Forum Zukunft Arena Digital: Ein Besuch am neuen Messestand

E-Books und das Buchregal 2.0

Bierkästen als Sitzmöbel, rohe Sperrholzwände als Standarchitektur: Die digitale Arena, die das Forum Zukunft des Börsenvereins in Messehalle 3.1 eröffnet hat, macht schon optisch deutlich, worum es hier geht - um eine Baustelle, auf der noch viel zu tun ist. Wer sich darauf einlässt, lernt nicht nur einiges über die Sichtbarkeit des Digitalen, sondern auch darüber, was auf die Buchwelt zurollt. Update: Podcast mit Buchhändler Tobias Schmid, Jury-Mitglied beim Ideenwettbewerb "Arena Digital". VON CRO

Als Messe-Thema sind E-Books in Frankfurt allgegenwärtig - kaum eine Konferenz, in der das Digitale keine Rolle spielen würde. Aber: Wie holt man E-Books an den Messestand? Beim Gang durch die Frankfurter Hallen sieht man die obligatorischen Touchscreens und Reader, mal schicker, mal schlichter präsentiert. Mitreißend geht anders.

Genau mit diesem Problem der Sichtbarkeit des Digitalen beschäftigt sich ein Wettbewerb, den das Forum Zukunft des Börsenvereins im August ausgelobt hatte. Die spannendsten Ideen, die auf diesem Weg über die Crowdsourcing-Plattform Jovoto eingesammelt wurden, sind beim Forum Zukunft auf der Buchmesse zu besichtigen - darunter "Bookshelf 2.0", entworfen von der Hagener Designerin Olivia Tomaschek: Ein digitales Bücherregal mit interaktivem Display, in dem sich E-Books durchstöbern und kaufen lassen - auf der Messe, in der Buchhandlung oder an der Bushaltestelle. Besonders charmant: Wer Beratung durch den Buchhändler wünscht, drückt einfach einen "Hilfe"-Button.

Tomascheks Idee gefiel der Fachjury des Wettbewerbs am besten - weil sie das "traditionelle Suchen und Einkaufen von Büchern auf äußerst einfache, optisch ansprechende Weise mit digitaler Technologie verbindet". Und weil sie vielseitig einsetzbar ist. Genau deshalb kann sich auch Katja Splichal, Verlagsleiterin Online beim Eugen Ulmer Verlag, für das Konzept begeistern, wie sie bei einer Podiumsdiskussion im Anschluss an die Preisverleihung deutlich machte: "Zoo-Shops, Baumärkte, Messen - Bookshelf 2.0 ist überall dort denkbar, wo unsere Fachverlags-Themen vorkommen".

"Der Wettbewerb wird sich rasant verändern"

Damit legte sie zugleich den Finger in die Wunde: Denn wenn es so einfach wird, Inhalte zu verkaufen, kann letztlich jeder zum Buchhändler werden. "Die Bahn könnte E-Book-Stationen in ihrer Lounge aufstellen, der Friseur in seinem Salon - durch die Digitalisierung wird sich der Wettbewerb rasant verändern", so Splichals Prognose: "Wie schaffen wir es, den Buchhandel bei dieser Entwicklung mitzunehmen, ihn partizipieren zu lassen?" Nicht nur für sie eine zentrale Frage der nächsten Jahre.

Auch für Tobias Schmid, Leiter E-Commerce bei der Osianderschen Buchhandlung, ist die Sichtbarkeit des Digitalen derzeit ein "hochrelevantes Thema" im Sortiment. Der Börsenverein müsse bei solchen Veränderungsprozessen zum Coach der Mitglieder werden, Tools zu Verfügung stellen, die für viele nutzbar seien - und aufpassen, dass Wettbewerbe wie der aktuelle nicht zum "Glasperlenspiel" würden, mahnte Schmid, zugleich einer der Juroren bei "Arena Digital".

"Innovation ist immer unbequem"

Längst nicht alle Ideen aus dem Wettbewerb zur digitalen Sichtbarkeit sind ausgereift - doch viele entwicklungsfähig. Der Börsenverein hat seinen Mitgliedern deshalb ein halbes Jahr das Vorkaufsrecht auf die Entwürfe gesichert. Dazu gehört auch ein Vorschlag, den Jakob Jochmann von pixelcraftbooks auf dem Podium präsentierte. Sein "Book()browser" will digitalen Lesestoff über virtuell erzeugte Stimmungsbilder zum Erlebnis machen: "Leser sollen in die Welt der Literatur eintauchen können". Dass der Wettbewerb über Jovoto auch viele schräge Ideen zutage gefördert hat, die eher auf Ästhetik als auf Praxisnähe setzen, wertete Jochmann als positives Zeichen: "Innovation ist immer unbequem".

Von dieser Unbequemlichkeit kann auch das Hanser-Team ein Lied singen: Zur Buchmesse haben die Münchner ihr digitales Programm Hanser Box gelauncht - jede Woche erscheint ein neuer Titel. Der andere Produktionsrhythmus habe im Verlag gewohnte Prozesse auf den Kopf gestellt, berichtete Projektmanagerin Johanna Schaumann am Nachmittag auf der Arena-Bühne, bei der Podiumsdiskussion "Zeig Dich! Wie Verlage ihre digitalen Inhalte auf Buchmessen sichtbar machen".

Zur Buchmesse wirbt Hanser für die hauseigene Innovation eher bodenständig - mit klassischen Flyern, die auf der Rückseite mit einem Gratisdownload locken. Tea Herovic, Projektmanagerin der jungen Plattform Oetinger34, beschrieb die Crux, mit der letztlich alle neuen digitalen Verlagsprojekte zu kämpfen haben - nicht nur zu Messezeiten: "Innovation ist teuer, deshalb bleibt fürs Marketing nur ein kleines Budget". Oetinger34 löst dieses Problem mit einer Idee, die vor allem die Zielgruppe der neuen Kreativcommunity anspricht: Auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt gibt es ein "Speedmeeting" für alle, die gerne bei der Plattform dabei wären - ob als Juniorlektor, Autor oder Illustrator.  

Nach der Messe geht's weiter

Wie sich der Konflikt der Finanzierbarkeit lösen lässt - auch dafür ist die digitale Messe-Arena des Forum Zukunft eine Fundgrube. Denn längst nicht alle präsentierten Wettbewerbsideen sind kostspielig in der Umsetzung. Manchmal reicht schon eine Spielart der Brotbox, um ein E-Book als originelles "Brainfood" zu verpacken.

Außerdem gibt es an allen Messetagen nonstop Programm in der Arena (Halle 3.1, K 15): Am Mittwochnachmittag ging es beispielsweise auch um das Thema "Storytelling in der Buchhandlung". Mit dabei: Der Frankfurter Verleger Peter Koebel, der das Büro seines 2010 gegründeten Verlags "Michason & May" kurzerhand in ein Ladenlokal verlegt hat - und hier auch Bücher aus anderen Independet-Verlagen präsentiert und verkauft. Zur kompletten Programmübersicht der Arena Digital geht es hier.

Wenn die Frankfurter Buchmesse vorbei ist, wird die Baustelle zur digitalen Sichtbarkeit übrigens noch lange nicht geschlossen, sondern weiter am Fundament gearbeitet. Am 7. November lädt das Forum Zukunft bei der Berliner Konferenz E:Publish zu einem Workshop ein. Dabei sollen Ansätze diskutiert werden, wie herstellender und verbreitender Buchhandel bei der Verknüpfung von offline und online kooperieren können. Und Anfang 2015 kommen Verleger und Buchhändler im Deutschen Literaturarchiv in Marbach zusammen, um sich gemeinsam Gedanken über die museale Inszenierung digitaler Literatur zu machen.

Im beigefügten Podcast finden Sie ein Interview mit Jury-Mitglied Tobias Schmid, der aus der Sicht eines Buchhändlers den Ideenwettbewerb des Forum Zukunft bilanziert.

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