Sortmenter-Ausschuss kritisiert Springer-Lizenzvertrag

"Existenzielle Bedrohung für den Fachbuchhandel"

Der Sortimenter-Ausschuss im Börsenverein kritisiert in einer Stellungnahme den Abschluss einer Landeslizenz zwischen dem wissenschaftlichen Fachverlag Springer und dem Bundesland Sachsen als "handelsfeindlich". Der SoA fordert die beiden Parteien auf, "ihren Lizenzabschluss zu überdenken".

Die Stellungnahme, die vom SoA-Vorsitzenden Thomas Wrensch unterzeichnet ist, bezieht sich auf eine Aussage des Springer Verlags, dass die staatlichen Hochschulen in Sachsen (Universitäten, Fachhochschulen, Berufsakademien) durch die Landeslizenz direkt von Springer Zugriff auf alle deutsch-sprachigen E-Book-Pakete des Copyright-Jahres 2016 sowie E-Journals des Verlags erhalten würden. Der Buchhandel und Agenturen seien von diesem Geschäft völlig ausgeschlossen, kritisiert der SoA. Man habe dies mit "Erstaunen und Verärgerung" zur Kenntnis genommen.

Weiter heißt es in der Stellungnahme im Wortlaut:

"Springer kündigt damit die Zusammenarbeit mit dem Handel auf – eine vertrauensvolle und faire Partnerschaft sieht anders aus. Insbesondere verärgert das Vorgehen im Zusammenhang mit den E-Book Paketen, haben doch Händler hier viel Engagement in Vertrieb, Beratung und Schulung gesteckt und damit wesentlich und entscheidend zum Marktaufbau beigetragen, von dem sie nun ausgeschlossen sind.

Es ist zudem zu befürchten, dass der Verlag ähnliche Modelle auch in anderen Bundesländern anstreben und dem Sortiment so noch weiter das Wasser abgraben will. Für den Fachbuchhandel stellt dies eine existenzielle Bedrohung dar, nachdem in den letzten Jahren erhebliche Investitionen in moderne digitale Infrastrukturen getätigt wurden.

Im Übrigen stünde es auch dem Land Sachsen gut an, seine Geschäftspraktik noch einmal zu überprüfen. Der erst vor wenigen Wochen von der Staatsministerin für Kultur und Medien vergebene Buchhandlungspreis belegt, dass andere öffentliche Institutionen sehr wohl verstanden haben, welchen Beitrag der Buchhandel zum kulturellen und intellektuellen Leben in der Bundesrepublik leistet. Die sächsischen Bibliotheken erweisen sich zudem einen Bärendienst, da sie mit diesem Vertrag leistungsfähigen Fachbuchhandlungen erforderlichen Umsatz und Erträge aus dem Handel mit Springer Produkten verwehren, welche erforderlich sind, um die ansonsten gerne in Anspruch genommenen Beratungs- und Bündelungsdienstleistungen zu nutzen.

Der Sortimenter-Ausschuss fordert Springer und das Land Sachsen auf, ihren Lizenzabschluss zu überdenken und zu einem partnerschaftlichen Umgang mit dem Buchhandel zurückzukehren."

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