Verkaufsstart der Apple Watch

Die Uhr ist da, der Content (noch) nicht

Wenn Apple heute die ersten der geschätzten 2,3 Millionen Vorbestellungen seines iPhone Accessoires Apple Watch ausliefert, dürften auch Verlage einen genauen Blick auf das neue Luxus-Gadget werfen. Es könnte der Vorbote für eine neue Art des Publishing sein.

Entwickler weltweit haben bereits im Vorfeld des heutigen Verkaufsstarts mehr als 3.000 Apps für die Apple Watch entwickelt. Unter diesen finden sich jedoch nur wenige Anwendungen aus Verlagshäusern. Die wenigen verfügbaren Beispiele stammen – wie wäre es anders zu erwarten – vor allem von US-amerikanischen Medienhäusern wie CNN, New York Times oder NPR. Deutsche Verlage verhalten sich einmal mehr sehr zurückhaltend. Und sind gut beraten damit.

Die Frage, ob sich Verleger mit der Apple Watch als ernstzunehmender Plattform für die Distribution von Content auseinandersetzen müssen, lässt sich derzeit nicht leicht beantworten. Maßgeblich wird sein, wie Anwender der Apple Watch das Gerät verstehen und einsetzen werden. Ob als erweitertes Display ihres Apple iPhone oder tatsächlich als eigenständigen Kanal zur Mediennutzung. Erste Erkenntnisse hierzu stehen noch aus. In einigen Bereichen der Medienwelt aber könnte die Apple Watch die Spielregeln der Content-Erstellung und -Verbreitung neu definieren.

In der Nachrichten-Berichterstattung beispielsweise hat die Apple Watch das Potenzial, eine neue Ära einzuläuten, die des »Glance Journalism«. Erster Vertreter dieser neuen Gattung sehr kurz gefasster, nachrichtlicher Meldungen ist die altehrwürdige New York Times. Der Verlag geht mit einer eigens für die Apple Watch entwickelten App an den Start, über welche knappe, nur aus einem Satz bestehende Meldungen per Push auf das kleine Display der Apple Watch gesendet werden können. Vergleichbar mit einem News Alert.

»Es ist kein Tweet, keine Headline oder eine Kurzversion einer Story«, beschreibt die New York Times selbst die Inhalte der neuen App. »Es ist eine vollkommen neue Form des Storytelling, mit der Leser Nachrichten in Sekundenschnelle erfassen können«. Die Länge dieser Meldungen, heißt es weiter, unterliege keiner Zeichenbeschränkung. Der Redaktion gehe es beim Verfassen einzig und allein darum, den auf dem 38-Millimeter kleinen AMOLED-Display der Apple Watch zur Verfügung stehenden Platz bestmöglich auszunutzen. Klingt nach Auf-Zeile-Schreiben 2.0.

Ebenfalls von Anfang an mit einer eigenen App aus der Apple Watch vertreten sein wird The Economist. Der Verlag verfolgt jedoch eine andere Strategie und versteht das Produkt tatsächlich als das, was es eigentlich ist: ein Accessoire für das iPhone. Im Falle von The Economist übernimmt die Apple Watch die Funktion einer Fernbedienung, mit der sich die Audio-Ausgaben des Verlages auf dem iPhone steuern lassen. Allerdings verweist der Verlag schon heute darauf, dass sich die Strategie des Hauses noch grundlegend ändern könne. Man wolle zuerst beobachten »wie das Gerät von Leser angenommen und genutzt werde«, sagt der stellvertretende Chefredakteur Tom Standage.

Und tatsächlich scheint dies die Gretchenfrage dafür zu sein, ob Verleger Geld und Ressourcen auf die Erschließung der Apple Watch für die eigenen Publikationen verwenden sollen. Erst wenn es der Apple Watch gelingt, sich als eigene Plattform zu etablieren und nicht nur kostspieliges Accessoire des iPhone ist, sollten Verleger sich ernsthaft mit der Erweiterung des verlegerischen Angebotes für die Apple Watch beschäftigen.

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1 Kommentar/e

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  • Micha Wied

    Micha Wied

    Gefühlt ist die Diskrepanz zwischen E-Books als epubs der meisten Buchverlage und einem Apple-Watch-Newsticker bspw. schon verdammt groß. Welche Ideen sich Verleger da wohl ausdenken (können)? ... Mal abgesehen von der kritischen Masse der Nutzer.

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