Banger stellt Verlagstätigkeit ein

Keine Verzeichnisse mehr

Der "Banger" stellt zum Jahresende nach 66 Jahren seine Verlagstätigkeit vollständig ein. Dies betrifft sowohl die Print- als auch die Online-Ausgaben der vier buchhändlerischen Verzeichnisse, teilt das Kölner Unternehmen mit.

Hintergrund für die Einstellung sind die seit Ende der 1990er Jahre kontinuierlich sinkenden Auflagen der vier Verzeichnisse (Verlage; Zeitschriften; Verlagsvertretungen; Verlagsauslieferungen), so der Geschäftsführer Tom Jepsen. Die Restauflagen der aktuellen Ausgaben sind noch bis 15. Oktober lieferbar.

"Früher war der Banger ein unverzichtbares Hilfsmittel an jedem buchhändlerischen Arbeitsplatz", fährt Jespen fort. "Aktuell werden die Verzeichnisse hauptsächlich in den Bestellabteilungen und bei Spezialfällen benötigt. Mit den niedrigeren Auflagen ist die redaktionelle Bearbeitung in der bewährten Banger-Qualität nicht mehr wirtschaftlich. Da die Datenqualität der Kern unserer Verzeichnisse ist, wollten wir hier keine Abstriche machen."

Der Verlag wurde 1950 in Marbach am Neckar von Elisabeth Müller und Hans Banger (als Verlag der Schillerbuchhandlung Hans Banger) gegründet, im gleichen Jahr erschien die erste Ausgabe des Verzeichnisses "Deutschsprachige Verlage". 1954 zog der Verlag nach Köln, zwei Jahre später kam die erste Ausgabe des Verzeichnisses "Deutschsprachige Zeitschriften" heraus. Es folgten die Verzeichnisse "Verlagsvertretungen" (ab 1993) und "Verlagsauslieferungen" (ab 1994). Tom Jepsen übernahm in dritter Generation 2009 die Verlagsleitung, der Verlagsname wurde in Banger Verlag geändert.

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3 Kommentar/e

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  • Dietmar Bohm

    Dietmar Bohm

    Das ist eigentlich schon unfassbar: BuchinteressentInnen schauen bei dubiosen Online-Anbietern nach, wo man was bekommt, anstatt bei Fachleuten nachzufragen. Und die buchhändlerische Facharbeit muss eingestellt werden, weil keine Nachfrage mehr da ist. Ein Trauerspiel. Sowas wie der Banger gehört eigentlich an exponierter Stelle in jede Buchhandlung, vor allem der sog. Filialisten! Statt dessen nutzt man dort lieber eine x-beliebige Barsortimentsdatenbank und wenn der gesuchte Titel da nicht auftaucht, bekommen Kunden die Auskunft: Gibts nicht mehr. Schade, dass man keine Pflichtauflage daraus machen kann, dass so etwas wie der Banger in aktueller Auflage bzw. als Online-Tool in jeder Buchhandlung vorhanden sein muss. Hier geht ein überaus sinnvolles Stück Facharbeit verloren. Sehr, sehr schade.

  • Manfred aus Herne

    Manfred aus Herne

    @ Dietmar Bohm

    Wenn Buchinteressenten bei "dubiosen" Onlineanbietern nachsehen (und dies offenbar ausreichend ist), dann scheint offensichtlich kein Bedarf mehr an buchhändlerischer Facharbeit da zu sein. Das muß man einfach aktzeptieren. Die Welt dreht sich weiter, auch wenn das dem Buchhändler nicht paßt, weil er am liebsten alles wieder wie "früher" und keine Veränderung haben möchte.

    Und eine Pflichtauflage als Zwang etwas zu erhalten, was offenbar keiner mehr nutzt, das geht gar nicht. Man kann nicht mit Gewalt etwas am Laufen halten, was nur Kosten verursacht und letztlich keiner nutzt. Für den Verlag mag diese sehr schön sein (dann publiziere ich auch sofort ein Nachschlagewerk), für das einzelne Unternehmen allerdings weniger.

  • Frank-Thorald Müller

    Frank-Thorald Müller

    Es gibt ein ganz simples Argument gegen den sämtlichen Digitalisierungs- und Modernisierungswahn: Wenn eines Tages mal der Strom ausfällt, werden die einen noch wissen, wie ein Buch aussieht und was man damit machen kann, während sich die anderen hilflos langweilen.

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