Gesplittete Besteuerung von Bundle-Angeboten

"Die neue Regelung ist absurd und untauglich"

Die ab 1. Juli geltenden Steuerregeln für Bundle-Angebote setzen Verlage erheblich unter Druck. Einige sehen das Geschäftsmodell "E-Book inside" (Buch plus Download-Code) gefährdet − oder geben es ganz auf. VON ROE

Ratlosigkeit herrscht derzeit in vielen deutschen Verlagen: Wie sollen innerhalb weniger Tage die neuen Steuerregeln für sogenannte Bundle-Angebote (Buch plus E-Book) umgesetzt werden, die das Bundesfinanzministerium mit einem Anfang Juni versandten Verwaltungsschreiben festgezurrt hat? "Wir wissen nicht, wie wir dieses steuerrechtliche Problem innerhalb kürzester Frist lösen sollen", sagt beispielsweise Margit Knauer, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Campus. Das Ganze stehe im Widerspruch zur Absichtserklärung nicht nur der deutschen Bundesregierung, sich auf europäischer Ebene für eine Angleichung der ­E-Book-Besteuerung an den (ermäßigten) Umsatzsteuersatz für gedruckte Bücher einzusetzen.

Ab 1. Juli, so das Schreiben aus dem Finanzministerium, müssten die Verlage genau beziffern, zu welchen Anteilen gedruckte und digitale Angebotsteile (E-Book-Codes) von Büchern besteuert werden − mit sieben beziehungsweise 19 Prozent Umsatzsteuer. Begründung: In beiden Fällen handele es sich um eine "eigenständige Leistung".

Besonders problematische Auswirkungen dürfte dies für das Geschäftsmodell "E-Book inside" haben. Denn dabei geht es Verlagen von vornherein darum, einen einheitlichen Preis für ein Buch festzusetzen, dem das E-Book als kos­tenlose Zugabe beigegeben wird. Oftmals werden Titel ausschließlich in dieser Form angeboten, das heißt, es gibt keine separate Print- oder E-Book-Ausgabe. Künftig aber muss auch bei Büchern mit eingedrucktem Zugangscode der jeweilige Umsatzsteueranteil ausgewiesen werden − wobei es keinen klaren Anhaltspunkt dafür gibt, wie dies geschehen soll.

Der Verlag Haffmans & Tolkemitt hat deshalb beschlossen, zum 1. Juli sein Geschäftsmodell "HardcoverPlus" einzustellen; die in den Büchern eingedruckten Codes sind dann nicht mehr einlösbar. Es könne nicht sein, so Jakob Karsten, Leiter Vertrieb und Marketing, dass Buchhändler bei einer Umsatzsteuerprüfung mit Sanktionen rechnen müssten. Ziel des Geschäftsmodells sei es im Gegenteil gewesen, die Partnerschaft mit dem Sortiment zu stärken. Sollte sich jedoch eine Änderung der Rechtssituation ergeben, werde man das Programm wieder aufleben lassen.

Die Splitting-Regel für Bundle-Angebote unterscheidet sich grundsätzlich von der Besteuerung bei Kombiprodukten: also Bücher, denen eine CD, eine CD-ROM, eine DVD oder ein Spielzeug beigelegt wird. Hier richtet sich die Anwendung des Umsatzsteuersatzes nach dem "charakterprägenden" Bestandteil der Produktkombination − in der Regel also nach dem Buch.

Drei weitere Stimmen zu den neuen Steuerregeln:

Hanna Bös, Kein & Aber:

"Wir sind zur Zeit noch ratlos. Wie wäre denn der digitale Anteil für einen Printtitel zu beziffern, der nur mit 'E-Book inside' angeboten wird? Für die Innovationsfreude der Branche ist es nicht hilfreich, wenn neue gesetzliche Regelungen ein vielversprechendes neues Geschäftsmodell ausbremsen. Am Ende wird dabei aber vor allem der Leser verlieren."

Felix Grisebach, Eder & Bach:

"Die neue steuerliche Regelung ist absurd und schlicht untauglich. Wir müssen angesichts dieser kurzfristigen Entwicklung nun abwägen, ob ein E-Book-Bundle für unsere Titel wie geplant praktikabel und durchführbar ist."

Thomas Carl Schwoerer, Campus:

"Sollte die Regelung in dieser Form aufrechterhalten werden, sehen wir uns gezwungen, das Angebot von E-Book inside einzustellen, da wir eine steuerkonforme Handhabung ab dem 1. Juli nicht mehr gewährleisten können."

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13 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Ratlos

    Ratlos

    @ Redaktion: Was ist denn mit Büchern, die kostenlose apps als Zusatznutzen zum Buch anbieten(z.B. bei Reiseführern)? Gilt für diese bundle-Variante auch die neue Steuerregelung?

  • Redaktion

    Redaktion

    @Ratlos:
    Wir haben das der Rechtsabteilung weitergegeben, die sich in Kürze zur Problematik äußern wird.

    Mit besten Grüßen
    Die Redaktion

  • Kleine Sortimenterin

    Kleine Sortimenterin

    Und was ist mit den Cd s, die ein dickeres Booklet haben,
    die müssen dann ja auch gesplittet werden. Wenn schon,
    dann gleiches Recht für alle.
    Oft sind ja die Songtexte alle abgedruckt, das sollte ja
    wohl als Buch gelten. Ich kann also den Text lesen
    und die Musik hören und zahle dabei 19 %? Wo kommen
    wir denn da weiter?
    Möchte nochmal auf die Absurdität dieses Vorgehens
    hinweisen, wir sollten noch mehr dieser Beispiele
    sammeln.

  • André Thiele

    André Thiele

    Mein Verlag hat seit 2012 alle Hardcover als "eBook Inside" veröffentlicht - als selbstverständliche Zusatzleistung für Handel und Leser.

    Wir sind nun leider gezwungen, uns den o.a. KollegInnen anzuschließen und das "eBook Inside"-Programm ab dem 1.7. auszusetzen.

    Die durch die groteske Entscheidung des BMFin geschaffene Rechtsunsicherheit können wir weder aussitzen noch an den Handel weiterreichen.


  • Steuerlich Interessierter

    Steuerlich Interessierter

    Mich würde der genaue Wortlaut des betreffenden BMF-Schreibens bzw. eine Quellenangabe interessieren. Könnten Sie hierzu nähere Angaben machen? Mir ist in diesem Zusammenhang nur das BMF-Schreiben zur "Trennung der Entgelte bei Abgabe mehrerer unterschiedlich zu besteuernder Leistungen zu einem pauschalen Gesamtverkaufspreis" bekannt. Das ist jedoch schon Ende 2013 veröffentlicht worden.

  • franz.wanner

    franz.wanner

    wenn man lange genug die augen zu macht, kann das zu Überraschungen führen.

    Der ermäßigte Steuersatz galt noch nie, außer für die abzählbar endlich aufgelisteten Produkte im Anhang zum UStG.

    Vergleichbar ist das doch mit dem (anderen, abschreibungstechnischen) Vorgang vor 20 Jahren. als Hardware/Betriebssystem/Software in der PC-wirtschaft getrennte Wege gingen...

    Es hätte doch jeder Zweifel bekommen müssen, wenn das identische Produkt je nach Kopplung unterschiedlich MwSt-Sätzen unterliegt.

  • Sebastian Zembol

    Sebastian Zembol

    Seit Anfang 2014 liefern wir vom mixtvision Verlag als erster Kinder-und Jugendbuchverlag im deutschsprachigen Raum unser gesamtes Programm mit "E-Book inside" aus. Wir halten diesen kundenorientierten Ansatz, mit dem wir gleichzeitig den stationären Buchhandel stärken wollen, für absolut zeitgemäß. Wir wollen uns durch die kurzfristige und unüberlegte Gesetzesänderung NICHT von diesem Weg abbringen lassen und erarbeiten zur Zeit konkrete Lösungsvorschläge. Gern auch im Verbund mit anderen Verlagen, die "E-Book inside" für sinnvoll erachten.

  • Steuerlich Interessierter

    Steuerlich Interessierter

    Meine Frage unter 5. hat sich erledigt. Es geht wohl um ein Schreiben des BMF, das Anfang Juni 2014 an verschiedene Verbände geschickt wurde.

  • Christian Sprang

    Christian Sprang

    @Ratlos:

    Auch Apps im Bundle führen nach dem BMF-Schreiben dazu, dass Sie den Umsatzsteuersatz des Produkts splitten müssen.

    @Kleine Sortimenterin:
    Die Beigabe von CDs ist, unabhängig von der Dicke des Booklets ;-), nach den Regeln für Kombiprodukte (also nicht nach den Regeln für Bundles) zu beurteilen. Danach kommt es für den (einheitlichen) Umsatzsteuersatz darauf an, welcher der Bestandteile für die Kombination charakterprägend ist. Ein Split der Umsatzsteuer ist nur dann vorgeschrieben, wenn beide kombinierten Bestandteile jeweils auch separat angeboten werden.

  • Ratlos

    Ratlos

    @ Christian Spang: Danke für die Auskunft!

  • Kleine Sortimenterin

    Kleine Sortimenterin

    Herzlichen Dank für die Auskunft an Herrn Sprang.

  • Peter Beuther

    Peter Beuther

    Es wird hier unterschieden zwischen Regeln für Bundles und Regeln für Kombiprodukte. Im Sprachgebrauch werden "Bundle" und "Kombi" aber oft synomym verwendet. Wie definiert denn das BMF diese Begriffe? An Beispielen wird das für mich nicht klar. Ein Buch mit CD-ROM ist ein Kombiprodukt, ein Buch mit E-Book- ist ein Bundle? Und was ist ein Buch mit Online-Datenbank oder eine Zeitschrift mit Online-Archiv?

  • mandy

    mandy

    Das ist so absurd. Ich finde es traurig das einen mitlerweile selbst das lesen schwer gemacht wird. Ich bin noch so,wenn ich etwas lese möchte ich das Buch in der Hand haben. Ebool reader sind für Reisen sehr praktisch. Soll ich mir da jetzt jedes Buch doppelt kaufen? Dann stampft eure E reader wieder ein und gut ist. Dann bleiben gebundene Bücher wenigstens bei ihren normalen Preis. Es dreht sich alles nur noch um die digitale Welt. Es bracuht sich niemand wundern warum keiner mehr eine CD kauft oder ein Buch,wenn man es im Internet sowieso irgendwo so herunterladen kann.

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