Lesetipp: „F.A.Z.“-Interview mit Jonathan Landgrebe

Mehr Sachbuch, mehr Profit für Suhrkamp

Sandra Kegel hat den neuen Suhrkamp-Verleger Jonathan Landgrebe für die heute „F.A.Z.“-Ausgabe interviewt (Feuilleton, S. 13). Landgrebe deutet an, dass der Verlag vor allem wirtschaftlicher werden muss.

„Wir denken nicht in Bestsellern“, sagt Landgrebe und betont, der Verlag werde sich nicht auf potenzielle Bestseller fokussieren, sondern seinem Programm treu bleiben. „Wir haben keine Angst vor Misserfolgen“, sagt Landgrebe, der auf Ulla-Unseld Berkéwicz folgt, die die Geschicke des Verlags aus dem Aufsichtsrat heraus steuern wird, wo sie den Vorsitz übernimmt. Ihre Familienstiftung hält mit der Familie Ströher die Mehrheit der Aktien des Verlags, bleibt damit die starke Frau im Hintergrund.

Landgrebe räumt im Gespräch mit Sandra Kegel ein, dass es nach den Millionenverlusten durch das Insolvenzverfahren (und die inzwischen beigelegten Rechtsstreitereien) nun das Ziel des Verlags sein müsse, schwarze Zahlen zu schreiben – auch wenn der Verlag u.a. dank Investitionen der Familie Ströher „stabil dastehe“.

Im kommenden Jahr will Suhrkamp weiter sein Sachbuchprogramm ausbauen und als Spitzentitel auf den neuen Roman von Friedrich Ani setzen. Außerdem arbeite man an einer Werkausgabe von Ingeborg Bachmann. Nicht zu den Hoffnungsträgern hingegen gehört das E-Book-Geschäft: Gerade einmal fünf Prozent des Verlagsumsatzes, so der neue Suhrkamp-Verleger, würden bei Suhrkamp mit E-Books erzielt. Die Entwicklung des Marktes verlaufe „bei weitem nicht so explosionsartig (…), wie es vielerorts prophezeit wurde.“

Außerdem kritisiert Landgrebe die Gesetzesentwürfe zum Urhebervertragsrecht: Verlage seien alles andere als reine „Verwerter“, beschwert sich Landgrebe. Die technischen Entwicklungen lasse offenbar viele glauben, „dass eine Mischung aus Geldverdienen und Informationsweiterleitung alles ist, was Verlage machen.“

Aus dem Archiv: Ulla Unseld-Berkéwicz zieht sich aus operativem Geschäft zurück.

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2 Kommentar/e

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  • Martin Kraetke

    Martin Kraetke

    Das Suhrkamp im Vergleich zu anderen Verlagen so wenig Umsatz mit E-Books erzielt, mag seinen Grund auch in den hohen Preisen finden. Bei einigen E-Books werden über 20,- EUR verlangt.

  • Heßler

    Heßler

    ....nach einem schwachen Herbstprogramm nun ein starkes Frühjahrsprogramm 2016...allerdings verständlich nach den vielen "Unabwägbarkeiten" der Vergangenheit nun wieder so einen für Buchhändler und Leser erfreulichen Start hinzulegen! Noch eine Bemerkung zu Ihrer Aussage-die Verlage sollten sich grundsächlich überlegen, ob sie den ganzen elektronischen Schnickschnack weiter mitmachen oder sich darauf konzentrieren die noch vorhandenen Kräfte dafür zu nutzen, wieder gut lesbare, schön ausgestattete und interessante Bücher erscheinen zu lassen.
    MfG

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