Antrag auf einstweilige Verfügung beim Landgericht München

Suhrkamp geht gegen Castorfs "Baal"-Inszenierung vor

Der Theaterregisseur Frank Castorf ist für seine manchmal brachialen Stückebearbeitungen bekannt. Seine "Baal"-Inszenierung am Münchner Residenztheater hat nun den Suhrkamp Verlag als Rechtehüter auf den Plan gerufen: Er will weitere Aufführungen von Brechts Drama in der Castorf-Bearbeitung gerichtlich untersagen lassen.

Der Verlag hat dazu beim Landgericht München einen Antrag auf einstweilige Verfügung gestellt, mit dem weitere Aufführungen verhindert werden sollen. Mit einer Entscheidung wird noch in dieser Woche gerechnet.

In einer Stellungnahme des Verlags heißt es, "bei der am 15.1. 2015 am Münchner Residenztheater unter dem Titel BAAL gezeigten Inszenierung" handele "es sich um eine nicht-autorisierte Bearbeitung des Stückes von Bertolt Brecht". Innerhalb der Produktion würden umfänglich Fremdtexte verwendet, die Werkeinheit werde aufgelöst.

Frank Castorf verlegt die Handlung des Stücks in den Kontext des Vietnam-Kriegs, fügt Texte anderer Autoren ein und löst die Chronologie des Stücks auf. Nach Ansicht des Residenz-Intendanten Martin Kušej sei dies ein für Castorf charakteristisches Verfahren. Das hätte der Verlag wissen müssen, als er ihm die Aufführungsrechte einräumte. Suhrkamp sieht das anders: Weder habe es Absprachen zur Verwendung von Fremdtexten gegeben – ein Verstoß gegen das Urheberrecht – noch sei dem Verlag entgegen mehrmaliger Aufforderung die endgültige Spielfassung zur Verfügung gestellt worden. Eine Sprecherin sagte, der Verlag habe als Inhaber der Rechte eine Sorgfaltspflicht gegenüber den Werken des Autors. Es gehe aber nicht darum, so der Verlag, künftig Theaterschaffende von einer Beschäftigung mit Verlagswerken prospektiv auszuschließen. 

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