Interview mit Timm Boßmann, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats von Weltbild

"Wir sind erleichtert"

Am Montag ist den Mitarbeitern von Weltbild auf einer 15-minütigen Betriebsversammlung verkündet worden, dass mit Paragon Partners ein Investor für das Unternehmen gefunden wurde. Am Sonntag war das gerüchteweise bereits in der Presse zu lesen. Timm Boßmann, Verdi-Sprecher und Vorsitzender des Konzernbetriebsrats von Weltbild, im Interview zur Stimmung in der Belegschaft und anstehenden Reformen bei Weltbild. VON INTERVIEW: KAI MüHLECK

Herr Boßmann, wie ist Stimmung in der Belegschaft?
Sehr von Erleichterung geprägt. Die Fortführung des Unternehmens als Ganzes war das große Ziel der Gewerkschaft und des Betriebsrats. Wir sind jetzt einen großen Schritt weiter.

Kann die Zukunft von Weltbild mit neuen Eigentümern denn ohne weitere Einschnitte gelingen?
Reformen sind natürlich notwendig, sonst wäre Weltbild nicht in die Lage gekommen, in der es heute ist. Den großen Einschnitt haben wir aber im April hinter uns gebracht, als rund 650 Kollegen in die Auffanggesellschaft gewechselt sind. Die Strategie Weltbild 2.0, die gemeinsam mit der Unternehmensberatung Roland Berger erarbeitet wurde, gilt noch immer. Mit Arndt Geiwitz muss diese jetzt umgesetzt werden – wir tragen diese Reformen mit.

Das Unternehmen ist auf Spur? Laut Pressemitteilung soll vor allem der Onlinebereich künftig für Wachstum sorgen. Haben Sie keine Angst, dass sich dahinter nicht doch Kürzungen verbergen könnten?
Es wurden gute Maßnahmen eingeleitet. Jetzt geht es darum, wie diese umgesetzt werden. Im Kern muss Weltbild ein Multi-Channel-Händler bleiben. Auch auf der Mitarbeiterversammlung gestern war nicht die Rede davon, diese Multi-Channel-Strategie zu Gunsten einer auf Online ausgerichteten Strategie aufzugeben. Für uns wichtig sind existenzsichernde Arbeitsbedingungen. Diese sind aber noch nicht fertig verhandelt.

Am Mittwoch, den 14. Mai, findet die Betriebsratswahl statt. Ist das ein ungünstiger Zeitpunkt für einen personellen Wechsel?
Der bestehende Betriebsrat, darunter Peter Fitz und ich, stand an vorderster Front und hat bewiesen, dass ein Betriebsrat eine Menge für die Belegschaft erreichen kann. Wenn jetzt völlig neue Spieler auf das Feld kommen, wäre das sicher ungünstig.

Gilt das auch für die Geschäftsführung des Unternehmens? Glauben Sie, dass die neuen Eigentümer auch eine neue Geschäftsführung einsetzen werden?
Von Carel Halff und Martin Beer hat man seit Wochen, seit Arnd Geiwitz zum starken Insolvenzverwalter wurde, nichts mehr gesehen oder gehört. Ich würde mich sehr wundern, wenn die alte Geschäftsführung wieder auf ihre Sesseln Platz nehmen würde.

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6 Kommentar/e

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  • H. Knoll

    H. Knoll

    Leider hat Herr Bossmann nicht erwähnt, dass alle über 60jährigen WB-Mitarbeiter mit über 20 Jahren Betriebszugehörigkeit in die Transfergesellschaft abgeschoben wurden. Dort erwartet sie 1 Jahr Transfer und 2 Jahre Arbeitslosigkeit. Anschließend Folgen 4 Jahre Hartz IV bis zur Rente mit 67.

  • Misstrauerin

    Misstrauerin

    Das hört sich alles viel zu gut an. Ich als Mitarbeiterin bei Weltbild glaube, dass noch einiges an Personal abgebaut werden muss, bevor Weltbild eine reale Chance hat. Und dann sollte man sich auf Online konzentrieren und auf eine Marke. Für mehr wird man ernsthaft nicht die Kraft und das Geld haben. Und statt gegen Entlassungen zu kämpfen, sollten die Herren Betriebsräte im Sinne der Beschäftigten jetzt noch zulassen, dass weiter entschlackt wird. Jetzt besteht ja immer noch die Möglichkeit, dass die Entlassenen in die kirchlich finanzierte Transfergesellschaft kommen können. Und noch was: Die Stimmung bei Weltbild ist nicht so gut, wie Herr Bossmann meint. Denn: Statt eines Betriebsübergangs haben die Geldgeber eine neue Gesellschaft durchgesetzt. Sprich, sie geben allen neue Verträge. Sicher nicht mit dem gleichen Lohnniveau und auch nicht mit Punkten wie Betriebszugehörigkeit etc. Leider gehört das auch zur Ehrlichkeit, die man von der Gewerkschaft verlangen muss.

  • Bücherbär

    Bücherbär

    @ 1.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Regelaltersrente

    Jeder der heute 60 ist, kann bereits abschlagsfrei mit 65 Jahren + 8 Monate in Rente gehen.

  • Vision 2.0

    Vision 2.0

    Auch im Betriebsrat sind neue Impulse notwendig, damit der Neustart des Unternehmens gelingt!

    Von Verdi gestützt hat sich der Betriebsrat während der Insolvenz gut für Weltbild eingesetzt. Keine Frage.
    Aber: die gewählten Arbeitnehmervertreter haben durch jahrelange Blockadehaltung notwendige Reformen verhindert und die wirklichen Probleme nicht angesprochen. Der konstruktive Ton, den Herr Bossman jetzt anschlägt, er kommt zu spät.

  • H. Knoll

    H. Knoll

    Lieber Bücherbär,
    Das ist korrekt. Vorrausetzung hierfür ist, dass er im Alter von 60,5 Jahren eine neue Anstellung findet. Im meinem Fall eine Tätigkeit im IT Bereich. Ich bin Realist deshalb rechne ich mir keinerlei Chancen hierfür aus.

  • Bücherbär

    Bücherbär

    @ 5.

    Lieber H. Knoll,

    zu der bedauerlicherweise realistischen Einschätzung muss ich Ihnen recht geben.

    Das mit der Voraussetzung wäre mir aber vollkommen neu!

    Mein Vater der in diesem Jahr 65. wird und auch bereits seit einigen Jahren arbeitslos ist muss sogar von Seiten des Arbeitsamtes zum frühmöglichsten Zeitpunkt (abschlagsfrei) die Rente beantragen. Dies ist in seinem Fall drei Monate nach dem 65. Geburstag.

    Daher verwundert es mich das sie den Renteneintritt mit einer Anstellung verknüpfen.

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