Präsentation des "Bozzetto"-Romans in Luzern

Jäger des verlorenen Bildes

Ein Hauch von "Sakrileg" schien durch den abgedunkelten Zeugheersaal des Schweizerhofs in Luzern zu wehen, als Hermann Alexander Beyeler und Gerd J. Schneeweis ihren Roman "Bozzetto" vorstellten. Der Weissbooks Verlag hatte an den Vierwaldstättersee eingeladen, einen wichtigen Schauplatz des Romans.

In dem Buch geht es um das Schicksal einer lange verschollenen, heute immer noch unter Verschluss liegenden Holztafel – einem Entwurfsbild Michelangelos für "Das jüngste Gericht" in der Sixtinischen Kappelle des Vatikans ("Bozzetto" bedeutet im Italienischen Entwurf). Gregorianische Klänge, die der Unternehmer, Kunstsammler und Mäzen Hermann Alexander Beyeler eigens hat komponieren lassen, geben der Szene im Schweizerhof etwas Sakrales. Und im Gegensatz zu Dan Brown erzählt der Roman auch keine Verschwörungstheorie, sondern eine teilweise sehr authentische Geschichte von zwei Männern, die von der Mission beseelt sind, den "Bozzetto" aufzuspüren, freizukaufen und dann wieder dorthin zu bringen, von wo er vor fast 500 Jahren hinausgeschmuggelt worden war: in den Vatikan.

Hermann Alexander Beyeler, der sich seit elf Jahren lebhaft für die Michelangelo-Tafel interessiert, stieß bei seinen Recherchen auf ein Buch, das 1995 im Universitas Verlag unter dem Titel "Das Geheimnis der Sixtina. Auf der Jagd nach dem Bozzetto Michelangelos" erschienen war. Sein Autor: Gerd J. Schneeweis, der inzwischen ein Vierteljahrhundert der Faszination des Bildes erlegen ist und es mit eigenen Augen gesehen hat – wovon eine Schwarz-Weiß-Fotografie im „Bozzetto“-Buchhandelsprospekt zeugt.

 

Dem legendären Bild, das heute in einem Schweizer Zollfreilager unter Verschluss liegt, weil die Besitzverhältnisse ungeklärt sind, wurde schon kurz nach seiner Entstehung eine wundersame Kraft nachgesagt. Doch sobald es aus dem Umkreis des Vatikans verschwand und über Jahrhunderte immer wieder den Besitzer wechselte, soll es allen, die es sich mit Gier oder aus Bereicherungssucht aneigneten, Unglück gebracht haben. Vom "Fluch" des Bozzetto ist die Rede – deshalb ist es das erklärte Ziel Hermann Alexander Beyelers, das Bild wieder an seinen an angestammten Ort zurückzubringen.

 

Diese abenteuerliche Geschichte, die zugleich das erklärte Ziel der Autoren ist, wird in dem Buch erzählt. Es ist also kein historischer Roman, sondern ein sehr gegenwärtiger, spannungsreicher "Kunstthriller", so Verleger Rainer Weiss. Ein Buch, das "im Parforceritt" in 16 Monaten geschrieben wurde, und in dem die Autoren selbst kaum camoufliert die Rolle der Protagonisten spielen. Ein historischer Prolog und zahlreiche Einschübe – vom Verschwinden des Bildes Mitte des 16. Jahrhunderts über die Französische Revolution bis zum von den Nazis besetzten Paris 1944 – erzählen die Odyssee des Bildes.

Eine Schlüsselrolle in dem Buch, an dem die Autoren (und der Verlag) noch wenige Tage vor Drucklegung unter Hochdruck arbeiteten, spielt eine verschlüsselte Schrift namens "Idola", die so etwas wie ein Manual zur Steuerung des Bildes darstellt. Kostproben aus dem Roman servierte der Wiener Schauspieler Julian Loidl – Passagen, in denen die magischen Kräfte des Bildes einigen Wirbel verursachen.

Der Ort für die Buchpräsentation war natürlich nicht zufällig gewählt: Wichtige Szenen des "Bozzetto" spielen im Schweizerhof, und Hermann Alexander Beyeler kennt Luzern und das Hotel wie seine Westentasche. So konnten die geladenen Buchhändler, Vertreter und Journalisten auch einer "Tatortbegehung" beiwohnen. Durch den stets unverschlossenen Hintereingang ging es in den ersten Stock auf ein Zimmer, in dem im Roman die "Idola" aus einem Hotelsafe gestohlen wird.

Auf der Frankfurter Buchmesse wird der "Bozzetto" groß inszeniert. Neben dem Stand von Weissbooks in Halle 3.0, so Vertriebs- und Marketingchefin Anya Schutzbach, wird es einen eigenen "Bozzetto"-Stand geben – den größten Stand für einen einzelnen Titel auf der Messe. Vor dem Stand soll eine rote Kordel den Zugang versperren, zwei Schweizergardisten in Fantasieuniformen sollen darüber wachen.

Nicht weniger aufwendig als die Messepräsentation werden die Werbemittel sein: Hermann Alexander Beyeler, der es vom Autolackierer zum Präsidenten eines Immobilienunternehmens brachte, wirkt dabei selbst mit – als nebenberuflicher Erfinder. So hat er eine "Diamant"-Praline kreiert, die die Form eines geschliffenen Diamanten hat und im Mund "explodieren" soll, möglichst bei der Lektüre. Des weiteren soll eine edle Flasche Tessiner Weines namens "Diamant" unter Buchhändlern verlost werden, die ihre Stimmen zum Buch einsenden.

Für Rainer Weiss und Anya Schutzbach ist der "Bozzetto" ein außergewöhnliches Projekt, ein Buch, das alle Kräfte fordert, und das man normalerweise bei einem Konzernverlag vermuten würde. Aber es war wohl der Sog der Geschichte, der auch diese literarisch beseelten Verleger in den Bann schlug. Das Autoren-Duo steuert mit Herzblut und "wahnsinnig viel Optimismus" auf die Veröffentlichung zu. "Wir haben alles gegeben", sagt Gerd J. Schneeweis zum Schluss.

Michael Roesler-Graichen

 

Der "Bozzetto" ist ab 7. Oktober im Handel, erscheint im Hardcover mit Lesebändchen und hat einen Umfang von 608 Seiten.

Schlagworte:

0 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Informationen zum Kommentieren

    Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

  • Mein Kommentar

    Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

    (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
    CAPTCHA image
    Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

    * Pflichtfeld