Betriebsrat und ver.di beklagen eingeschränkte Warenlieferungen

Halbiert Weltbild die Belegschaft?

Auch nach dem Ende der Weltbild-Insolvenz sieht es derzeit aus Sicht der Beschäftigten alle andere als rosig aus. "Allein der Glaube bleibt", titelt die "Süddeutsche Zeitung" und zitiert die Weltbild-Konzernbetriebsratsvorsitzende Dolores Sailer: "Viele Leute verlassen das Unternehmen freiwillig, die halten das nicht mehr aus". Laut "SZ" erwarten gut informierte Mitarbeiter mittelfristig eine weitere Halbierung der Belegschaft.

Derzeit gibt es laut ver.di noch 2.000 Arbeitsplätze: 445 bei Weltbild Retail, 505 bei ALSO Logistics und rund 1.000 in den Weltbildplus-Filialen.

Die von Walter Droege gesteuerte Geschäftsführung setze das Konzept Weltbild 2.0 nicht um, analysiert die Gewerkschaft ver.di in ihrem Infoblog, Patrick Hofmann und Sikko Böhm legten indes auch kein alternatives Konzept auf den Tisch. Mit Gerd Robertz habe das einzige Geschäftsführungsmitglied mit Buchhandels-Expertise nach nur sieben Wochen die Firma verlassen. Wie soeben gemeldet, wird Robertz Ende Februar auch als Geschäftsführer der Weltbild-Tochter buecher.de in gegenseitigem Einvernehmen ausscheiden. Gewerkschafter Hubert Thiermeyer wirft Droege in der "Süddeutschen" vor, der Investor habe sich als "klassischer knallharter Kosten-Sanierer" entpuppt, "der mit Drohungen und Geheimhaltungspolitik arbeitet". 

Die Stimmung in der Belegschaft stuft der Betriebsrat drei Monate nach dem Droege-Einstieg als "katastrophal" ein. Die einzig erkennbare Strategie der zurück gebliebenen Droege-Manager sei das Totschrumpfen der Firma: "Werbegelder werden gestrichen; der daraus resultierende Umsatzrückgang wird als Argument für die Forderung nach weiteren Entlassungen hergenommen. Die Filialen werden kaum beworben und nur eingeschränkt mit Ware beliefert; das gefloppte Weihnachtsgeschäft soll weitere Schließungen begründen." Befürchtet wird nun, dass die durch den Umsatzrückgang stark geschrumpften Aufträge der Logistik als Argument für den geplanten Personalschnitt benutzt werden könnten. Auch in der "SZ" berichten Mitarbeiter von "leeren Regalen" in den Filialen im Weihnachtsgeschäft, weil zu wenig Ware bestellt worden sei.

Gespräche zwischen Weltbild-Geschäftsführung und Betriebsrat stehen aus, das letzte vereinbarte Treffen vor Weihnachten für Verhandlungen war geplatzt. Einen neuen Termin gebe es bislang nicht. Die Droege Group wollte sich dazu gegenüber boersenblatt.net nicht äüßern − aktuell sei kein Statement vorgesehen, so eine Unternehmenssprecherin.

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9 Kommentar/e

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  • besser hätte man es nicht sagen können...

    besser hätte man es nicht sagen können...

    Gut auf den Punkt gebracht. Ein Unternehmen mit nach wie vor viel Potential mit engagierten Mitarbeitern, die versuchen für die GF die Kohlen aus dem Feuer zu holen.
    Wenn man selber kein Konzept hat, sich aber weigert die der anderen überhaupt nur anzusehen, muss es ja bergab gehen. Wir Mitarbeiter kämpfen weiter und glauben dran!
    Der Insolvenzverwalter hat den Laden sauber übergeben, das lassen wir uns nicht kaputt machen...

  • DerGarnichtErstaunte

    DerGarnichtErstaunte

    Warum wundert mich dieses Vorgehen nicht? Wer sich informiert hätte - was Herr Gleiwitz und die ach so hoch gelobte Verdi-Gewerkschaft offensichtlich nicht getan hat - hätte gewusst, dass Droege nicht anders handeln würde. Das Ganze war abzusehen, wie bei jedem anderen Insolvenzverfahren, wo die vermeintlichen Retter zuerst hochgejubelt werden.

    Droege macht seinen Schnitt und bzahlen zun es die ehemaligen und noch-Mitarbeiter und letztendlich der Steuerzahler. Der alte Spriuch bewahrheitet sich: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!

  • Herbert aus Hessen

    Herbert aus Hessen

    Es scheint, dass das Unternehmen Weltbild nun vollends gegen die Wand gefahren ist. Alle noch verbliebenen Mitarbeiter/innen sei geraten, die Kräfte in die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz zu investieren. Ein weiteres "kämpfen" um den Arbeitsplatz bei Weltbild erscheint unter diesen Umständen nicht sinnvoll......

  • H. Kraft

    H. Kraft

    Die sich jetzt leider zeigende Lage bei Weltbild ist für alle Beteiligten ein Skandal.
    Und dies in erster Linie, weil ja überhaupt (so sieht es aus) kein Programm vorhanden ist, das Weltbild sozusagen wieder auf die Beine hilft. Durch immer nur weitere Einsparungen geht doch ein Unternehmen aber sicher ins Aus.
    Und selbst für den bisherigen Katalog gibt es kein neues Konzept. Über das Ausbleiben der Kunden braucht man sich dann aber nicht mehr zu wundern.
    H. Kraft

  • Filialmitarbeiter

    Filialmitarbeiter

    In den Filialen ist das Weihnachtsgeschäft wirklich komplett gefloppt, entgegen der offiziellen medialen Verlautbarung der Weltbild GF. Die meisten Filialen hatten einen Umsatzrückgang im Vorjahresvergleich um 30%, in manchen Filialen sogar über 50% zu beklagen. Und das waren noch nicht einmal die Filialen, die ohnehin demnächst geschlossen werden.
    So wird das nichts mehr.

    Wer mehr über Droege als Arbeitgeber wissen will. Die Motorrad-Zubehör Ketten "Polo" gehören ja auch zu Droege. Dort muss man mittlerweile, wenn man sich auf einen Minijob (der eh nur auf vier Monate befristet ist) bewerben möchte, eine "Schufa-Auskunft" und ein "polizeiliches Führungszeugnis" vorlegen.
    Schöne neue Arbeitswelt.

  • Ashton-Erich

    Ashton-Erich

    @ Filialmitarbeiter

    "Die meisten Filialen hatten einen Umsatzrückgang im Vorjahresvergleich um 30%, in manchen Filialen sogar über 50% zu beklagen"

    -> das ist heftig....!

    "So wird das nichts mehr"

    -> davon ist auszugehen.

    "... Motorrad-Zubehör Ketten "Polo" gehören auch zu Droege. Dort muss man mittlerweile, wenn man sich auf einen Minijob bewerben möchte, eine "Schufa-Auskunft" und ein "polizeiliches Führungszeugnis" vorlegen."

    -> dann macht es gar keinen Sinn, sich dort zu bewerben.

  • peter&paul

    peter&paul

    "Halbiert WB die Belegschaft?"
    DAS wäre doch zumindest eine positive botschaft, wenn die belegschatf nur halbiert wird, dann bliebe nämlich die andere hälfte der arbeitsplätze erhalten.
    ansonsten kann man sich nur immer aufs neue wundern, wie die gewerkschaftsfunktionäre die wb-mitarbeiter mit durchhalteparolen verar....albern.
    "Viele Leute verlassen das Unternehmen freiwillig, die halten das nicht mehr aus". - wie bitte ??? das sind doch wohl eher die cleveren mitarbeiter, die nicht warten wollen, bis der letzte das licht ausmacht.

  • Nicht einverstanden

    Nicht einverstanden

    @peter&paul
    wo ist da bitte die positive Nachricht, wenn von 445 Angestellten im Retailbereich gerade mal die Hälfte übrig bleibt und keine Handlungsfähigkeit mehr da ist.
    Die erste Dezimierung von 700 Kollegen liegt ja schon hinter uns.

  • G.Schlossen

    G.Schlossen

    @1. :Ich weiss wirklich nicht,ob ich Sie bewundern oder bedauern soll.Da bei WB alles schönreden und Zweckoptimismus schon immer zum guten Ton gehörten neige ich zu letzterem.Nehmen Sie das bitte nicht persönlich.
    @7. : clevere Mitarbeiter. Das glaube ich auch.Leider hatte nicht jeder in der Firma die Wahlmöglichkeit auszusteigen. Ich selbst zum Glück schon.

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