Antiquariat

"Das alte ZVAB war weitaus besser und durchdachter"

"Das ZVAB hat den (schon vorher lädierten) Status als Referenzplattform endgültig verloren." Auswertung einer boersenblatt.net-Umfrage unter Antiquarinnen und Antiquaren.

Auf eine einwöchige anonyme Online-Umfrage, die die Redaktion Antiquariat am 1. Dezember gestartet hat, sind insgesamt 63 Antworten eingegangen (vielen Dank dafür!). Unter der Überschrift "Das ZVAB vier Wochen nach der Umstellung" bestand die Umfrage aus lediglich zwei allgemeinen Fragen:

1. Welche Erfahrungen machen Sie mit dem neuen ZVAB?

2. Wo sehen Sie Verbesserungsmöglichkeiten beim ZVAB?


Zur ersten Frage

Viele Anbieter berichten von teils kräftigen Umsatzeinbußen (die Angaben, sofern sie konkret ausfallen, schwanken zwischen 30 und 70 Prozent Rückgang) in den ersten Wochen nach der ZVAB-Umstellung, bei einigen stabilisiert sich die Lage aber langsam wieder.

Groß ist die Enttäuschung mancher Umfrageteilnehmer über die vielen kleineren Mängel der neuen Seite und über die schlechte Kommunikation des Plattformbetreibers, der Beschwerden nur langsam abarbeitete.

Einige andere Umfrageteilnehmer verspüren keine Umsatzrückgänge, berichten sogar in mehreren Fällen von einer gestiegenen Anzahl von Buchbestellungen aus dem Ausland.


Zur zweiten Frage

Die Kritik am "neuen" ZVAB fällt detailliert und unmissverständlich aus; sie betrifft unter anderem Artikelabbildungen, Versandkosteneinstellungen, rechtliche Unsicherheiten (Stichwort Widerrufsbelehrung), Bestellungen nur mit Account, Kreditkartenregelungen und Wegfall von PayPal als Zahlungsoption, Aufgabe des Antiquaria-Programms für Sortimentsbuchhändler sowie unübersichtliche Gebühren- und Provisionsabrechnungen.

Häufig bemängelt wird zudem eine Verschlechterung der Suchmöglichkeiten bzw. -filter auf der ZVAB-Seite, die Suche entspricht nun nicht mehr den praktischen Recherchebedürfnissen der Antiquare und Sammler. Mehrfach moniert wird die unübersichtliche Anbietersuche (in der die Antiquariate nach den Vornamen ihrer Inhaber sortiert sind …).

Nur ausnahmsweise angesprochen wird das neu eingeführte Sternchen-Bewertungssystem auf der Seite, die anderen Probleme stehen klar im Vordergrund.

Aus den meisten Antworten geht hervor, dass eine wesentliche Verbesserung bei diesen Dingen wahrscheinlich nicht zu erwarten ist, da die meisten Kritikpunkte Abebooks längst bekannt sind, ohne dass hierauf eine Reaktion erfolgte.

Mehrere Umfrageteilnehmer weisen auf Ebay, Booklooker oder die genossenschaftliche Plattform Antiquariat.de hin, die aber die Ausfälle beim ZVAB längst nicht kompensieren.

Festzuhalten ist schließlich, dass eine Anzahl wichtiger Antiquariate aus verschiedenen Gründen derzeit keine Bücher über ZVAB/Abebooks anbietet. Die Aussage eines Umfrageteilnehmers "Das ZVAB hat den (schon vorher lädierten) Status als Referenzplattform endgültig verloren" trifft es eigentlich auf den Kopf. Nur: wie erfahren die Kunden, die ausschließlich über ZVAB/Abebooks suchen, dass sie auf das Angebot einiger sehr guter Betriebe keinen Zugriff (mehr) haben? Im Vergleich zu den eher internen Kritikpunkte ist dieser Aspekt womöglich noch nicht ausreichend bedacht worden.

Eine sicher recht unvollständige Liste der Antiquariate, die nicht mehr auf der Plattform vertreten ist, sieht aktuell so aus:

  1. Sibylle Böhme, Berlin
  2. Hermann Bresinsky, Windach-Schöffelding
  3. Dietmar Brezina, Moosburg
  4. Michael Butter, Stuttgart
  5. Canicio, Heidelberg
  6. Antiquariat carpe diem (Monika Grevers), Bocholt
  7. Rainer G. Feucht BMCF-Antiquariat, Schelklingen
  8. HeineBuch (Kerstin Kaden), Hamburg
  9. Jürgen Hoge, Wuppertal
  10. Angelika Kiel, Düsseldorf
  11. Antiquariat im Kloster Gertraud Stadler, Weilheim
  12. Meinhard Knigge, Hamburg
  13. Hans Lugmair, Wien
  14. Rainer Friedrich Meyer, Berlin
  15. Roland Moser, Simbach am Inn
  16. Daniel Osthoff, Würzburg
  17. Uwe Quell, Waldbrunn-Lahr
  18. Dr. Wolfgang Rieger, Freiburg i. Br.
  19. J. Voerster, Stuttgart
  20. Vree, Hildesheim
  21. Bert Wawrzinek, Dresden
  22. Hermann Wiedenroth, Bargfeld


zumindest vorübergehender Ausstieg:

  1. Lutz Heimhalt, Hamburg
  2. Heinrich Heine Antiquariat, Düsseldorf
  3. Christa Krug, Kleve
  4. Jürgen Noffz, Oldenburg

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3 Kommentar/e

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  • Christoph Schäfer

    Christoph Schäfer

    Was bisher anscheinend allgemein, also auch von Antiquaren, nicht verstanden worden ist, ist der Zusammenhang zwischen ZVAB und abebooks. Das "neue" ZVAB ist technisch ein 1:1 Klon von abebooks. Dies erklärt dann natürlich die plötzliche Zunahme von Auslandsbestellungen, weil die Bücher einiger Kollegen, die zuvor nicht bei abebooks eingestellt hatten, nun auch von abebooks-Nutzern gefunden werden, die hauptsächlich im Ausland sitzen.

    Es gibt - außer in der Optik und der Adresse - kein ZVAB mehr, es ist jetzt abebooks und das ist eben amazon. Deswegen wird am ZVAB auch nichts mehr zu reformieren oder zu ändern sein, was nicht gleichzeitig auch für abebooks geändert wird.

  • Holger Timm

    Holger Timm

    Mit dem neuen Auftritt buxfux.de der Buchsuchmaschine "da ist es ja"! ist es nun für stationäre Buchhändler und Antiquare wieder möglich, ZVAB und andere Plattformen für vergriffene Bücher gemeinsam mit dem Kunden zu durchsuchen, da die Eingebe einer Handelsspanne zuvor bei den Händlerdaten hinterlegt wird.
    Als Suchsystem wird "da ist es ja!" im HIntergrund genutzt, die Eingaben und Ergebnissanzeigen erfolgen jedoch auf der Buxfux - Oberfläche.
    Das System befindet sich zurzeit in der Betatestphase, kann aber bereits uneingeschränkt genutzt werden.
    Da der Zugang auf Händler beschränkt ist, muss nach der Anmeldung zunächst eine Freischaltung durch den Betreiber erfolgen.

  • EuroChess Unternehmergesellschaft Martin Stamer CEO

    EuroChess Unternehmergesellschaft Martin Stamer CEO

    Am Ende entscheiden schnelles Handling und bester Preis. Dazu gehört die Frage: was ist schneller und wirksamer hinsichtlich Käuferschutz als PayPal ? Amazon ist nicht PayPal und wird es nicht kaufen können. PayOne und was sich sonst noch so bemüht um schnellen Zahlungsverkehr hat den Nachteil des "Nachziehenden".

    Das ist wie im Schach: wer zuerst zieht hat einfach die Initiative.

    Eine ZVAB-Bestellung mit der Info, dass sich "in spätestens zwei Tagen" der Händler meldet, muss nicht kommentiert werden.

    Das erinnert mich an die "gute alte Zeit" als der gewählte Kanzler Adenauer sich locker zwei/drei Tage Zeit nahm, um seine Minister zu benennen ....

    Weiter so ZVAB - das hat was ...

    Mit freundlichen Grüssen

    Martin Stamer

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