungs schienen die digitalen Bereiche zu interessieren, über die Julia Marquart vom S.Fischer-Onlinemarketing und Libri-digital-Produktmanagerin Nadja Mortensen berichteten. Gerade die ungeschminkten Einblicke in den Arbeitsalltag halfen den jungen Zuhörern, ihre Berufswünsche abzuwägen.

Auch individuellere Angebote wie ein offenes Speed-Dating und Recruiting-Gespräche mit Brachenvertretern kamen beim potenziellen Nachwuchs gut an. Workshops zur richtigen Körpersprache im Bewerbungsgespräch und zum Stimmtraining (Junge Verlagsmenschen), eine Jobbörse und Infotheke sorgten den ganzen Freitag für regen Zulauf hinter dem Börsenvereinsstand in Halle 5. Vorträge von Berufsbildungsreferentin Nadine Klein über Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten, die interaktive Präsentation "Fit for Publishing" der Professoren Okke Schlüter und Ulrich Huse von der Hochschule der Medien Stuttgart  und Informationen über Auslandsaufenthalte rundeten den Karrieretag ab.

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6 Kommentar/e

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  • Nicht mehr im Buchhandel

    Nicht mehr im Buchhandel

    Mir ist nicht ganz klar, warum Herr Klose von Hoffmann & Campe die Fragen hinsichtlich Entlohnung nicht beantwortet hat!?!
    Offenbar gab es da Informationsbedarf!
    Wäre ich ein Young Professional und meine Frage nach Entlohnung würde nicht beantwortet, würde Hoffmann & Campe als Arbeitgeber für mich ausscheiden.

  • Peter Leser

    Peter Leser

    Mir ist sehr klar, warum Herr Klose von Hoffmann & Campe die Fragen hinsichtlich Entlohnung nicht beantwortet hat. Weil die Entlohnung so schlecht ist, dass es selbst ihm peinlich wäre, die Zahlen zu nennen.

  • Fly away

    Fly away

    @ Peter Leser

    Hm, könnte ja auch sein, das die Entlohnung bei Hoffmann & Campe so attraktiv hoch ist, das sich HoCa, wenn Herr Klose Zahlen genannte hätte, von einer Bewerberflut überrollt worden wäre, die der Buchhandel noch nie gesehen hat. Ist ja auch möglich....

  • Fahrradsattel

    Fahrradsattel

    Schon seltsam, wenn Herr Klose Fragen nach dem Gehalt abblockt und offen laesst. Normalerweise heisst es, Berufseinsteiger bewegen sich bei uns in einem Rahmen von bis. Da würde ich als Hochschulabsolvent auch denken: Besser Finger weg!

  • Stefan R.

    Stefan R.

    Also was die Entlohunung angeht, habe ich mal eine sehr interessante Antwort gehört.
    Ein Verlagsvertreter( ich weiß leider beim besten Willen nicht mehr welcher) hat angegeben, dass Volontäre bei Ihnen im Haus 1000Euro brutto bekommen. Auf die Frage, wie er sich das vorstellt (der Verlag sitzt auch in München), wenn dann da so etwa 800 Euro netto bei rumkommen, das in München aber gerade mal die Miete ist. Die Antwort war: "Jeder Volontär bekommt direkt zum Einstellungstag auch die (schriftliche) Erlaubnis einen Nebenerwerb aufzunehmen."
    Und solche Entlohnungshöhen sind bei durchaus repräsentativ.

  • Galbadon

    Galbadon

    Echt, 1000 E brutto? Das ist ja traumhaft. Hätte ich mir auch gewünscht.

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