Thalia Geschäftsjahr 2014/15

Zwei Prozent Wachstum und ein positives Ergebnis

Es wird wieder Geld verdient bei Thalia: „Wir haben im vergangenen Geschäftsjahr ein positives Ergebnis erzielt“, sagte Thalia-Chef Michael Busch beim gestrigen Pressegespräch in der Hagener Thalia-Zentrale. Der Umsatz stieg gegenüber dem Geschäftsjahr 2013/14 (1. Oktober 2013 bis 30. September 2014) um zwei Prozent – über alle Vertriebskanäle.

Die vor drei Jahren eingeleitete Neustrukturierung des Filialnetzes ist für Busch „abgeschlossen“. Nachdem rund 20 Filialen geschlossen und manche Standorte komplett aufgegeben wurden, sei man nun in der „Normalität“ angekommen, so Busch. Das heißt in die kaufmännische Praxis übersetzt: Überall dort, wo sich Kundenströme verlagern, wird man auch Filialen an günstigere Standorte verlegen. Dort, wo sich neue Chancen bieten – an Standorten, an denen Thalia bisher nicht vertreten war - , wird es auch Neueröffnungen geben wie kürzlich in Bremen-Vegesack.

Bei Filialneueröffnungen werde die Verkaufsfläche in der Regel zwischen 400 und 600 Quadratmetern liegen. Thalia hat damit begonnen, sein neues Store Concept umzusetzen, das auf der Prämisse basiert, die traditionellen Werte des Buchgeschäfts mit der neuen Welt des digitalen Lesens zu verknüpfen. Beispiele sind die Filialen im Linden Center Berlin und in der Glacis-Galerie in Neu-Ulm.

Gewachsen ist Thalia auch im E-Commerce, und dort vor allem im E-Book-Geschäft: Dort konnte der Filialist seinen Marktanteil von 16 Prozent auf 19 Prozent ausbauen. Die Wachstumsrate lag bei 25 Prozent. Absolute Zahlen nennt das Unternehmen nicht.

Kern des Geschäfts sind nach wie vor gedruckte Bücher, die rund 80 Prozent des Filialsortiments ausmachen. Die neuen Sortimente, zu denen neben DVDs und Musik-CDs auch PBS-Artikel und Spiele gehören, nehmen die übrigen 20 Prozent ein. Mit zweistelligen Wachstumsraten sei dies ein dynamisches Segment.

Wichtig sei aber, dass es sich dabei um Produkte handelt, die „einen inhaltlichen Bezug zum Buch haben“, so Busch. „Die Zeit der Experimente ist vorbei.“

Gegen den Trend habe man in den meisten Filialen die Buchfläche erweitert, auch zu Lasten neuer Sortimente. Dies habe dem Buchgeschäft gutgetan: „Wir wachsen im Buchhandel auch beim Buch.“

„Wir stehen jetzt wirtschaftlich auf gesunden Füßen“, sagte Busch, „wir sind aber noch nicht an dem Punkt, an dem wir waren und zu dem wir kommen müssen.“ Der Thalia-Chef will die „Digitalisierung weiter forcieren“, das Wachstumspotenzial der neuen Sortimente nutzen und auch im Filialbereich wachsen. Die Cross-Channel-Strategie, die das stationäre Geschäft mit dem E-Commerce und dem digitalen Segment verzahnt, will Busch weiter vorantreiben. Dazu gehört die konsequente Verlängerung des stationären Sortiments in die anderen Vertriebskanäle bis hin zur Thalia App hinein. Ziel soll ein „einheitliches Produkterlebnis“ über die Vertriebskanäle und Darreichungsformen hinweg sein. In die App wird stark investiert: So soll bis Ende des Jahres die Verfügbarkeitsanzeige für Titel in den Filialen mit einer aktiven Abreservierung verknüpft werden. Der Kunde wird dann von der Filiale benachrichtigt, ob der gewünschte Titel auch tatsächlich vorhanden und für ihn zurückgelegt ist.

Das Innovationsfeld Tolino trage wesentlich zur Geschäftsentwicklung von Thalia bei. Da der Marktanteil Thalias bei E-Books höher sei als beim Vertrieb gedruckter Bücher, könne man den Schwung aus dem digitalen Geschäft auch für die Entwicklung des stationären Geschäfts nutzen.

Busch betonte die elementare Rolle der rund 250 Thalia-Buchhandlungen in Deutschland und in Österreich (dazu kommen rund 35 aus dem Joint Venture mit Orell Füssli in der Schweiz) für die Umsetzung der Cross-Channel-Strategie. Sie sind es, die mit ihrem Wissen und ihrer Beratungskompetenz dem Geschäft „ein Gesicht geben“. Das zeige sich zum Beispiel bei dem neuen Service Thalia next, der auf persönlichen Buchhändlerempfehlungen basiert. Der Kunde kann dabei sehen, welcher Buchhändler ein bestimmtes Buch empfiehlt – vielleicht gerade der Buchhändler vor Ort, bei dem er auch sonst seine Bücher kauft.

Dass der Tolino eine Erfolgsgeschichte geworden sei, habe ebenfalls mit dem Engagement der Buchhändler zu tun. „Weil sie verstanden haben, dass das digitale Lesen Teil ihres künftigen Geschäfts ist und selbstverständlicher Teil des Leseerlebnisses, überträgt sich dies auch auf die Kunden. 80 Prozent aller Tolino-Reader werden in unseren Läden verkauft.“ Ohne diese hohe Quote hätte Thalia nicht den entsprechenden E-Commerce-Erfolg erzielt.

Nach Buschs Ansicht könnte das Cross-Channel-Konzept des Buchhandels auch der gesamten Branche einen Zusatznutzen stiften. „Die Verlage sollten bei Bundles innovativer werden und den Kunden attraktive Angebote machen.“ Es sei ärgerlich, wenn ein Kunde, der einen Roman gedruckt und digital lesen wolle, für denselben Inhalt zweimal bezahlen müsse. „Dies könnte eines der großen Messethemen werden: dem Kunden aus den verschiedenen Darreichungsformen ein attraktives Paket zu schnüren“, so Busch.

Ein Verkauf von Thalia ist derzeit kein Thema: „Da steht niemand unter Druck. Und ich hätte mir für die Neustrukturierung keine bessere Eigentümerkonstellation vorstellen können als die Familie Kreke und Advent", so Busch.

Die Zahlen im Überblick

Geschäftsjahr: 2014 / 15 (1. Oktober 2014 bis 30. September 2015

Umsatzplus: 2 Prozent

Marktanteil bei E-Books: 19 Prozent

Umsatzplus bei E-Books: 25 Prozent

Sortimentsanteil Buch: 80 Prozent

Anteil verkaufter Tolino-Reader im stationären Geschäft: 80 Prozent

Filialen in Deutschland: ca. 220

Filialen in Österreich: ca. 30

Filialen in der Schweiz (Joint Venture mit Orell Füssli): ca. 35

roe

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