Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien

Can Dündar und Erdem Gül werden geehrt

Die türkischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül erhalten den "Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien" 2016 der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig. Damit wird ihr "großer Einsatz um das freie Wort" gewürdigt, teilt die Medienstiftung mit.

"Unter den Nominierten dieses Jahres waren zahlreiche Journalisten und Medienorganisationen, die sich in ihren Heimatländern oder länderübergreifend mit großem Einsatz um das freie Wort verdient machen", erklärt Stephan Seeger, Geschäftsführender Vorstand der Medienstiftung, in der Presseinformation. "Mit der gemeinsamen Würdigung für Can Dündar und Erdem Gül ehren wir zwei Journalisten, die stellvertretend stehen für viele ihrer Kollegen in der Türkei und darüber hinaus: Sie gehen unabhängig und unvoreingenommen ihrer journalistischen Arbeit nach − ungeachtet politisch motivierter Verfolgung, der Bedrohung durch Haftstrafen oder Gefahren für Leib und Leben."

Der Preis ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert und wird zu gleichen Teilen an beide Journalisten vergeben. "Can Dündar und Erdem Gül nehmen den Preis an und werden ihn im Rahmen der Preisverleihung am 7. Oktober in Leipzig entgegennehmen", heißt es weiter − "sofern sie nicht daran gehindert werden."

Dass nun erneut zwei türkische Journalisten ausgezeichnet werden, begründet Seeger wie folgt: "An der Entscheidung der Jury lässt sich ablesen, dass die Bedrohung der Pressefreiheit in der Türkei inzwischen als systemimmanent angesehen wird, dass sie permanent eine pluralistische Meinungsbildung verhindert und so journalistische Existenzen gefährdet. Can Dündar und Erdem Gül, zwei herausragende und renommierte Journalisten, sehen sich dieser Bedrohung seit Jahren ausgesetzt, zuletzt in ihrer Arbeit als Chefredakteur bzw. Ankara-Korrespondent der Zeitung 'Cumhuriyet'." Diese Entwicklung in einem so wichtigen Partnerland Europas bereite der Jury große Sorgen.

Beide Journalisten wurden zur Zielscheibe des Staates wegen eines gemeinsam verfassten Berichts über angebliche Waffenlieferungen der Türkei an Extremisten in Syrien. Im November 2015 wurden beide Journalisten verhaftet, wobei das türkische Verfassungsgericht die Untersuchungshaft im Februar 2016 als unrechtmäßig bezeichnete. Der Prozess begann am 25. März 2016, die Anklage lautete auf wissentliche und willentliche Unterstützung einer bewaffneten Terrororganisation und Spionage von Staatsgeheimnissen. Während Dündar am 6. Mai 2016 auf das Urteil wartete, wurde ein Schusswaffenattentat auf ihn verübt. Dündar wurde wegen der Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen zu fünf Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, Gül zu fünf Jahren. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Zum Preis

Mit dem "Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien" ehrt die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig seit 2001 jährlich Journalisten, Verleger und Institutionen, die sich mit hohem persönlichem Einsatz für die Freiheit und Zukunft der Medien engagieren. Der Preis soll auch die Erinnerung an die friedliche Revolution in Leipzig am 9. Oktober 1989 wachhalten: Damals forderten die Demonstranten "eine freie Presse für ein freies Land".

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Für die Freiheit der beiden Journalisten starten der Börsenverein und das PEN-Zentrum Deutschland auf den Buchtagen eine gemeinsame Postkartenaktion. Rund um die Buchtage werden vorgedruckte Postkarten an den türkischen Botschafter in Berlin verschickt, mit denen die Unterzeichner gegen die Verurteilung protestieren und Freiheit für die beiden Pressevertreter fordern.

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