"Kein leichter Weg" - Weltbild wird als Ganzes fortgeführt

Vorvertrag mit Investor geschlossen

Um 14 Uhr kam die Bestätigung aus Augsburg: Weltbild kann als Ganzes erhalten bleiben. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz und der Münchner Finanzinvestor Paragon Partners haben einen entsprechenden Vorvertrag unterzeichnet. Danach werden sämtliche Betriebsteile, also auch das Filialgeschäft sowie die Auslandsgesellschaften in Österreich und der Schweiz, in eine neue Gesellschaft überführt.

Paragon Partners will in diese im Rahmen einer Kapitalerhöhung investieren und als Mehrheitsgesellschafter Weltbild maßgeblich führen und aufbauen. Dies soll voraussichtlich noch im Laufe dieses Monats erfolgen. Der Insolvenzverwalter bleibt, stellvertretend für die Gläubiger der Verlagsgruppe, als Minderheitsgesellschafter beteiligt. Weitere Details zum Geschäftsabschluss wurden noch nicht bekannt. Das "Handelsblatt" berichtet, dass Geiwitz 49 Prozent der Anteile halten soll.

Gemeinsam wollen Paragon und Geiwitz die Sanierung des Konzerns so voranbringen und "Weltbild wieder auf einen stabilen Kurs zurückführen". Dies, lässt sich im Folgenden zwischen den Zeilen herauslesen, dürfte nicht ohne weitere Einsparmaßnahmen vonstatten gehen: Die zukünftigen Gesellschafter sind von den Erfolgsaussichten für Weltbild überzeugt. Allerdings betonen sie auch, dass die Sanierung kein leichter Weg, sondern eine sehr anspruchsvolle Aufgabe für alle Beteiligten wird. Ein starkes Unternehmen Weltbild tue der Wettbewerbssituation in Deutschland gut. Die konstante Nachfrage loyaler Kunden in den letzten Monaten werde vom Unternehmen als positives Signal für eine erfolgreiche Fortführung gewertet. "Um diesen guten Kern herum wird Weltbild neu ausgerichtet, um insbesondere Wachstumschancen im Onlinegeschäft zu nutzen", heißt es in einer Presseerklärung aus Augsburg.

"Wenn ein Unternehmen einen gesunden Kern hat, muss der Erhalt und die Sanierung oberste Priorität haben", sagte Arndt Geiwitz. Er freue sich nun "vor allem für die Weltbild-Mitarbeiter".

Diese waren heute Mittag über die geglückte Investorenlösung informiert worden. Zuvor hatte der Gläubigerausschuss der übertragenden Sanierung zugestimmt. Details des Betriebsübergangs und des Fortführungskonzepts werden derzeit noch ausgearbeitet, heißt es. "Zu gegebener Zeit" sollen Details zur künftigen Marschroute mitgeteilt werden.

Paragon Partners ist eine private, inhabergeführte Beteiligungsgesellschaft, die sich bei mittelständischen Unternehmen im deutschsprachigen Raum engagiert. Zu den Investments von Paragon gehören unter anderem mehrere Handelsunternehmen.

Das Team von Paragon Partners verfügt mit Krischan von Moeller über jemanden, der die Verlagsbranche bestens kennt. Von Moeller war von 1999 bis 2002 Leiter Unternehmensentwicklung der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und in dieser Position zuständig für strategische und operative Projekte der Gruppe sowie M&A Transaktionen.

Paragon Partners engagiert sich derzeit unter anderem bei der dtms, einem Mainzer Kundendialog-Spezialisten, oder beim Kühl- und Tiefkühlspezialisten Kadi AG. Auch an der Schülerhilfe waren die Investoren beteiligt.

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4 Kommentar/e

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  • weißnix

    weißnix

    Kürzlich wurden in einem Artikel einige WB-Filialen genannt, die zu 31.07.2014 geschlossen werden sollen.
    Ich frage mich, ob es bei der Schließung bleibt, obwohl nun ein renomierter Investor gefunden worden ist. Hinter der Aufgabe der o.a. Niederlassungen stehen ja recht viele WB-Mitarbeiter, deren Perspektiven für die Zukunft nicht gut aussehen. Sie kommen zwar für zwölf Monate in eine Auffanggesellschaft, aber danach werden sie gewiß keinen neuen Job im Buchhandel finden. Da gibt es auf dem Arbeitsmarkt einfach keine Vakanzen. Das ist so sicher wie das "Amen" in der Kirche.

  • Verkaufnix

    Verkaufnix

    Grundsätzlich ist das zunächst eine erfreuliche Meldung. Auch, wenn es immer wieder angezweifelt wird - Weltbild ist ein wichtiger Bestandteil dieses Marktes. Ein Wegfall, eine endgültige Insolvenz hätte erhebliche Auswirkungen auf den Buchmarkt gehabt. Wie aber schon in diesem Artikel zaghaft anklingt: Die Investoren werden mit Sicherheit jeden Stein im Unternehmen umdrehen und alles und jeden in Frage stellen. Es wird ganz sicher weitere Härtefälle wie Schließungen und Entlassungen geben. Hoffen wir mal, dass der Investor langfristige Ziele mit Weltbild verfolgt und nicht einen schnellen ROI durch harte Sanierung und Weiterverkauf erwartet.

  • H. Kraft

    H. Kraft

    Im Weltbild Verlag müssen jetzt wieder auch Vertrauen zwischen Peragon und Insolvenzverwalter Geiwitz und den Mitarbeiter/innen gefunden werden.
    Zudem ist die ganze Sanierung von Weltbild nicht einfach und so muss sch Peragon von München zuerst auch ein gesamtes Bild dieser Verlagsgruppe machen (z. B. was in den nächsten Wochen anstehen wird usw.).
    Zu den vertrauensbildenden Maßnahmen gehört sicher auch ein Strategiekatalog von Peragon in der Einbeziehung der bisherigen Mitarbeiter/innen und auch Insolvenzverwalter Geiwitz.
    Wichtiger ist aber auch, wie es mit dem Thema der weiteren Schließungen aussehen wird und ob die Mitarbeiter/innen alle auch weiter bei Weltbild tätig sein können.
    Oberstes Ziel in der Ausrichtung muss sicher auch darin bestehen, dass es eine Offenheit gegenüber den Mitarbeiter/innen geben sollte.
    Die weiteren Zielvorgaben bleiben abzuwarten.
    H. Kraft

  • Nachfrager

    Nachfrager

    Was bedeutet: Geiwitz wird 49% halten? Für wen? Für die vielen Gläubiger, die auf ihren Forderungen bisher sitzen geblieben sind und damit eventuell fällige Gehaltszahlungen auch nicht leisten konnten?

    Schon komisch, dass jetzt nur das Positive zählt.

    Hat Herr Geiwitz eventuell auch schon vor der Annahme des Insolvenzverwalter-Postens mit Weltbild in Kontakt gestanden?

    Sind nicht jetzt schon Bestände, die eigentlich unter erweitertem Eigentumsvorbehalt standen, zu Ramschpreisen verkauft worden und somit die Insolvenzmasse geschädigt?

    Fragen, Fragen...

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