Kongress der Deutschen Fachpresse 2014

Plastics Online: Was Kunststofftechniker für die Praxis wissen müssen

Geprüftes, sinnvoll verschlagwortetes Fachwissen wird im Netz immer wichtiger. Mit dem Projekt Plastics Online aus dem Fachverlag Carl Hanser wird auf dem Fachpresse-Kongress eine Wissensdatenbank für Kunststofftechnik präsentiert, die sich speziell an Anwender, zum Beispiel in der Medizingerätetechnik, richtet. VON MICHAEL ROESLER-GRAICHEN

Die Annahme, das Internet sei eine Fundgrube für Fachwissen, aus der man sich bequem bedienen kann, führt nicht selten in die Irre. Wer sehr spezifische Informationen sucht und sich nicht durch einen Wust mehr oder minder relevanter Fundstellen wühlen will, ist bei Angeboten aus Fachverlagen wesentlich besser aufgehoben. Ein Beispiel ist das Projekt Plastics Online (www.plasticsonline.info), einer Online-Wissensdatenbank für Kunststofftechnik aus dem Carl Hanser Fachverlag, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert wird. Auf dem Kongress der Deutschen Fachpresse in Essen wird Plastics Online am heutigen Donnerstag in einer Session präsentiert. 

Im Vordergrund habe bei der Entwicklung nicht der Forschungsaspekt gestanden, so Verlagsleiter Hermann Riedel, sondern die Annahme, dass Plastics Online als Verlagsangebot auf einem tragfähigen Geschäftsmodell ruhen solle, das auch über den Förderzeitraum hinaus weiterbetrieben werden könne. „Unsere Aufgabe war es, dafür zu sorgen, dass die komplette Wertschöpfungskette berücksichtigt ist: die Einbindung von Autoren, die Rechteverwaltung, Bearbeitungsmöglichkeiten und Vertriebswege, die den Buchhandel und andere Kanäle miteinschließen, um Inhalte zu vermarkten.“

Für Riedel war es wichtig, „eine Plattform zu bauen, die direkte Anwendungen möglich macht“. Ein Beispiel: Ein Unternehmen für medizintechnische Geräten will eine Stechhilfe aus Polycarbonat (einem Kunststoff) produzieren. Dazu muss es wissen, ob der Ausgangsstoff Polycarbonat überhaupt sterilisierbar ist, und ob das Material medizintechnischen Vorgaben entspricht. „ Wenn ein Produktionstechniker dieses Wissen bei Google suchen würde, bekäme er vor allem Werbeeinträge angezeigt“, sagt Riedel. Aus den zahlreichen Fundstellen müsste er zunächst diejenigen herausfiltern, die brauchbare Informationen enthalten. „Da sich unser Angebot an Praktiker und nicht an Forscher richtet, kommt es darauf an, ihm die relevanten Informationen zur Verfügung zu stellen“, so Riedel. Doch das konnte und wollte man von vornherein nicht aus einer Hand liefern. Deshalb wurde die Plattform so konzipiert, dass die Website auch eine Suche über andere Datenbanken ermöglichen sollte. Das war in diesem Fall zunächst die Datenbank für Werkstoffe von der Firma MBase. Denn der Entwickler müsste ja wissen, welche Anbieter es für Polycarbonate gibt, und ob der Werkstoff die gewünschten Eigenschaften besitzt (zum Beispiel Sterilisierbarkeit).

Eine weitere Kooperation ist Plastics Online mit dem Beuth Verlag eingegangen, um notwendige Informationen über Normen und Richtlinien zur Verfügung stellen zu können. Für Beuth ist das zugleich die Gelegenheit, eine spezifische Zielgruppe direkt anzusprechen.

Die Nutzer von Plastics Online können – wenn die Plattform ihren Echtbetrieb aufgenommen hat - bestimmte Informationen im freien Bereich abrufen; um das volle Angebot nutzen zu können, lässt sich der Zugang zu der ein oder anderen Datenbank buchen. Abgerechnet wird dann immer mit dem jeweiligen Anbieter und nicht pauschal über die Plattform.

Im Herbst soll der Testbetrieb für Plastics Online starten – zunächst mit 200-300 Testanwendern. „Dabei werden wir beobachten, welche Inhalte die Nutzer interessieren, und wie sie sich auf der Seite bewegen – auch deshalb, um das Angebot für die Kunden besser und attraktiver gestalten zu können“, sagt Riedel. Wie die Plattform endgültig heißen soll, ist noch offen. Das Ganze könnte auch Hanser Wissensdatenbank heißen und auf Themengebiete wie Qualitätsmanagement und Fertigungstechnik ausgeweitet werden – also auf Bereiche, in denen das Buchprogramm des Verlags „einen starken Auftritt“ hat, so Riedel.

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