Letter of Intent mit Zeilenwert

MVB will sich vom E-Book-Geschäft trennen

Die MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH leitet die Trennung vom E-Book-Geschäft unter der Marke Libreka ein. Dazu werde exklusiv mit der Zeilenwert GmbH als strategischem Partner verhandelt, teilte die MVB mit.

Die MVB wolle sich künftig gemäß Branchenauftrag auf das Thema Metadatenmanagement und neue Dienstleistungen fokussieren - daher sei ein strategischer Partner gesucht worden, der die langfristige Kontinuität von Marke und Angebot sichert, so die MVB.

Dieser strategische Partner solle einen wesentlichen Anteil von Libreka oder den gesamten Geschäftsbereich übernehmen, heißt es in der Pressemitteilung. Dazu verhandele die MVB derzeit exklusiv mit der Zeilenwert GmbH aus dem thüringischen Rudolstadt. Ein entsprechender Letter of Intent (LOI) sei am gestrigen Mittwoch unterzeichnet worden. Im nächsten Schritt werde die MVB den Geschäftsbereich Libreka in eine eigene Firma ausgliedern, die den Geschäftsbetrieb der E-Book-Distribution in gewohnter Servicequalität für die Kunden weiterführt.

„Mit Zeilenwert haben wir einen professionellen Partner gefunden, der qualitativ auf höchstem Niveau arbeitet und sich mit seinem umfassenden Angebotsspektrum ideal für eine strategische Beteiligung eignet. Deshalb führen wir die weiteren Gespräche zur Ausgestaltung einer Partnerschaft exklusiv mit dem Experten-Team von Zeilenwert“, erklärt Ronald Schild, Geschäftsführer der MVB.

„Die Verhandlungen mit der MVB sind für uns ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung unseres schnell wachsenden Unternehmens. Wir freuen uns sehr, dass wir das Libreka-Team mit unserem Geschäftsmodell überzeugen konnten“, sagt Thorsten Schreiber, der die Geschäfte von Zeilenwert gemeinsam mit Sebastian Lübcke führt.

Die Zeilenwert GmbH sei im Mai 2012 mit dem Vorsatz angetreten, alle Dienstleistungen rund ums E-Book aus einer Hand anzubieten und dabei auch kleinen und mittleren Verlagen eine Chance im digitalen Markt zu geben. 2013 wurde das Unternehmen dafür mit dem KfW-Award GründerChampions ausgezeichnet. Das ehemalige Start-up hat sich eigenen Angaben zu Folge in der Zwischenzeit als Dienstleister etabliert und arbeitet derzeit mit über 250 Verlagen zusammen.

„Mit Libreka als erstem vollständigen und unabhängigen Katalog für E-Books haben wir einen entscheidenden Impuls für die Digitalisierung von Büchern gegeben und die Vielfalt im Handel mit E-Books im deutschsprachigen Raum sichergestellt. Damit haben wir unseren Auftrag erfüllt“, so Ronald Schild. „Die MVB wird sich jetzt in ihrer Arbeit auf das zentrale Projekt VLB+ und den Ausbau der Verlagsprodukte Börsenblatt und Buchjournal sowie der Branchenplattform buchhandel.de konzentrieren.“ 

Im Zentrum der MVB-Aktivitäten stehen der Mitteilung zu Folge aktuell die Datenqualität des VLB sowie dessen technologisch Plattform. Weiterhin gehe mit dem Titelinformationssystem VLB-TIX, das derzeit gemeinsam mit Newbooks Solutions umgesetzt wird, in Kürze die Branchenlösung für digitale Vorschauen in die Pilotphase. Schon heute unterstützten die beiden Partner mit dem Joint Venture VLB-Services Verlage bei der Optimierung ihrer Metadaten.

Parallel forsche die MVB gemeinsam mit Branchenvertretern daran, wie die Auffindbarkeit von Büchern über semantische Suchalgorithmen optimiert werden kann. Diese Fokussierung folge den Anforderungen der Branche, die im Rahmen der Task Force Metadatenbank formuliert wurden.

 

Die Entwicklung von Libreka

  • 2006 Der Börsenverein beauftragt das Projekt Volltextsuche Online (VTO) bei der MVB
  • 2007 Produkt-Launch unter der neuen Marke Libreka zur Frankfurter Buchmesse, Reinlesen-Funktion Libreka Link-up steht zur Verfügung
  • 2009 Seit der Leipziger Buchmesse können E-Books über Libreka erworben werden, „E-Book-Data“ startet als Angebot zur Shop-Einbindung
  • 2012 Im September stehen über eine halbe Million E-Books zum Kauf bereit
  • 2014 Im März umfasst das Angebot über eine Million digitale Bücher, im Dezember wachsen die Online-Shops für E-Books und gedruckte Bücher unter der Marke buchhandel.de zusammen
  • 2015 Zu Jahresbeginn wird der Libreka-Euro eingestellt

 

Libreka in Zahlen

  • mehr als eine Million E-Books
  • 1.600 teilnehmende Verlage, fast 1.200 nutzen die E-Commerce-Funktionalitäten
  • über 1.000 Handelspartner bieten E-Books von Libreka an
  • fast 1.700 Verlage nutzen die Volltext-Funktion
  • über 50 Millionen Buchseiten über Volltext-Funktion im Netz auffindbar
  • Integration der Reinlesen-Funktion in drei der fünf größten Online-Shops und über 1.000 Internet-Seiten
  • Integration von Libreka in zahlreiche Bibliothekskataloge

 

 

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5 Kommentar/e

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  • TausendSchön

    TausendSchön

    Wirtschaftliche Parameter von LIBREKA suche ich in dem Artikel vergeblich. Wieviele Downloads von E-Books finden über LIBREKA statt? Welche Umsätze werden über LIBREKA generiert? Wie ist die Ertragslage von LIBREKA? Was haben Verlage und Buchhändler mit LIBREKA verdient? Wieviel wurde investiert, wieviel erlöst die MVB jetzt aus den enormen Investitionen und Kosten der vergangenen 9 Jahre? Am 30.04. kurz vor dem langen Wochenende wird hier ein grandios gescheitertes wirtschaftliches Engagement der MVB bekanntgegeben. 2006 auf den Buchhändlertagen in Berlin wurde öffentlich abgestimmt, ob LIBREKA gestartet wird - gab es jetzt eine öffentliche Abstimmung, LIBREKA zu beenden? Wo sind die Stellungnahmen der Protagonisten von 2006, die das Projekt persönlich und politisch durchgedrückt haben? "Strategischer Partner", "exklusiv", "Expertenteam" - was für lächerliche Worthülsen für einen Megaflop!

  • Rolf Klein

    Rolf Klein

    "Zeilenwert wurde 2012 gegründet um kleinen und mittleren Verlagen die Möglichkeit zu geben, am digitalen Markt teilzunehmen" ! Das war doch eine, wenn nicht gar die originäre Aufgabe von Libreka und der MVB. Das liest sich für mich wie, wir sind gescheitert. Auch interessant, dass sich die MVB wieder - zum wievielten Mal eigentlich - mit der Verbesserung der Datenqualität des VLB beschäftigt.

  • rehse

    rehse

    Da wurde viel Seele und Herzblut investiert.
    Dann wird alles, vermutlich für ein Ei ohne Butterbrot abgegeben.
    Und dies an eine Firma, die erst seit 2012 besteht.
    Na ja, US-Verhältnisse halt,.
    Schade um die Frankfurter Mitarbeiter.

  • TausendSchön

    TausendSchön

    Am 29.04. berichtet das Börsenblatt über eine Tagung des Verlegerausschuss' u.a. über das VLB und eBooks. http://www.boersenblatt.net/artikel-sitzung_des_ve rleger-ausschusses.958989.html Mit keinem Wort wird der Verkauf von Libreka erwähnt. Einen Tag später kommt dann die Meldung über den Verkauf von Libreka. Offensichtlich hat also der Verlegerauschuss nicht über diese wichtige Frage beraten und entschieden, sonst hätte das Börsenblatt doch darüber berichtet. Wer aber hat dann über diesen Schritt entschieden?

    Das Thema Libreka sollte auf jeden Fall anlässlich der Buchhändlertage in Berlin behandelt werden. Hier gibt es Verantwortlichkeiten: In der MVB für das wirtschaftliche Ergebnis von 9 Jahren enormer Investitionen und Kosten und nicht zuletzt für einen unglaublichen Personalverschleiß bei den Projektmanagern von Libreka. Im Börsenverein muss der ambitionierte politische Beschluss aus dem Jahr 2006, Libreka aufzusetzen, jetzt auch beim Ausstieg von den Mitgliedern politisch diskutiert werden. Es kann nicht sein, dass sich MVB und Börsenverein hier mit einer kleinen Pressemitteilung selbst aus der Verantwortung entlassen. Dafür war das Projekt zu ambitioniert und zu teuer.

  • Th. Kleinschmidt

    Th. Kleinschmidt

    Immer wieder gab es Kritik an Libreka, sei es anhand von anonymen Brandbriefen, Blogs, dieser Kommentarspalte... vieles davon ohne Frage berechtigt. Dennoch hat man in Frankfurt krampfhaft an dieser Idee, diesem Produkt festgehalten. Bei jedem neuerlichen Ausrutscher (z.B. "Netto-Gate") wurde gebetsmühlenartig wiederholt, wie wichtig Libreka für die Branche und auch gerade für das unabhängige Sortiment sei. Und nun, sang- und klanglos, ohne großes Trara und ohne Staatsbegräbnis verabschiedet sich der Börsenverein (vertreten durch die Wirtschaftstochter) von Libreka. Stimme meinem Vorredner völlig zu, was die Diskussionswürdigkeit dieser Entscheidung angeht. Es wäre ein ganz falsches Signal, wenn die Branche diese Mitteilung mehr oder weniger unkommentiert und undiskutiert abnickt.

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