Internationale Vernetzung der Unabhängigen

Schulterschluss der Indie-Welt

Mit Unterstützung der Frankfurter Buchmesse setzen Indie-Verlage in Zeiten der Globalisierung stärker auf internationale Vernetzung. An der Leseinsel der unabhängigen Verlage ließ sich schon mal beobachten, wie das geht. Künftig könnte es eine gemeinschaftliche internationale Präsenz geben.

Die Idee der deutschsprachigen Hotlist hat internationale Nachnutzer gefunden. Guido Indij, Verleger von La Marca aus Argentinien und Koordinator der spanischsprachigen Sektion der Internationalen Allianz der unabhängigen Verlage, strahlt, wenn er an der Leseinsel der unabhängigen Verlage (Halle 4.1, D 36) die von ihm zusammengetragene Hotlist der Lateinamerikanischen Independent Verlage präsentiert – eine Freihand-Ausstellung von rund 50 Titeln unabhängiger Klein- und Kleinstverlage aus der spanischsprachigen Welt Lateinamerikas, von Peru und Kolumbien bis Argentinien, Uruguay und Chile. Umgesetzt wurde die Freihandausstellung mit Hilfe der Frankfurter Buchmesse, Unterstützung kam von der Kurt-Wolff- Stiftung, die seit Mitte September Mitglied der Allianz ist und die Leseinsel initiiert hat.

Für Indies aus Lateinamerika ist es schwierig, regelmäßig auf die weltgrößte Buchmesse zu reisen. „Für das Geld, das eine Woche Frankfurt kostet, können sie da zuhause locker ein Buch produzieren“, erklärt Marifé Boix Garcia, im Management-Team der Frankfurter verantwortlich für Business Development in Südeuropa und Lateinamerika sowie für das Einladungsprogramm der Buchmesse. Mit der Allianz ist Boix Garcia schon länger im Gespräch, ein Areal zu schaffen, wo internationale Indies gemeinsam ausstellen können – sei es in Form eines Gemeinschaftsstandes oder benachbarter Einzelstände. Die Aktivitäten auf der Leseinsel versteht sie als „Brückenkopf“ für diese Idee. „Letztlich geht es um den Aufbau von funktionierenden Netzwerken, um den Austausch untereinander.“

An den Fachbesuchertagen konnte man hier auch spannende Einblicke in den Alltag unabhängiger Verlage aus anderen Weltgegenden gewinnen. So saßen am Messemittwoch gemeinsam mit Guido Indij dessen Kolleginnen Deborah Holtz (Editorial Trilce, Mexiko), Mariana Warth (Editora Pallas, Brasilien) und Felipe Gonzáles (Laguna Libros, Kolumbien) auf dem Podium. Sie erzählten vom ungleichen Fingerhakeln mit Großkonzernen wie Random House oder Planeta, oder von schwierigen Märkten wie Mexiko, wo die Regierung zugleich größter Verleger des Landes (mit rund 40 % Marktanteil) ist und nur knapp 500 Buchhandlungen für eine Bevölkerung von 123 Millionen existieren. Am Messefreitag diskutierte Christoph Links mit Müge Sökmen, Verlegerin des renommierten Metis Verlags (Istanbul) über die aktuelle Lage auf dem türkischen Buchmarkt. Sökmens Fazit: Der Buchmarkt ist nicht so stark von Willkürakten und Unterdrückung betroffen wie die Medien. Doch angesichts von Listen, nach denen zuletzt über 100.000 missliebige Bücher aus türkischen Bibliotheken ausgesondert worden seien, könne man nicht so ohne weiteres zur Tagesordnung übergehen. „Schon ein verbotenes Buch ist eines zu viel.“

A propos Schulterschluss: Der zum Messeauftakt druckfrisch präsentierten 12. Ausgabe des Katalogs der Kurt-Wolff-Stiftung („Es geht um das Buch“) liegt heuer eine Broschüre der Swiss Independent Publishers (SWIPS) bei, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum feiern. 28 deutschschweizer Verlage stellen sich in dieser komprimierten Jubiläums-Publikation mit jeweils einem Titel vor; unter www.swips.ch lässt sich die ausführliche Variante frei Haus bestellen oder direkt auf die Seiten der Verlage weiterklicken.

nk

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