Amazon bilanziert sein erstes Quartal 2014

Minus voraus

Amazon steigerte seinen weltweiten Umsatz im ersten Quartal 2014 im Jahresvergleich um 23 Prozent auf 19,74 Milliarden Dollar. Der Konzern verschlechterte sich beim Betriebsergebnis um 19 Prozent, gerade einmal 146 Millionen US-Dollar blieben hängen. Grund sind hohe Investitionen. Für das nächste Quartal erwartet Jeff Bezos ein Minus von bis zu 455 Millionen Dollar.

Vergleich: Im ersten Quartal 2013 hatte Amazon ein Betriebsergebnis von 181 Millionen US-Dollar erzielt.

Die Aktie des Konzerns legte nach der gestrigen Bekanntgabe der Zahlen zeitweise um knapp zwei Prozentpunkte zu, pendelte sich danach wieder ein.

Details zur Amazon-Quartalsbilanz

  • In den USA steigerte Amazon seinen Umsatz mit Medien im ersten Quartal 2014 um 12 Prozent auf 2,8 Milliarden US-Dollar
  • Mit Elektronikprodukten wurden vergleichsweise 28 Prozent mehr umgesetzt (7,8 Milliarden US-Dollar)
  • International (es werden keine Zahlen für Deutschland ausgewiesen) konnte Amazon seine Einnahmen mit Medien um 4 Prozent steigern (2,6 Milliarden US-Dollar)
  • International wurde mit Elektronikprodukten 26 Prozent mehr Umsatz als im ersten Quartal 2013 erzielt − 5,2 Milliarden US-Dollar.

Das "Wall Street Journal" berichtet, dass Amazon in drei amerikanischen Städten die Auslieferung mit einer eigenen LKW-Flotte testet: Testgebiete sind San Francisco, New York und Los Angeles – also eben jene Städte, in denen sich der Onlinehändler über Amazon Fresh auch in der Auslieferung von Lebensmitteln versucht.

Amazon wäre durch einen eigenen Fuhrpark und eigene Fahrer nicht nur weniger abhängig von den Konditionen der Paketzusteller, sondern könnte vor allem auch mit selbstbestimmten Zustellzeiten und einer Über-Nacht-Auslieferung zu besseren Konditionen arbeiten. Dass Unternehmen verbreitet auch in dem Bericht an seine Aktionäre die Gerüchte, mittlerweile an der fünften Generation von Auslieferungsdrohnen zu arbeiten. In fünf Jahren, spekulieren Medien, könnten Amazons Octocopter in den USA die Luft gehen − dann steht dem Onlinehändler wohl eine Debatte über Sicherheit und die Möglichkeit zum Missbrauch ins Haus.

Bevor es soweit ist, wird Amazon vermutlich sein erstes Smartphone auf den Markt bringen und seine TV-Sparte weiter ausbauen. Eine Ankündigung von Amazon zum eigenen Smartphone gibt es nicht. Stattdessen werden die Gerüchte angeheizt, etwa über vermeintliche Prototypen. Die Technologie-Seite bgr.com spekuliert gar, in diesem Jahr soll neben einem eigenen Smartphone (Fire-Phone) noch eine teurere 3D-Variante mit sechs Kameras auf den Markt kommen.

Kürzlich hatte Amazon seine Streaming-Dienste Lovefilm und Prime enger miteinander verzahnt und eine Kooperation mit dem Fernsehprogrammanbieter HBO verkündet (bekannt für Serienformate wie "The Wire", "Game of Thrones"). Die älteren Serien des Senders sollen Prime-Mitgliedern künftig zur Verfügung stehen. Amazon kündigte an, mit "Fire TV" seine Streaming-Angebote über eine eigene Box auf Fernseher und Bildschirme bringen zu wollen. Die Zahl der gestreamten Inhalte will der Konzern im vergangenen Jahr verdreifacht haben. Prime Instant Video ist in den USA, Deutschland und Großbritannien zugänglich.

Ein Coup für Amazon war die Ankündigung, dass auf den Geräten des Konkurrenten Samsung künftig eine eigene Kindle-App zur Vermarktung digitaler Produkte vorinstalliert sein soll. Beim Verkauf von Geräten mögen die Konzerne konkurrieren, an den Inhalten Amazons ist Samsung aber sehr wohl interessiert. 

Das sind Amazons Erwartungen für das zweite Quartal 2014:

  • Der Umsatz soll zwischen 18,1 und 19,8 Milliarden US-Dollar liegen (das entspräche einem Wachstum zwischen 15 und 26 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2013).
  • Beim Betriebsergebnis geht der Onlinehändler von einem Verlust von zwischen 55 Millionen und bis zu 455 Millionen US-Dollar aus.
  • Im Vorjahreszeitraum (zweites Quartal 2013) hatte Amazon ein positives Betriebsergebnis in Höhe von 79 Millionen US-Dollar eingefahren.

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6 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Michael Wienecke

    Michael Wienecke

    !erwartet Jeff Bezos ein Minus von bis zu 455 Milliarden Dollar."

    Bei 19,734 Milliarden Umsatz 455 Milliarden Verlust????

  • Redaktion

    Redaktion

    @ 1

    Vielen Dank für den Hinweis! Wir haben den Wert korrigiert.

  • franz.wanner

    franz.wanner

    Die "Verluste" sind demnach eigentlich Investitionen.
    Gut, wenn man die "aushalten" kann.
    Fragt sich, welcher Wettbewerber dies könnte.
    Der Kunde jedenfalls honoriert das.
    Das ist die spitze der Fahnenstange.

  • Harry

    Harry

    Der Verschuldungsgrad von Amazon liegt über 300 % und sinkt nicht sondern steigt ständig. Das ist schlecht. Dabei liegt die Eigenkapitalquote mit rund 25 % erstaunlich hoch. Doch auch das Eigenkapital sinkt logischerweise, wenn der Verschuldungsgrad steigt.

    Führt man sich aber nun vor Augen, welch gigantisches Wachstum Amazon in kurzer Zeit hingelegt hat, sind diese Bilanzzahlen noch geradezu paradiesisch.

    Die Innovationsstärke Amazons ist ungebrochen. Das wiederum bedeutet, dass selbst eine Kapitalerhöhung von den Eigentümern höchstwahrscheinlich problemlos mitgemacht werden würde.

    Ich bin kein Miteigentümer Amazons. Bevor ich ein solcher werden würde, hätte ich jedoch durchaus Bedenken, dass dieses Wachstum auf Kosten des Eigenkapitals relativ bald zum Erliegen kommen muss, falls Amazon nicht in Schwierigkeiten geraten will.

    Kennt man jedoch Amazons geradezu sprichwörtliches Effizienzstreben, so bin ich diesbezüglich im Grunde relativ zuversichtlich.

  • Georg M.

    Georg M.

    Nun ich würde nicht nur auf die Eigenkapitalquote, etc. schauen. Für die Onlinehändler in Deutschland ist der Wettbewerb insgesamt härter geworden. Amazon geht voran und treibt mit Innovationen die Konkurrenz an, ebenfalls besser zu werden.
    Problematisch dürften eine zusätzliche Maut und der Mindestlohn werden. Ich glaube nicht dass die paradiesischen Zustände bezüglich der Versandkosten gehalten werden.
    Ein großes Problem für den Versandhandel sind die immensen Retouren.

    Amazon muss schon bald mehr Gewinn machen. M. E. hat Amazon die Konkurrenz unterschätzt.

    Fazit: Ich würde derzeit nicht in Amazon investieren.

  • Dieter S.

    Dieter S.

    Mir kommen die Tränen. Wenn Amazon jetzt auch noch angemessene Löhne oder sogar Steuern bezahlen müsste, die Armen hätten ja gar keinen Spielraum mehr. Ist schon schön zu wissen, dass der Deutsche Steuerzahler hier jemanden nach Kräften unterstützt, der den Deutschen Mittelstand mächtig unter Druck setzt.

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