Berufsbild Lektor: Michael Bursik, Verlag Springer Gabler

"Vom kundenorientierten Berater bis zum effizienten Troubleshooter"

Michael Bursik arbeitet seit Dezember 2010 als Lektor im Verlag Springer Gabler - ohne allzu viel zu lektorieren. Er begleitet Buchprojekte von der Idee bis zur Vermarktung, wobei sein Arbeitsalltag zunehmend elektronischer wird.

Wer sind Sie und was machen Sie?
Mein Name ist Michael Bursik und ich arbeite als Lektor beim Verlag Springer Gabler. Diese Berufsbezeichnung ist leider ein wenig irreführend, denn ich selbst lektoriere Texte nur sehr selten. Meine Hauptaufgaben umfassen die Akquise, Beratung und Betreuung von Autoren, aber ich bin auch für die Entwicklung neuer Themen zuständig. Dafür besuche ich Messen und Kongresse um auf dem Laufenden zu bleiben, spannende Themenfelder zu identifizieren und interessante Kontakte zu knüpfen.

Was ist für Sie im Job unverzichtbar?
Die Möglichkeit mich selbst verwirklichen und weiterentwickeln zu können, fachlich wie persönlich.

Wie sieht ein typisches Jahr in Ihrem Arbeitsalltag aus?
Ich begleite Buchprojekte von der Idee bis zur Vermarktung und je nach Projektphase sind unterschiedliche Eigenschaften gefordert: Vom kundenorientierten Berater bis zum effizienten Troubleshooter, man wird ganzheitlich gefordert und trägt Verantwortung.

Mein Arbeitsalltag ist daher sehr abwechslungsreich. Ich arbeite mit ehrgeizigen und kreativen Menschen zusammen, meinen Autoren. Diese sorgen dafür, dass jeder Tag anders wird und ich täglich mit neuen Herausforderungen und Ideen überrascht werde.

Wiederkehrende Termine sind die Besuche von Fachkonferenzen, denn dort bietet sich die Möglichkeit neue Themen auszumachen und interessante Persönlichkeiten kennenzulernen. Hinzu kommen persönliche Autorentermine und andere Veranstaltungen. Eine gewisse Reisefreudigkeit gehört also zum Jobprofil dazu.

Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag in den letzten Jahren verändert?
Mein Arbeitsalltag wird zunehmend elektronischer:

Bereits bei der Akquise und der Betreuung von Autoren spielen elektronische Medien eine große Rolle! Der größte Teil der Autorenkommunikation läuft selbstverständlich über eMail, aber in letzter Zeit nutze ich auch soziale Medien wie Xing oder LinkedIn und habe damit sehr gute Erfahrungen gesammelt.

Die wichtigste Veränderung hat sicher das elektronische Buch markiert. Die Art und Weise, wie Bücher produziert werden hat sich stark verändert, die technischen Anforderungen an Manuskripte sind anspruchsvoller geworden und der Erstellungsprozess musste sich an neuen Standards orientieren. Ein eBook-Reader reagiert sensibler auf falsche Daten als eine Druckerplatte, doch gerade das elektronische Buch bietet im Fachbuchbereich viele nützliche Funktionalitäten.

Vertrieb und Marketing wurden kontinuierlich auf die veränderten Marktbedingungen eingestellt, elektronische Absatzkanäle gehören mittlerweile zu den wichtigsten Vertriebswegen und traditionelle Geschäftsmodelle wurden den neuen Kundenbedürfnissen angepasst. Marketing und PR für das Buch finden mittlerweile hauptsächlich im Netz statt.

Trotz- oder vielleicht sogar wegen -der „Elektronisierung“ des Arbeitsalltags bleiben persönliche Kontakte unersetzbar und wichtiger Bestandteil meiner Arbeit.

Welche Ihrer persönlichen Eigenschaften finden Sie besonders gut, um Ihren Job zu bewerkstelligen?
Meine Kontaktfreudigkeit: Ich komme leicht ins Gespräch und bringe Menschen gerne zusammen. Dies wird von meinen Autoren sehr geschätzt und bringt mir interessante neue Projekte.

Welche Ihrer persönlichen Eigenschaften sind eher hinderlich?
Meine Ungeduld: Der Produktlebenszyklus eines Buches ist sehr lange. Von der Entwicklung einer Buchidee bis zur konkreten Umsetzung können mehrere Jahre vergehen, dafür hat ein Buch auch Bestand.

Wie sind Sie zu Ihrem aktuellen Job gekommen?
Ich bin ein typischer Quereinsteiger, wie so viele in den Wissenschaftsverlagen. Begonnen habe ich meine Karriere bei Springer bereits 2006 in einem interkulturellen Praktikum bei einem Verlagsdienstleister in Chennai/Indien. Nach Abschluss meines Studiums erhielt ich dann die Chance als IT-Trainer die Personalentwicklung zu unterstützen. Dort entwickelte ich eine interne eLearning-Plattform und lernte das Unternehmen und die Branche kennen. Ich wollte mich an der Entwicklung von neuen Produkten beteiligen und dies motivierte mich zu einem internen Wechsel ins Publishing. Seitdem bin ich in der Programmplanung und konnte in dieser Zeit jedes unserer Verlagsprodukte kennenlernen und mitentwickeln. Ein persönliches Highlight war sicherlich das erste offizielle Open Access Buch bei Springer betreut zu haben.

Welche Ihrer beruflichen Stationen waren wichtig, um den Job zu bekommen?
Besonders nützlich war das Praktikum, da ich dort meine Qualitäten unter Beweis stellen und erste Kontakte knüpfen konnte.

Welche Ausbildung/welches Studium haben Sie absolviert?
In Österreich habe ich eine technische Ausbildung im Bereich IT abgeschlossen und durch das Studium der internationalen Betriebswirtschaftslehre mit Stationen in der Schweiz, Tschechien und Thailand ergänzt. Letztes Jahr habe ich eine private Weiterbildung zum systemischen Berater abgeschlossen, die mir auch im Job sehr weiterhilft.

War Ihre Ausbildung nötig, um Ihren jetzigen Job zu machen?
Ein abgeschlossenes Studium in meinem Wissenschaftsbereich war die Voraussetzung für meinen jetzigen Job.

Was treibt Sie an, jeden Morgen aufzustehen und zur Arbeit zu gehen?
Ich darf jeden Tag mit außerordentlichen Menschen zusammenarbeiten, die ihre Ideen in die Welt bringen möchten. Das Privileg, hier als „Geburtshelfer“ von Anfang an zur Seite stehen zu dürfen, motiviert mich sehr.

Welche Aspekte Ihres Jobs machen Sie (un)zufrieden?
Ich arbeite für einen sehr innovativen Verlag, doch sehe ich die Verlagsbranche insgesamt eher am Anfang der technologischen Entwicklung. Vor allem im Bereich der Contentvorbereitung und –verarbeitung sehe ich noch Verbesserungspotentiale. Hier könnte man Prozesse optimieren, Inhalte besser nutzen und so Verlagen, Autoren und Lesern einen echten Mehrwert liefern.

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