Antiquariat

ZVAB/Abebooks: weitere Reaktionen

Wolfgang Rieger steigt beim ZVAB aus, der Verband Deutscher Antiquare freut sich über die "öffentliche Anerkennung" seiner "Grundsätze", Rainer F. Meyer bleibt skeptisch.

Der Freiburger Antiquar Dr. Wolfgang Rieger ist konsequent und steigt demnächst ganz als ZVAB-Anbieter aus. In einer Mitteilung "In eigener Sache" schreibt Rieger: "Meinen Exlibris-Bestand finden Sie nicht mehr, meinen Buch-Bestand nur noch wenige Monate im Zvab. Das hat einen einfachen Grund: Das Zvab wird in Abebooks integriert. Beide Firmen gehören Amazon, und Kosten sollen eingespart werden. Leider sind die Standards von Abebooks für mich völlig ungenügend. Nur ein Beispiel: Im Zvab kann ich die Versandkosten entsprechend des Gewichts angeben, bei Abebooks muß ich mit einer Pauschale arbeiten. Ob ich ein Exlibris oder eine vielbändige Goethe-Ausgabe verschicke, bleibt sich gleich, ich muß einen Betrag X für die Versandkosten angeben. Natürlich könnte ich die Preise für Bücher anheben oder für Exlibris senken, aber das ist mir bei rund 8500 gelisteten Positionen zu viel Aufwand. Hinzu kommt - aber das betrifft nur mich - eine völlig ungenügende Rechnungsstellung und die Arroganz des Amazon-Imperiums. Wer die schikanöse, entwürdigende und kafkaeske Amazon-Verkäufer-Verifikation durchlaufen hat, weiß, wovon ich rede. Aber: Es gibt Alternativen. Nach wie vor finden Sie meinen gesamten Bestand bei Antiquariat.de und Booklooker.de."

Einen anderen Akzent setzt der Verband Deutscher Antiquare, auf den seit einiger Zeit auf der Startseite des ZVAB prominent hingewiesen wird – einschließlich einer eigenen Suchmaske in den von Verbandsmitgliedern angebotenen Beständen im ZVAB (siehe auch den ähnlichen Hinweis bei Abebooks). In einem auf der Verbandswebsite veröffentlichten Schreiben des Vorsitzenden Christian Hesse (Hesse Auktionen, Hamburg) an die Mitglieder werden mögliche Vorteile dieser bevorzugten Platzierung gegenüber den anderen Anbietern hervorgehoben. Hesse legt zugleich Wert auf die Feststellung: "Dies ist eine Initiative des ZVAB und geschieht nicht im Auftrag oder auf Anregung unseres Verbandes."

Ob sich nicht doch einige politischer denkende Verbandsmitglieder an dieser recht defensiv wirkenden Haltung stoßen? Christian Hesse ist, wie er sagt, "gespannt" auf Rückmeldungen. Interessant ist jedenfalls im größeren Zusammenhang, dass derzeit offenbar nur rund 60 der circa 220 Mitglieder des Verbands Deutscher Antiquare bei Abebooks vertreten sind, im ZVAB aber "über 100". Ab dem Herbst wird es diese Abweichung nicht mehr geben, da ZVAB-Anbieter künftig ein Abebooks-Verkäuferkonto eröffnen müssen, und exakt das Entfallen dieser bisher gegebenen Wahlmöglichkeit ist ja ein wichtiger Kritikpunkt der Antiquare, die hiervon betroffen sind.

Der Berliner Antiquar Rainer F. Meyer reagiert in seinem Blog (siehe hier) auf einen "Buchreport"-Bericht von letzter Woche (siehe hier), wonach ZVAB/Abebooks auf einige der Kritikpunkte der Antiquare mit Nachbesserungen reagieren will. Meyer bleibt skeptisch: "Auf jeden Fall typisch für derart schnelle, schlecht vorbereitete Änderungen ist das wenigstens partielle Zurückrudern wie in diesem Fall. Kleine Zugeständnisse, die weder alle Kritikpunkte abdecken noch etwas erklären, sollen die Wogen erstmal glätten: Sind die Antiquare erst vom ZVAB zu ABE gewechselt, so scheint man zu glauben, werden sie schon bei der Stange bleiben."

Auch Meyer kündigt an, sich zur ZVAB-Umstellung im Oktober als Anbieter von dieser Plattform zu verabschieden. 

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10 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Martin Fingerhut - oft Kunde bei Antiquaren

    Martin Fingerhut - oft Kunde bei Antiquaren

    Seit ca. 15 Jahren treuer und zufriedener ZVAB-Kunde.
    Bis jetzt auch trotz amazon.
    NOCH !
    GEWESEN !
    Tschüß amazon !

  • Hans - Joachim Schulz

    Hans - Joachim Schulz

    Das sind nun zwei Antiquare, die ZVAB einen vorsichtigen Fehdehandschuh hingeworfen haben. Aber es gibt viele Kollegen, die im Innern toben, dass nun wieder eine halbtote Sau durch den Monopolwald getrieben wird. Viele müssen der Jagd folgen und werden es nicht schaffen auch am Ende halbwegs die rettende Lichtung zu erreichen, kurz: krepieren - aufgeben. Viele werden sich von dem Monopolwald abwenden und sich im freien Feld den mickrig kleinen Hasen zuwenden und dem Sautreiber das Halbtote überlassen, in der Hoffnung, dass dieses bereits vergiftet ist. Faulendes Fleisch am noch lebenden Körper entfaltet ein besonderes Gift. Kurz: Der Exodus der jetzigen ZVAB-Antiquare hat noch garnicht begonnen.

  • Peter Kultzen

    Peter Kultzen

    Zumindest aus Sicht des "Laien" ist es doch ganz einfach: Künftig alles über Antiquariat.de und Booklooker.de.
    Herzliche Grüße aus Berlin,
    Peter Kultzen

  • Michael Eschmann

    Michael Eschmann

    Es mag aus der Sicht eines "Laien" einfach sein, zu sagen, man bestelle zukünftig über zwei kleinere Datenbanken. Die Wirklichkeit jedoch ist viel schwieriger. ZVAB und Abebooks sind gut bekannte und damit auch fest verankerte "Markennamen" im Internetbuchhandel. Die breite Masse der Besteller greift deshalb immer wieder auf sie zurück. Man bestellt eben gerne bei "vertrauten" Namen. So wünschenswert es wäre, dass Antiquariat.de und Booklooker.de an Aufmerksamkeit und Zuspruch zulegen könnten, so gering erscheint jedoch die Chance, dass dies auch wirklich in naher Zukunft geschehen wird, wenn beide Plattformen jetzt nicht die "Gunst der Stunde" wittern und einiges ändern. Mir hat die Initiative eines Kollegen gefallen, Antiquariat.de aufzufordern, die Grundgebühren für Einstellungen aufzuheben und nur noch die Verkaufsprovisionen zu berechnen. Was ist daraus geworden? Hier wäre eine große Chance, bis Oktober 2015 mindestens 200-300 (professionelle!) Neuanbieter zu gewinnen. Warum werden die Antiquariate, die noch nicht auf Antiquariat.de anbieten, nicht einfach angeschrieben bzw. mit einer kostenlosen Einstellung ihrer Bestände für eine Verkaufspräsenz angeworben? Dieser enorme "Neuzuwachs" an qualitätsvoller Ware würde letztendlich - auf längere Sicht - auch Antiquariat.de zu Gute kommen und das Unternehmen noch bekannter machen.
    .

  • Rainer Kocherscheidt

    Rainer Kocherscheidt

    Mit Verlaub, von den Plattformen, die keine Grundgebühr von ihren Mitgliedern nehmen, also booklooker.de. antikbuch24.de, biblioman.de, antbo.de und buchfreund.de, hat erfahrungsgemäß zur Zeit lediglich booklooker ein erfreuliches Standing und entsprechende Umsätze. Die niedrige Grundgebühr von antiquariat.de ist von JEDEM Kollegen, der ein gewisses Maß an Qualität bietet und der Willens ist, diese kontinuierlich zu verbessern, ohne Probleme zu erwirtschaften. Jedes Mitglied erhält eine monatliche ordentliche Rechnung, mit der bekanntlich die Einkommensteuerlast gemindert werden kann. Wenn man etwas verändern möchte, dann muß man eben auch etwas Geld in die Hand nehmen. Wo ist das Problem? Man stecke einfach die durch die Zusammenlegung der Einstellgebühren auf Abebooks/ZVAB eingesparten Gelder in eine Mitgliedschaft bei antiquariat.de und zeige damit Flagge. Man stelle sich vor, 200 - 300 neue professionelle Anbieter auf antiquariat.de und schon verbesserte sich durch die zusätzlichen finanziellen Mittel Werbung, Wartung, Service und Bekanntheit. Voilà! Ich oute mich hiermit als reuloser Genosse.

  • Andrea Lang

    Andrea Lang

    Erwähnenswert ist auch http://www.Antikbuch24.de

  • Stefan Zwang

    Stefan Zwang

    Aus Sicht des "Laiens" bzw. Käufers ist es nicht "doch ganz einfach: Künftig alles über Antiquariat.de und Booklooker.de" zu suchen, da das ZVAB den besten Komfort bei der Anzeige der Suchergebnisse und der Sortierung bietet. Das Suchwort wird gut erkennbar in der Buchbeschreibung hervorgehoben und die Sortierung ist zuverlässig z.B. "nach Erscheinungsjahr auf- oder absteigend" möglich. Das alles hilft, bei einem großen Suchgebiet, in der Masse der Angebote noch halbwegs die Klasse zu finden.
    Bei Booklooker.de wird z.B. das Suchwort überhaupt nicht markiert und die Sortierung nur nach "Erscheinungsjahr absteigend" vorgegeben.
    Nach fast 20 Jahren Buchdatenbanken im Internet sollte doch längst bei allen Plattformen der "Suchkomfort" zum Standard geworden sein.

  • Frank Albrecht

    Frank Albrecht

    Sehr geehrter Herr Zwang,

    genau aus den von Ihnen aufgeführten Gründen wird die Abe-Übernahme des ZVAB zu einem Rückschnitt, da dann eine Sortierung nach Jahreszahl nicht mehr möglich ist und die Suchwörter nicht hervorgehoben werden. Auf antiquariat.de geht das aber alles problemlos.

  • Matthias Hesse, Kunst und Bücher

    Matthias Hesse, Kunst und Bücher

    Auch ich gehöre zu denjenigen, die sich von ZVAB/Abe im Oktober verabschieden werden. Wie es dann weitergeht, steht für mich noch nicht fest. Alle anderen Anbieter, die oben genannt wurden, liefern zusammen nicht die Menge an Bestellungen wie das ZVAB.
    Momentan habe ich mein altes Konto bei Abebooks widerstrebend wieder eröffnet und es mit dem ZVAB Konto verknüpft, auf die Aussage vertrauend, dass vorläufig nur die ZVAB-Grundgebühr anfällt. Dennoch habe ich von Abebooks postwendend eine (wie üblich undurchsichtige) Rechnung über "Anteilige Einstellgebühren: 4/2015 - 0 Bücher **" bekommen. Null Leistung, aber schon wieder die erste Rechnung?

    Einen Tipp noch, um weitere Umsätze am Amazon-Imperium vorbei zu generieren: Über ein Konto bei Biblioman läßt sich der eigene Buchbestand relativ einfach und ohne zusätzliche Kosten auch zu eBay spiegeln.

  • Henrik Schulze, Inh. Antiquariat Jüterbook

    Henrik Schulze, Inh. Antiquariat Jüterbook

    Ich gehörte ebenfalls zu den Unzufriedenen wegen des Eingehens von ZVAB in Abebooks. Die wichtigsten Gründe sind von den Vorrednern bereits genannt. Bei identischem Bestand bekomme ich über Abebooks nur einen Bruchteil der Bestellungen, die über ZVAB generiert werden, was beweist, die Kunden nehmen Abebooks nicht in gleichem Maße an. Bis zum Sommer werde ich die Sache genau beobachten und mich dann endgültig entscheiden.

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