eBuch und Libri schieben Genialokal.de an den Start

Ein Marktplatz für alle

Die Planungsphase für den neuen gemeinsamen Internet-Marktplatz ist abgeschlossen, jetzt geht es für eBuch an die Umsetzung. Schulter an Schulter mit dem langjährigen Partner Libri bereiten sich die Genossen bereits auf die Eröffnung der Plattform vor – zur Frankfurter Buchmesse (8. bis 12. Oktober 2014) soll es soweit sein. Der Name: Genialokal.de. Auch Buchhändler, die nicht Mitglied der eBuch sind und branchenfremde Einzelhändler sollen sich in einem späteren Schritt beteiligen können. Zunächst kommen die 600 eBuchhändler zum Zug.

eBuch schafft sich mit Genialokal.de eine Infrastruktur, um die viele im E-Commerce bisher einen Bogen gemacht haben: Nicht Individualität und Design-Unikate sind aus eBuch-Sicht Trumpf, sondern Mehrwerte, Komfort  – und eine große Reichweite. „Man sieht es ja an Amazon“, sagt eBuch-Aufsichtsrätin Angelika Siebrands. „Die Leute wollen es einfach und komfortabel haben, Schönheit ist für sie eher ein Nebenaspekt.“

Auf Basis dieser Überlegungen ging es dann weiter: Die Genossen von eBuch entwickelten und einigten sich auf ein Konzept, redeten mit dem Partner Libri, holten eine Agentur für die Softwareentwicklung an Bord.    

Genialokal.de: Wie es auf dem Marktplatz aussieht, wie Kunden einkaufen können, wie eBuch und Libri ihn finanzieren   

eBuch bindet sich. Die Genossen und Libri stehen kurz davor, ihre Verbindung amtlich zu machen: Siebrands zufolge wollen die Partner ein Unternehmen gründen, um für die Entwicklung und den Betrieb der Plattform einen festen, gemeinsamen Rahmen zu haben. Vorgesehen ist, die Anteile zu dritteln - ein Teil geht an die Genossenschaft (eBuch e.G.), eins an die eBuch-Wirtschaftstochter (eBuch GmbH) und eins an Libri. Wie das Unternehmen heißen wird, ist allerdings noch offen. Siebrands: „Wir klären derzeit die letzten Dinge – auch den Namen.“     
 
Der Shop ist Siebrands zufolge eine Neuentwicklung – also nicht mit dem Libri-Shop identisch. Libri unterstütze den gesamten Prozess zwar, „das Konzept kommt aber von der Basis“. Ansonsten ist das Barsortiment in erster für die Logistik zuständig, wickelt künftig auch die Versandbestellungen ab, die über genialokal.de bei den Buchhandlungen eingehen.  

Ein Shop für alle - die eBuch will nicht unter sich bleiben

Buch denkt daran, die Plattform über mehrere Stufen zu öffnen. Zum Start, der zur Frankfurter Buchmesse im Oktober erfolgen soll, gehen zunächst die eBuch-Buchhandlungen ans Netz, in einem zweiten Schritt – ein Termin steht noch nicht fest – können sich dann auch Nicht-Mitglieder zuschalten , in einem dritten Schritt auch Händler anderer Branchen, vom Schuhgeschäft bis zum Blumenladen. Siebrands: „Alle, die in einer ähnlichen Marktlage sind wie wir, also ohne eine solche Marktplatz-Präsenz für sich keine Chance sehen, im Internet in größerem Umfang wahrgenommen zu werden, passen uns zu.“

Neben der Domain genialokal.de (Schreibweise mit einem "L") hat sich die eBuch auch ähnliche Seiten gesichert (geniallokal.de), die auf den Marktplatz umleiten sollen.

Wie Kunden auf dem Marktplatz einkaufen: Auf der Hauptseite (genialokal.de, siehe Abb.) suchen Kunden durch Eingabe der Postleitzahl oder des Ortes einen Händler - oder finden ihn über Geolocation – klicken sich weiter bis zu dessen Webshop, wo sie schließlich einkaufen.

Verfügbarkeitsanzeige: Ob ein Buch gerade im Laden vorrätig ist, erfahren sie am Bildschirm nahezu in Echtzeit (Zeitverzögerung beim Datenabgleich mit den Warenwirtschaftssystemen im Hintergrund: ca. 10-15 Minuten).

Für Kunden, die gern per Smartphone oder Tablet einkaufen wollen, wurde für den Shop eine Web-App entwickelt.    

Wichtig ist den Genossen, dass Kunden die Plattform mit all ihren Einzelshops – im Idealfall alle knapp 600 eBuch-Mitglieder – stets so wirkt, als wäre sie aus einem Guss. Was bedeutet: Vom individuellen Look müssen sie sich weitgehend lösen, Einheitlichkeit im visuellen Auftritt (und damit in der Funktionsweise des Shops) geht vor. Raum für Individualität bleibt allerdings auf den Unterseiten der Shops: für Buchempfehlungen, Veranstaltungen etc.

 

Zur Finanzierung: Die Entwicklung der Plattform stemmen Libri und eBuch jetzt gemeinsam; später – sobald sie ihren Betrieb aufnimmt – soll sie sich selbst tragen. Wer mitmacht, zahlt als Gebühr 40 Euro (netto) pro Monat.

Zur Umsatz-Verteilung: Jeder Shop agiert selbstständig. Wird ein Buch zum Abholen im Laden geordert (was laut Siebrands der Normalfall ist), läuft der Umsatz zu 100 Prozent über die Kasse der Buchhandlung. Bei Versandbestellungen sieht der Verteilungsschlüssel anders aus: Der Umsatz wird zunächst dem Gemeinschaftsunternehmens zugebucht – das sich dafür ums Marketing (Werbematerial für alle Läden, Web-Marketing etc.) und den Betrieb der Plattform kümmert. Sollte dabei ein Überschuss entstehen, wird er Siebrands zufolge unter allen Genialokal-Händlern geteilt. „Wir entwickeln dafür ein ganz klassisches Bonussystem.“   

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14 Kommentar/e

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  • Kleine Sortimenterin

    Kleine Sortimenterin

    Das ist eine großartige Entwicklung, auch wenn ich noch
    kein Mitglied bin. Nur der Name ist leicht zungenbrecherisch
    oder? Kann man da noch Ideen sammeln oder ist es
    schon festgelegt? Ist "ladenkauf" schon vergeben? Vielleicht
    als Zusatzsuche?

  • K. Jensen

    K. Jensen

    Auch "suchmaschinentechnisch" halte ich das für keine gelungene Benennung... Aber trotzdem gut, dem großen A etwas entgegenzusetzen, wobei meiner Meinung nach ein individuelles "Profil" im Netz weiterhin wichtig ist.

  • diebuchhaendlerin

    diebuchhaendlerin

    der Name ist super, aussagekräftig und man kann ihn sich gut merken....ich bin gespannt und würde auch da mitmachen, obwohl ich kein eBuch-Mitglied bin

  • Support your local dealer

    Support your local dealer

    Eine hervorragende Idee, vor allem dann, wenn sich auch kleine und mittelständische Fachhändler beteiligen können. Denn der lokale Fachhandel droht angesichts A & Co. ebenso auszusterben wie manche Buchhandlung. "Genialokal" als Name steht m.E. für alle lokalen Einzel- und Fachhändler, nicht nur für den Buchhandel.

  • K. Jensen

    K. Jensen

    @ Support your...

    Ja, so wird es sein, dass man sich bei der Wahl der Domain bewusst nicht auf den Buchhandel festlegen wollte. Und so eine Namenssuche ist ja auch immer nicht einfach, vor allem, wenn viele mitreden... ;-)

    Drücken wir uns "genialokalen" Händlern allen die Daumen, dass das Projekt gelingt und gedeiht!

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Ich stolpere über den Punkt am Ende: Jeder Shop agiert selbständig, der akquirierte Umsatz kommt der Buchhandlung aber nur zugute, wenn das Buch im Laden abgeholt wird. Bei Versand fließt der Umsatz in das Gemeinschaftsunternehmen ein, eine Rückvergütung erfolgt gegebenenfalls als Ausschüttung an die Genossen?
    Es macht doch keinen Sinn, einen individuellen Shop der Buchhandlung weiterzuführen und den Genialokal-Shop parallel zu führen. Also weist man seinen ganzen Umsatz aus dem Webshop dem Gemeinschaftsunternehmen zu und verliert ihn damit?
    Bei Libreka war auch das ideale Modell ein echtes Gemeinschaftsunternehmen, an dem alle profitieren und dessen Umsätze in einem Verteilungsschlüssel alle zugute kommen. Das ist aber sofort an der Ablehnung der Sortimenter gescheitert. Warum soll das jetzt anders sein?

  • Rainer Zenz

    Rainer Zenz

    Das Konzept klingt schon mal sehr überzeugend.

    Der Name? Na ja. »Lokal« als Bestandteil verstehe ich. Ob die Sache genial ist – das sollten vielleicht die Kunden entscheiden. Aber fünf Silben sind schon ein bisschen viel für einen Namen.

    Es wäre schön, wenn man das Layout schon im Vorhinein etwas genauer ansehen und testen könnte. Auf dem kleinen Screenshot scheint es ein weiteres von den überladenen zu sein. Gerade wenns um Bücher geht, wäre zur Abwechslung mal ein ruhiges, lichtes und reduziertes Design höchst erfreulich. Wäre in dem ganzen Klickibunti auch ein auffallendes Alleinstellungsmerkmal.

    Von diesen Äußerlichkeiten abgesehen freut es mich jedenfalls sehr, dass die Sache tatsächlich in Fahrt kommt. Der Weg ist richtig.

  • Rainer Zenz

    Rainer Zenz

    @Matthias Ulmer: Diese Passage hat mir auch Rätsel aufgegeben. Da wäre eine Konkretisierung wünschenswert.

  • Julian Müller

    Julian Müller

    Sehr geehrter Herr Ulmer, sehr geehrter Herr Zens,

    gerne versuche ich das Modell etwas genauer zu schildern.

    Die Buchhandlungen werden die Möglichkeit haben eigene Artikel, sowie Lesetipps und Veranstaltungsinformationen einzustellen. Das wird unter dem Dachshop im Bereich der Buchhandlung stattfinden. Es gibt also einen eigenen Contentbereich innerhalb der Plattform genialokal.de für jeden Teilnehmer.

    Für die Verteilung der Umsätze sieht das Konzept vor, dass jeder "Abholumsatz" in der jeweiligen Buchhandlung bleibt. Der "Versandumsatz" wird über die Betriebsgesellschaft abgewickelt und aus diesem Rohertrag werden die Handlingskosten bezahlt. Verbleibt dann ein Überschuss wird dieser an die Buchhandlungen nach einem Verteilungsschlüssel ausgeschüttet.
    Es ist also mitnichten so, dass die Buchhandlungen ihren gesamten Onlineumsatz abgeben, was sie für den ersten Moment aufgeben ist die Provision, welche für den Versandumsatz in der Regel vergütet wird.

    Ich hoffe ich konnte etwas Licht ins Dunkel bringen,
    bei weiteren Fragen stehen wir ihnen gerne zur Verfügung.

    Herzliche Grüße
    Julian Müller

  • Rainer Zenz

    Rainer Zenz

    Viele Dank für die Erläuterung. Habe ich es richtig verstanden, wenn ich die Sache so beschreibe:

    Wird die Ware im Laden abgeholt, dient Genialokal schlicht als Onlinekatalog und Bestellweg des einzelnen Buchhändlers. Bei Versandlieferungen und E-Books ist Geniallokal dagegen selbst der Händler, die Buchhandlungen sind »nur« seine Teilhaber.

    Oder ganz konkret: Wenn ich ein Buch bei Genialokal-Müller bestelle und im Laden abhole, habe ich ein Geschäft mit der Buchhandlung Müller gemacht. Wenn ich bei Genialokal-Müller das gleiche Buch als E-Book kaufe, habe ich ein Geschäft mit dem genossenschaftseigenen Unternehmen Genialokal gemacht.

    Auf eine solche Konstruktion war ich im Vorfeld nicht gekommen, deshalb wohl das Verständnisproblem. Meine Erwartung war, dass Genialokal lediglich eine gemeinsame infrastruktur-Plattform, eine Art Makler sein sollte.

    Ich nehme an, es wurden verschiedene Modelle diskutiert. Was hat den Ausschlag gegeben, sich für dieses zu entscheiden?

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Eigentlich bestätigen Sie, dass ich das richtig verstanden hatte, mit der Ausnahme, dass die Buchhandlung natürlich nicht den Umsatz abgibt, sondern den Deckungsbeitrag.
    Es würde mich interessieren, ob tatsächlich die Abholung im Laden der Normalfall ist bei über den Shop getätigten Umsätzen. Das kommt mir eigenartig vor.
    Noch eine Frage: wäre es nicht strategisch sinnvoller gewesen, den Logistik-Dienstleister nicht als Gesellschafter einzubinden? Da es ja drei Barsortimente gibt, wären im Wettbewerb vermutlich bessere Konditionen erreichbar gewesen und die Abhängigkeit zukünftig geringer?

  • Rainer Zenz

    Rainer Zenz

    Das dürfte sich erst noch herausstellen müssen. Was ja tatsächlich neu ist, ist die Möglichkeit, sich die nächstgelegene Buchhandlung zeigen zu lassen, die einen Titel vorrätig hat. Oder nachzusehen, ob die Lieblingsbuchhandlungen ihn hat oder ihn bestellen müsste. Das erleichtert sicher vielen den Vor-Ort-Kauf.

  • die pantherin

    die pantherin

    bei uns kommen zahlenmässig auf 10 Onlinebestellungen 8 bis 9 Abholer, das würde sich für mich sofort rechnen...dazu hoffentlich gesteigerter gesamtumsatz im neuen Shop.
    Eine gute Idee, die wir im Auge behalten und der wir uns eventuell anschliessen.

  • Uwe Carow

    Uwe Carow

    "Wie Kunden auf dem Marktplatz einkaufen: Auf der Hauptseite (genialokal.de, siehe Abb.) suchen Kunden durch Eingabe der Postleitzahl oder des Ortes einen Händler - oder finden ihn über Geolocation – klicken sich weiter bis zu dessen Webshop, wo sie schließlich einkaufen."
    Warum sollte jemand das machen?

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