Interview mit Cornelia Haß

"Wir kritisieren die Ausnahmen bei Mindestlohn scharf"

Cornelia Haß, Bundesgeschäftsführerin bei dju in ver.di, äußert sich im Interview zur Position von ver.di bezüglich der Mindestlohnregelung. Vor allem in Zeitschriftenverlagen wird sich nach ihrer Einschätzung zeigen, ob der Nachwuchs vom Mindestlohn profitieren kann oder nicht.  VON INTERVIEW: KAI MüHLECK

Im verabschiedeten Gesetzesentwurf zum Mindestlohn werden Volontäre nicht erwähnt. "Im Allgemeinen" heißt es auf Nachfrage beim Bundesministerium für Arbeit, sei ein Volontariat als Ausbildungsverhältnis zu werten, für das kein Mindestlohn gelte. Wurden die Volontäre beim Mindestlohn schlichtweg vergessen?
Ich glaube nicht, dass das ein Versehen war. Die große Koalition hat das als Gesetzgeber bewusst so beschlossen. Bereits im Vorfeld hat ver.di die geplanten und mittlerweile verabschiedeten Sonderregelungen für die Medienbranche etwa für Zeitungszusteller und die Ausnahmen für Volontäre scharf kritisiert.

Volontariate sind rechtlich nicht definiert. Volontäre in der Buch- und Medienbranche haben in der Regel ein Hochschulstudium abgeschlossen und in Praktika Berufserfahrung gesammelt. Besteht hier nach Ihrer Einschätzung ein Ausbildungsverhältnis oder ein Mitarbeitsverhältnis?
Ein Volontariat ist eine Ausbildung. Dazu gehören natürlich Ausbildungspläne, das Durchlaufen verschiedener Ausbildungsstationen, feste Ansprechpartner während der Ausbildung und klare Ausbildungsziele. In Bereichen wie Tageszeitungen und Zeitschriften gibt es Volontärs-Tarifverträge, wo all das enthalten ist. Die darin festgeschriebenen Gehälter liegen weit über dem Mindestlohn. Nicht nur im künstlerischen Bereich gibt es aber auch Volontariate, die keinen Ausbildungsplan haben. ver.di wird sich sehr genau anschauen, wie sich das Thema Bezahlung von Volontariaten weiterentwickelt: Wir fordern hier ganz klar den Mindestlohn als Untergrenze.

Was glauben Sie: Welchen Einfluss wird der Mindestlohn auf die Medienbranche haben?
Die Einführung des Mindestlohns wird sicherlich zu sehr interessanten Entwicklungen führen, die vor allem von Frau Nahles angestoßen wurden, die alles getan hat, um dem Praktikantenmissbrauch ein Ende zu bereiten. Ich bin gespannt. Viele Bereiche in der Medienbranche leben heute ja von Dauerpraktikanten, die ganze Schichten fahren und zum Teil Redakteursarbeit leisten. Da haben wir ein Auge auf das, was sich jetzt tut und unterstützen unsere Mitglieder natürlich bei der praktischen Durchsetzung ihrer Rechte.

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