digital*litera* in Berlin

"Nur gute Bücher finden ihre Leser"

Vor welchen Aufgaben steht die Buch- und Medienbranche in der Gegenwart? Wie wirkt sich die digitale Revolution auf die Produktion, Verbreitung und Rezeption von Literatur aus? Und wie reagiert die Wissenschaft auf die veränderten Lebens- und Arbeitsbereiche? Bei der digital*litera* in der Berliner "Urania" ging es am Mittwoch, 27. Januar, ans Eingemachte. CHRISTIANE PETERSEN

Die Veranstalter, das Graduiertenkolleg 1787 der Universität Göttingen und das Forum Zukunft des Börsenvereins, hatten rund 60 Fachleute aus ganz Deutschland eingeladen, um zum Thema "Digitalisierung und Literatur" zu diskutieren.

So schlicht wie überzeugend war das "Barcamp"-Format der Veranstaltung: Die Organisatoren gaben nur den strukturellen Rahmen der achtstündigen "Unkonferenz" vor. Auch ein Raum, Arbeitsmaterial, technische Infrastruktur, Essen und viel Kaffee wurden zur Verfügung gestellt. Und dann: Türen zu und schauen, was passiert.

Das Experiment glückte: Ausgehend von einem kreativen Zettel-Chaos (jeder der rund 60 Teilnehmer klebte einen Zettel mit dem für ihn relevanten Thema an die Wand auf einen von den Veranstaltern entworfenen "Zugfahrplan") traten Wissenschaftler, Autoren, Verlagsmenschen, Selfpublisher, Journalisten und Blogger in einen offenen Dialog: Ist "Open Access" ein Geschäftsmodell? Gehören "Digitale Sichtbarkeit" und "Open Access" zusammen? Welche Bezahlmodelle können sich künftig für digitale Inhalte durchsetzen? Wie können wir den ökonomischen Wert von Inhalten sichern? Und wie ist Qualitätssicherung in Zeiten von Digitalisierung und Prozessbeschleunigung möglich?

"Wieso sollte die Qualität sinken? Ob Bücher über den klassischen Verlagsweg als Print-Produkt erscheinen oder im Selfpublishing als E-Book - nur gute Bücher finden ihre Leser", argumentierte einer der Teilnehmer aus dem Selfpublishing-Bereich. "Es gibt neue Möglichkeiten der Qualitätssicherung, wie zum Beispiel Crowd-Korrigieren oder zumindest das Melden von Fehlern", meinte Autorin Kathrin Passig. Sie protokollierte die Veranstaltung live.
 
Final beantwortet wurden die gestellten Fragen nicht. Das ist laut Veranstalterin Dorothee Werner auch nicht das Ziel der Initiative. "Uns geht es darum, dass ein Flow entsteht und einzelne Fäden weiter verfolgt werden können. Und es geht um das Bilden von Netzwerken, das oft zu erfrischenden Ergebnissen führt", so Werner. Matthias Beilein vom FG-Graduiertenkolleg fügt hinzu: "Für uns Wissenschaftler ist ein Barcamp ein niedrigschwelliges Format der Vernetzung – und exotisches Neuland. Das betreten wir gern, wir wollen nicht im Elfenbeinturm der Wissenschaft sitzen“.

Dieses Ziel wurde erreicht – ob Gruppendiskussion oder Mittagpause, der Geräuschpegel der Diskutierenden blieb gleichbleibend hoch. Und je nach Position blickten die Teilnehmer unterschiedlich in die Zukunft der Kreativbranche. "Wenn wir Potentiale nutzen und erkennen wollen, müssen wir Fehler machen dürfen. Wir brauchen Freiräume und eine Unternehmenskultur, die uns diese Freiräume zugesteht", so Ute Lütkenhaus vom Börsenverein. "Freiräume?", erwiderte Volker Oppmann, Geschäftsführer von log.os. "Wir sind hier in Europa viel zu satt, um uns Freiräume zu erkämpfen. Hier wird vor sich hin theoretisiert und sich beschwert – die Entwickler in Asien und Afrika sind nicht satt und bequem, die werden uns weit hinter sich lassen", malte er die Zukunft in dunkleren Farben.

Am Ende verließen 60 erschöpfte Teilnehmer die Berliner Urania. Viele von ihnen treffen sich bei der heute und morgen stattfindenden future!publish am selben Ort wieder.

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