Kurt-Wolff-Preis: Interview mit Stefan Weidle

"Eine reine Neiddebatte"

Der Kurt-Wolff-Preis soll engagierte, unabhängige Verlage fördern. Aber wie unabhängig ist die Auszeichnung selbst? Daran scheiden sich offenbar die Geister. Ein Interview mit Verleger Stefan Weidle, dem Vorsitzenden der Kurt Wolff Stiftung.

Mit dem Berenberg Verlag und der Connewitzer Verlagsbuchhandlung werden 2015 zwei Mitglieder aus dem Freundeskreis der Kurt-Wolff-Stiftung geehrt. Wird der Preis nach dem "Closed Shop"- oder "Klüngel"-Prinzip vergeben, wie Kritiker auf boersenblatt.net meinen?

Weidle: Nein. Gerade mit dem Förderpreis hat das Kuratorium schon viele Verlage ausgezeichnet, die dem Freundeskreis bis dahin nicht angehört haben, etwa mairisch, binooki oder der Lilienfeld Verlag. Und aus gutem Grund haben im Kuratorium, das über die Preisträger entscheidet, keine Verleger Stimmrecht, sondern Buchhändler, Literaturkritiker und andere fachkundige Leute.

Die Hauptpreisträger allerdings kommen in der Regel aus dem Stiftungsumfeld. Kann man sich den Kurt-Wolff-Preis als Unterstützer "erkaufen", wie manche mutmaßen?

Weidle: Wer so etwas sagt, will uns und die Stiftung, die viel für die unabhängigen Verlage erreicht hat, gezielt mit Dreck bewerfen. Es gibt eine ganze Reihe von Verlagen, die zwar dem Freundeskreis angehören, aber keine "Zustifter", also Spender sind. Dazu gehören zum Beispiel Literaturzeitschriften wie "Bellatriste", die ohnehin wenig Geld haben und trotzdem oder gerade deshalb ausgezeichnet wurden. Ich schwöre jedenfalls Stein und Bein, dass es in den Kuratoriumssitzungen in all den Jahren noch kein einziges Mal darum gegangen ist, wer für die Stiftung gespendet hat und wer nicht.

Fakt ist jedoch, dass die Stiftung auf Spendengelder der Verlage angewiesen ist. Denn die Kosten für das Büro der Stiftung werden, anders als das Preisgeld von 26 000 beziehungsweise 5 000 Euro, nicht vom Kulturstaatsminister getragen, sondern von uns allen. Die Stiftung ist eine Solidargemeinschaft. Und wer die Aufnahme-Kriterien erfüllt, ist jederzeit im Freundeskreis willkommen – wenn er zum Beispiel seit zwei Jahren am Markt ist, mindestens vier Titel im Jahr produziert und professionell ausliefern lässt. Die Details und alles andere finden Sie auf unserer Website.

Ist die Diskussion für Sie eine reine Neiddebatte - oder doch ein Denkanstoß für 2015?

Weidle: Eine reine Neiddebatte, geführt von denen, die selbst gern ausgezeichnet würden, sich aber nicht einbringen und die Kriterien nicht erfüllen. Ich kann nur sagen: Wir freuen uns immer über Vorschläge für geeignete Preisträger. Nur ganz ehrlich: Über 90 unabhängige Verlage sind mittlerweile im Freundeskreis der Stiftung organisiert. Jenseits davon bleibt nicht mehr viel, obwohl sich das Kuratorium Jahr für Jahr gewissenhaft nach preiswürdigen Verlagen umschaut. Was im Falle des Förderpreises auch immer wieder zu Entdeckungen führt, aber was den Hauptpreis anlangt: Nennen Sie mir doch einen unabhängigen Verlag, der nie mit der Kurt Wolff Stiftung zu tun hatte und den Sie sich als Preisträger vorstellen können. Der in der illustren Reihe derer, die den Preis bisher bekommen haben, bella figura machen würde.

Die aktuellen Kurt-Wolff-Preisträger werden auf der Leipziger Buchmesse 2015 gekürt, im neuen Forum "Die Unabhängigen". Was erwartet die Besucher?

Weidle: Karussells, gebrannte Mandeln. Nein, im Ernst: Das neue Forum, das wir zusammen mit der Leipziger Buchmesse eröffnen, tritt die Nachfolge des Berliner Zimmers an, nur ohne regionale Grenzen. Das Programm kuratiert meine Frau, ehrenamtlich – um möglichen Kommentatoren direkt zuvorzukommen. Unabhängige Verlage können im Forum ihre Spitzentitel vorstellen, im Halbstundentakt wird es Lesungen geben. Und vielleicht machen wir auch noch eine Veranstaltung zum neuen Deutschen Buchhandelspreis. Schließlich geht auch dieser Preis auf eine Initiative der Kurt Wolff Stiftung zurück.

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4 Kommentar/e

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  • Else Laudan

    Else Laudan

    Liebe Redakteure, das finde ich aber ziemlich tendenziös:
    Die rhetorische Eingangfrage >>Wird der Preis nach dem "Closed Shop"- oder "Klüngel"-Prinzip vergeben, wie Kritiker auf boersenblatt.net meinen?<< erzeugt für meine Wahrnehmung ein gänzlich falsches Bild. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich als Verlegerin denke bei dem Wort "Kritiker" immer noch an Menschen, die sich mit etwas kritisch auseinandersetzen. Die garstige Kanonade in der dort verlinkten Kommentarspalte fällt jedoch entschieden nicht in diese Kategorie. Zumal keine Argumente zu finden sind, bloß Gehässigkeit. So was noch weiter zu verbreiten ist, mit Verlaub, keine Diskussionskultur, sondern Trollsponsoring.

  • Redaktion

    Redaktion

    Liebe Frau Laudan,

    auf die Idee, dass unsere Eingangsfrage für eine rhetorische gehalten werden könnte, wären wir ohne Sie nicht gekommen. In der Kommentarfolge, auf die Sie sich beziehen, melden mehrere Diskutanten ihr Unbehagen an dem Verfahren der Preisvergabe an. Wir konnten nicht erkennen, dass es sich dabei um "Korinthenkacker", Trolle oder andere Unterarten von unliebsamen Störern handelt, wie andere Diskutanten dort schrieben. Gar nicht so trivial zu entscheiden, welche Beiträge denn nun zu den "garstigen Kanonaden" und welche zur vernünftigen Auseinandersetzung zu rechnen wären...

    Wir glaubten jedenfalls, es wäre doch eine faire Sache, dem Vorsitzenden der - in einem konkreten Punkt und nicht etwa im Grundsätzlichen - kritisierten Kurt Wolff Stiftung hier die Gelegenheit zur Stellungnahme und Replik zu geben. Dabei wähnten wir uns, ob Sie es glauben oder nicht, in journalistisch neutraler und nicht in rhetorischer oder gar trollsponsernder (ein schönes Wort übrigens!) Absicht unterwegs. Und von diesem Selbstbild möchten wir ungern abrücken ;-)

  • Bernhard Albers Rimbaud Verlag

    Bernhard Albers Rimbaud Verlag

    Bei der Vergabe vor zwei Jahren fiel mir jedenfalls auf, dass der Vorsitzende der Stiftung RA Kersten auch Anwalt des Preisträgers, nämlich des Wallstein Verlages ist. Wessen Rechtsanwalt er noch ist, weiß ich nicht. Jedenfalls finde ich, dass ein Rechtsanwalt, der auch einen Verlag, namentlich einen von ihm mitgekürten Preisträger nicht als Vorsitzender dieser Jury zu suchen hat.
    Dr. Bernhard Albers Rimbaud Verlag

  • Dr.Bernhard Albers

    Dr.Bernhard Albers

    Ferner möchte ich noch ergänzen, dass der Preis für unabhängige Verlage gestiftet wurde. Der besagte Wallstein Verlag arbeitet aber im Auftrag von über 30 Institutionen, die er auf seiner Webseite selber benennt. Mein Einwand, dass hier nicht von einem unabhängigen Verlag gesprochen werden kann, wurde nicht beantwortet. Darum finde ich es journalistisch gesehen gut, dass die Frage des Börsenblattes überhaupt einmal öffentlich gestellt wurde. Bewegen wird sie nichts. Leider.
    Dr. Bernhard Albers Rimbaud Verlag

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